Warum sind evangelische Kirchen schlichter als katholische?

gestellt von Susan am 17. März 2017

Hallo, ich frage mich schon seit geraumer Zeit, warum evangelische Kirchen im Gegensatz zu den katholischen sehr minimalistisch fast schon schmucklos sind. Liegt es an der damaligen Spaltung, weil dann kein Ablass betrieben wurde und dadurch die Evangelen "arm" waren, oder hat es sich so einfach nur ergeben?

Liebe Susan,

 

der Grund für die unterschiedliche Ausstattung in evangelischen und katholischen Kirchen liegt in der Theologie begründet und nicht im Geld. In den zehn Geboten heißt es ja unter anderem: "Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!" (2. Mose 20,4f.) Die Reformatoren sahen in den vielen verschiedenen Bildern der Kirchen einen Verstoß gegen dieses Gebot. Martin Luther war bei seiner Kritik noch recht gemäßigt. Seiner Meinung nach konnten Bilder sozusagen als pädagogische Mittel eingesetzt werden, eben um biblische Geschichten zu veranschaulichen. Doch die Schweizer Reformatoren Johannes Calvin und Ulrich Zwingli gingen deutlich weiter. Für sie war klar: Die Leute können beim Gottesdienst nicht unterscheiden zwischen der Darstellung von etwas und dem, was es darstellen soll.

 

Wenn im Gottesdienst die Menschen vor einer Marienstatue niederknien, dann knien sie nicht nur vor Maria, sondern eben auch vor einem Marienbild. Gott hat aber ausdrücklich verboten, Bilder anzubeten. So kam es im 16. Jahrhundert in mehreren Gebieten, in denen die Reformation sich durchgesetzt hatte, zu regelrechten "Bilderstürmen". Statuen, Bilder, Kirchenfenster, sogar kunstvolle Orgeln wurden von den Anhängern der Reformation zerstört oder verkauft. Gebäude, die bereits als evangelische Kirchen gebaut wurden, sollten entsprechend wenig prunkvoll sein. Bis heute halten sich vor allem reformierte Kirchen (also solche, die sich auf Zwingli und Calvin berufen) sehr streng daran. In Lutherischen Kirchen geht es mal mehr und mal weniger prunkvoll zu. Und dabei kommt es dann tatsächlich auch darauf an, wie viel Geld im Spiel war oder ist. Der berühmte Hamburger "Michel", also die "St. Michaeliskirche", ist als evangelische Kirche erbaut und ist ausgesprochen prunkvoll. Sie wurde in einer ausgesprochen reichen Handelsstadt erbaut und dazu im Barock, einer Zeit, in der Prunk auch einfach zum "guten Stil" gehörte.

Generell ist Ihre Wahrnehmung aber richtig. Eine Kirche wie zum Beispiel die Asamkiche in der Münchner Innenstadt ist kaum als evangelische Kirche vorstellbar.

 

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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