Wann sind wir in Jesu Namen versammelt?

gestellt von Sabine S. am 5. Januar 2018
Gruppe im Gebet

Foto: Getty Images/iStockphoto/shironosov

Hallo Herr Muchlinsky,
immer mal wieder begegnet einem der Satz Jesu "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen", nicht nur im Gottesdienst, sondern auch schon mal bei einer privaten Zusammenkunft von mehrheitlich christlichen Menschen. Aber wann sind wir denn in Jesu Namen versammelt? Im Gottesdienst, wenn dies im Votum benannt wurde? Was ist, wenn das vergessen wurde? Wie ist das mit den anderen Zusammenkünften der Gemeinde?
Ich bin schon gespannt auf Ihre Antwort und grüße herzlich
Sabine S.

Liebe Frau S.,

vielen Dank für Ihre anregende Frage! Ich muss gestehen, dass ich mich selbst noch niemals gefragt habe, wann wir als Christinnen und Christen "tatsächlich" in Jesu Namen versammelt sind.

Zunächst einmal ist sicher, dass wir uns im Namen Jesu versammeln, wenn wir Andachten und Gottesdienste feiern. Erst recht, wenn das im Votum laut uns deutlich gesagt wurde, denn dazu ist es schließlich da: "Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, der Sohnes und des Heiligen Geistes!" Da bleibt keine Frage offen. Die Menschen, die das zu Beginn ihrer Versammlung sagen – und mit dem "Amen" bestätigen, wollen genau das: Dass Jesus mitten unter ihnen ist. Das "funktioniert" freilich nicht nur in der Kirche, sondern immer dann, wenn man es ausdrücklich macht: "Wir sind hier zusammen im Namen Jesu, im Namen Gottes."

Sie fragen, was wohl passiert, wenn das Votum nicht gesagt wird. Nun, es sollte zumindest in Gottesdiensten nicht vergessen werden, weil es eben eine Versammlung von Christinnen und Christen zum Gottesdienst macht. Wenn es aber nicht ausgesprochen wird, so kann ich mir nicht vorstellen, dass sich Jesus Christus deswegen sozusagen "ausgeladen" fühlt. Wenn Menschen zusammenkommen, weil sie gemeinsam beten und das Evangelium hören wollen, dann hoffen sie darauf, dass es so ist, wie Jesus es versprochen hat. Übrigens stammt der Satz von Jesus aus dem Matthäus Evangelium und steht in einem Zusammenhang, in dem es nicht unbedingt um den Gottesdienst geht, sondern um das Miteinander in der Gemeinde und um das  Gebet: "Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch einig werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen." (Mat 18,19-20).

Man kann also sagen, dass der Satz sich in seinem Ursprung auf die Situation des gemeinsamen Gebetes bezieht. Insofern macht auch das kleine Tischgebet Sinn, in dem es heißt: "Komm, Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast." Darum möchte ich abschließend sagen: Wir sind nicht immer in Jesu Namen versammelt, wenn zwei oder drei Christinnen und Christen miteinander etwas unternehmen. Wir können ganz andere Anlässe haben, als unsere christliche Gemeinschaft zu feiern. Jesus ist aber mit Sicherheit unter uns, wenn wir ihn wörtlich einladen. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es unsere Einladung hört, wenn wir sie lediglich im Herzen haben.

Ich hoffe, meine Antwort war ähnlich anregend wie Ihre Frage. Herzliche Grüße!

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Ich denke, dass der Satz Jesu: "Wo Zwei oder Drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" auch dann seine Gültigkeit hat, wenn Kinder den Kindergottesdienst besuchen. Und wenn Jugendliche zum Konfirmandenunterricht zusammen kommen ist Jesus sicher ebenfalls mitten unter ihnen. Vielleicht auch beim Religionsunterricht in der Schule.

Diese Bibelwort hatte ich auch schon öfter gehört, aber erst vor 2 Jahren bekam es für mich eine sehr persönliche und reale Bedeutung. Wir hatten im Zusammenhang mit der Hilfe für syrische Flüchtlinge eine Situation, in der sich die Menschen in unserem Ort z. T. zerstritten hatten und die Flüchtlingshelfer bedroht wurden. Es stand auf der Kippe, ob aus verbalen Drohungen und Ankündigungen im Internet reale Gewalt wird. Es gab dann eine Versammlung, zu der trotz der beängstigenden Situation mehr Menschen als erwartet kamen. Dabei wurde vorher gemeinsam gesungen (von den Kirchenmitgliedern, die die Lieder kannten). Ich bin ein eher nüchterner Mensch und glaube nicht an Erweckungserlebnisse o.ä., zudem hatte ich zu diesem Zeitpunkt ein distanziertes Verhältnis zur Kirche. Aber ich kann nur sagen, wie ich es in diesem Moment empfunden habe: es war zu spüren, dass wir dort nicht alleine standen. Bei mir machte sich das über eine innere Kraft und gleichzeitig Ruhe bemerkbar, Angst und eigene negative Gefühle waren weg. Es war fast körperlich zu greifen. Die äußere Situation war unverändert, deshalb bin ich der Meinung, dass die Veränderung nicht aus unserer Kraft heraus entstanden ist. Das klingt wahrscheinlich ziemlich verrückt, aber besser kann ich es nicht beschreiben. Ich würde es selbst nicht glauben, wenn ich es nicht erlebt hätte. Seitdem verstehe ich dieses Bibelwort ganz anders, und Jesus ist also offensichtlich nicht nur unter Christen und nach einem Votum unter uns, sondern wenn wir seine Gegenwart benötigen. MfG

Meine Meinung:
Ich kann auch "alleine mit Jesus" versammelt sein. Das sagt mir am besten zu,
weil ich in einem 4-Augen-Gespräch mehr zur Sprache bringen kann.

Zudem können auch "mehr als drei" mit Jesus versammelt sein.

Wann sind wir mit Jesu versammelt?
Immer dann, wenn wir Jesus als alleiniges Oberhaupt,
als Fachmann und Experte, als Persönlichkeit und Gott anerkennen.
Leider sind wir Menschen keine großartigen Leuchten.

Ich meine, dass man alleine nicht mit Jesus "versammelt" sein kann. Wenn ich alleine bin und rede mit Jesus, z.B. im Gebet, dann trete ich mit Jesus in einen Dialog. Ganz klar, dass er dann auch anwesend ist. Aber eben doch anders, als wenn zwei oder drei oder auch mehr................ in Jesu Namen versammelt sind, wie das im Gottesdienst der Fall ist. Ich denke, wenn Jesus sagt: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen", ist damit gemeint, dass Jesus schon dann mitten unter uns Menschen ist, wenn sich die kleinst mögliche Gruppe von Menschen in seinm Namen versammelt. Und das sind eben mindestens zwei.

Es müssen mindestens "2" in Jesu Namen versammelt sein: Jesus und ich = 2
Er ist in mir, mitten in mir, in meinem Herzen. Im Grunde genommen sind wir "eins".
Das ist die kleinst mögliche Gruppe!

...........ich lasse Ihnen das letzte Wort, liebe Gästin, was aber nichts daran ändert, dass ich anderer Ansicht bin.

Also ich verstehe dieses Wort auch wie Susanne. Oft kann ich im Alltag die Gegenwart Jesu` spüren, v.a. im Gebet. Aber unter "versammelt sein" verstehe ich mindestens 2 Menschen, die sich in seinem Namen versammeln, und dann ist Jesus mitten unter ihnen. Für Jesus war die Gemeinschaft der Gläubigen (oder auch der Zweifler) ganz selbstverständlich. Deshalb stellt uns Christen unser Glauben meiner Meinung nach immer in eine Gemeinschaft und in eine Beziehung zu den Menschen, denen wir begegnen. Ich war lange Zeit eher der Typ "glauben kann ich auch alleine und ohne Kirche", aber inzwischen denke ich, das war nicht der richtige Weg. Mein Glauben wird erst im Austausch und in Begegnungen mit anderen Menschen lebendig und kann daran wachsen.

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