Kirchliche Beerdigung trotz Kirchenaustritt?

gestellt von Ralf Brehm am 4. Juli 2014
Bestattung mit Pfarrer

Foto: epd-bild / Rolf Zöllner

Hallo Herr Muchlinsky,

ich bin vor über 25 Jahre aus der evangelischen Kirche ausgetreten! Nicht weil ich nicht glaube....sondern weil ich enttäuscht von der Kirche war. Da ich getauft bin, bin ich jedoch laut unserem Pfarrer trotzdem für immer evangelisch...was ich vom Gefühl her auch bin! Doch wenn ich sterbe, warum bekomme ich dann (laut unserem Pfarrer) trotzdem keine kirchliche Beerdigung???? Ist das nicht Paradox???????????????

Lieber Herr Brehm,

 

Ihre vielen Fragezeichen lassen mich ahnen, wie sehr Sie tatsächlich den Kopf schütteln über diese zwei unterschiedlichen Aussagen. Sind Sie nun noch evangelisch oder nicht? Ich denke, Ihr Pfarrer hat Ihnen sagen wollen, dass Sie in jedem Fall ein getaufter Christ bleiben, auch wenn Sie aus der Kirche austreten. Und da hat er durchaus recht. Das Christsein bemisst sich an der Taufe und nicht an der Kirchenmitgliedschaft.

 

Ich verstehe allerdings nicht, warum er Ihnen sagte, Sie blieben in jedem fall evangelisch. Das ist eine gewagte Aussage, denn es könnte ja (theoretisch) sein, dass Sie nach ihrem Austritt in eine andere Konfession wieder eintreten. Was Sie in jedem Fall getan haben, ist der Gemeinschaft der evangelischen Christinnen und Christen den Rücken zu kehren. Diese Gemeinschaft ist nämlich durchaus definiert durch die Kirche. Und Sie schreiben ja selbst, dass Sie von dieser Gemeinschaft "enttäuscht" waren, weswegen Sie austraten.

 

Nun ist es aber diese Gemeinschaft, es ist die Kirche, von der Sie gern beerdigt werden würden. Ist das nicht auch ein Widerspruch? Sie kommen doch anscheinend gut ohne die Kirche aus. Warum möchten Sie dann gern von ihr begraben werden? Ich persönlich glaube nicht, dass Ihr Heil nach dem Tode davon abhängt, ob Sie eine kirchliche Bestattung bekommen oder nicht. Wenn Ihnen das aber dennoch wichtig ist, kommen Sie gern zurück. Unsere Kirche nimmt jeden wieder auf, der sich entschließt, wieder einzutreten. Vielleicht ist nach 25 Jahren ja auch noch anderes geschehen, das Ihre Enttäuschung vielleicht ein wenig gelindert hat.

 

Ich grüße Sie freundlich und wünsche Ihnen alles Gute

Frank Muchlinsky

Kommentare

Zu Ihrem Punkt 3 + 4
Eben drum!
Weil evangelische Freikirchen sich NICHT über die Kirchensteuer finanzieren, haben evangelische Freikirchen heftigen Zulauf. Die Kirchensteuer hat einen großen Beitrag zu den hohen Kirchenaustritten der vergangenen Jahre geleistet. Die Abschaffung der gelben Pappe (= Lohnsteuerkarte) hat ein übriges dazu beigetragen. Schließlich war die jährlich zugeschickte Lohnsteuerkarte für den Steuerzahler so etwas wie die schriftliche Bestätigung gewesen, dass er am Arbeitsleben teilnimmt und Mitglied der Evangelischen Landeskirche ist. Seit der Umstellung auf papierlose Kommunikation, läuft ja alles durcheinander und das Kirchenmitglied hat überhaupt keinen Überblick mehr. Wonöglich gehören die Kirchenmitglieder bereits zu einer evangelischen Splitterpartei und wissen es noch gar nicht! Oder aber, alle evangelischen Freikirchen erhalten anteilig Kirchensteuern, weil wir ja alle eins sind: "Evangelische Kirche".

Ich meine, wenn irgendwer (= Bundeszentralbank für Steuern + Kirchensteuern) gaaanz viele Daten hat, dann wird die Versuchung unersättlich groß, das auch für andere Zwecke auszunutzen.

Gibt es auf der "nicht mehr vorhandenen" Lohnsteuerkarte Unstimmigkeiten mit der Kinderanzahl, dann geht man mal eben zum Meldeamt und lässt den Fehler korrigieren, aus zwei Kinder werden dann vier Kinder. Ähnlich läuft das auch bei der Religionszugehörigkeit ab.

Ich meine, bzw. Sie meinen, Herr Pastor : Evangelisch-Sein ist ja gleich Evangelisch-Sein, historisch sei das so gewachsen.

Na ja, "Antrag auf Korrektur" reicht völlig aus! Ein weiterer Vorteil: Bei vielen evangelischen Freikirchen (z. B. evangelische Brüdergemeinden) wird aus Prinzip der Pastor, Pfarrer abgelehnt, die 10 Jahre für ein Theologie-Studium verplempern. Zwar wird etwas "pfarrerähnliches" eingesetzt, der aber seinen Lebensunterhalt durch weltliche Arbeit verdienen muss. Ein redegewandter Mensch reicht als Pastor völlig aus. Grundsätzlich darf jedes freikirchliche Gemeindeglied taufen sooft und soviel er/sie will, Trauungen durchführen, Abendmahl austeilen und irgendwas predigen. Zudem dürfen sogar viele evangelischen Gemeinschaften, wie z. B. die evangelischen Baptisten, örtlich ganz unterschiedliche Lehren erfinden.

Na ja, die Lohnsteuerkarte wurde 2011 abgeschafft - mal abwarten, wann die Pastoren samt den Landeskirchen abgeschafft werden?!

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