Kinder im Glauben erziehen

gestellt von Änne am 18. Juli 2016

Hallo,

seit längeren quälen mich viele Gedanken und beschäftigen mich einige Fragen zum Thema Kirchengemeinde. Evtl. könnte man die Thematik auch kurz beschrieben. Aber ich habe das Gefühl weeeiiitttt ausholen zu müssen - Entschuldigung hierfür!!! Ich bin als Kind nicht getauft worden. Als ich volljährig wurde habe ich mich taufen lassen (da ich bereits mit 11 Jahren sehr interessiert an den religiösen Hintergründen war habe ich mir trotz sehr großer leseprobleme die Bibel meiner Eltern geschnappt und seither glaube ich definitiv an Gott). Ich war allerdings nie ein aktives Kirchenmitglied.

Ich denke, dass mir die enge Verbundenheit die meist während der Kindheit und Jugend zur Kirche entsteht einfach gefehlt hat. Mein ehemaliger Mann hat seinen Glauben (nach einiger persönlich Tragödien) verloren und wollte unbedingt aus der Kirche austreten. Da wir zusammen steuerlich veranlagt wurden bedeutete dies, dass ich auch austreten musste. Da ich der Überzeugung bin, dass der Glaube in einem stattfindet und ich das Gefühl hatte im beistehen zu müssen, tat ich es. Unsere Ehe ist vor einigen Jahren gescheitert. Zwischenzeitlich habe ich einen liebevollen Mann (der katholisch erzogen wurde aber ebenfalls vor mehreren Jahren aus der Kirche ausgetreten ist) und seit nun bald 7 Monaten eine wunderbare gesunde Tochter. Nun beschäftigt mich seit längeren der Gedanke, dass meine Tochter eigentlich auch nie diese enge Verbundenheit zur Religion "mit in die Wiege gelegt bekommt", da mein Wissen hierfür definitiv nicht ausreicht. Gerade in der heutigen Zeit (Terror "im Namen der Religion") kommt es mir noch wichtige vor als jemals zuvor, dass Kinder Glauben vermittelt und bestätigt bekommen, in einer Glaubensgemeinschaft gefestigt werden und Religion nicht nur aus den erschreckenden Nachrichten kennenlernen. Damit sie sich irgendwann in der Religion angekommen fühlen.

Lange Rede... Hier meine Frage(n): Gibt es irgendwelche Möglichkeiten damit meine Tochter Teil der evangelischen Kirche wird? Kann sie z.B. am Kindergottesdienst teilnehmen ohne das wir Mitglieder der Gemeinde sind? Kann sie wenn sie jugendlich ist selbstständig entscheiden ob sie getauft und konfirmiert werden möchte? Ist es dann erfahrungsgemäß schon zu spät? Haben jugendlich nicht andere Dinge im Kopf wenn sie bis dato keine prägende Verbindung zur Kirche hatten? Könnten mein Mann und ich wieder in die Kirche eintreten (Obwohl mir dieser Gedanken etwas missfällt. Ich empfinde die Kirche als eine wichtige Institution der Gesellschaft und ich finde eigentlich nicht, dass man hier ein- und austreten sollte wie in einem Sportclub. Irgendwie bin ich der Meinung ich habe damals meine Entscheidung getroffen und muss für mich jetzt mit den Auswirkungen leben. Aber meine Tochter soll nicht unter alten, schlecht und von mir und für mich getroffenen Entscheidungen leiden)? Gibt es ansonsten irgendwelche Optionen für uns bzw. meine Tochter? Selbstverständlich habe ich schon viel im Internet recherchiert. Allerdings gibt es zu allen meiner Fragen komplett gegensätzliche Antworten. Daher setze ich viel Hoffnung auf Klarheit durch Sie.

Vielen Dank bereits jetzt und sorry für die ausführliche Schilderung

Liebe Änne,

Sie machen sich wirklich sehr ausführlich Gedanken über den Glauben, über sich und Ihre Familie. Natürlich möchte man, dass das eigene Kind Geborgenheit und Zuversicht erfährt. Im Glauben wird genau das zugesprochen. Das Elternhaus spielt hierbei eine große Rolle. Sie eröffnen Ihrem Kind Chancen mit dem christlichen Glauben in Berührung zu kommen.

Mitglied der evangelischen Kirche wird man durch die Taufe. Die häufigsten Fragen zum Thema Taufe sind auf evangelisch.de zusammengestellt worden. So ist es zum Beispiel in einigen Landeskirchen möglich, sein Kind auch taufen zu lassen, wenn die Eltern nicht Mitglied der Kirche sind. Gerade weil aber die Eltern das Kind erziehen, sind sie aber auch diejenigen, die dem Kind Glaubensimpulse geben können. Deshalb sollten Sie doch prüfen, ob Sie Ihre Tochter nicht auch im Glauben begleiten wollen. Sprechen Sie doch mal mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin vor Ort, vielleicht bietet die Gemeinde sogar sogenannte Taufseminare für die Eltern an.

Viele Gemeinden bieten Krabbelgottesdienste, Kinder- und Familiengottesdienste an. Hier gilt: Alle Gottesdienste sind öffentlich. Man kann sie also auch besuchen, wenn man nicht Mitglied der Gemeinde ist. So bekommen auch Sie als Eltern einen Eindruck von der Gemeinde. Außerdem gibt es häufig auch evangelische Kinder- und Jugendgruppen, die sich regelmäßig treffen und gemeinsame Aktivitäten durchführen. Eventuell gibt es sogar einen evangelischen Kindergarten vor Ort. Für alle Angebote gilt, eine Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche ist nicht zwingend erforderlich und christliche Gedanken und Werte werden vermittelt.

Grundsätzlich ist man in Deutschland mit 14 Jahren religionsmündig. Das heißt, man kann selber darüber entscheiden, ob man getauft oder konfirmiert werden möchte. Man kann sich übrigens auch zur Konfirmation anmelden, wenn man nicht getauft ist. Die Taufe wird dann während der Konfirmandenzeit oder im Konfirmationsgottesdienst „nachgeholt“. Eine prägende Verbindung muss nicht schon vorher bestanden haben, macht es aber wahrscheinlich leichter.

Im Übrigen können Sie natürlich jederzeit wieder in die Kirche eintreten. Das können Sie vor Ort in Ihrer Kirchengemeinde tun oder bei der Eintrittsstelle. Es ist ja kein ständiges Aus- und Wiedereintreten. Zudem ist ein Austritt eben keine endgültige Entscheidung, die unumkehrbar ist.

Herzliche Grüße

Stefanie Keller

 

Kommentare

Die Frage sollte sich eigentlich von selbst verbieten, wenn man die Frage ganz leicht umformuliert: Kann ein Mensch Teil einer Kirchengemeinde sein, auch wenn es andere nicht sind?
Ja, sicher spielen die Eltern eine wichtige Rolle im Leben eines Kindes. Und ganz sicher kommt den Paten in so einem Fall eine ganz besondere Bedeutung zu.
Aber es kann und darf nichts dagegen sprechen, ein Kind zu taufen, es als Teil der Gemeinde zu betrachten, wenn das Kind dies möchte, bzw. die Eltern für das Kind. Die Zusage Jesu, die bei der Taufe gegeben wird, gilt vorbehaltlos; jedem Menschen.
Man kann (und wird als Pfarrer) fragen, warum die Eltern etwas für Ihr Kind wollen, das sie für sich selbst nicht wollen, aber das steht auf einem anderen Blatt. Die Taufe wirkt ja weniger durch die Eltern als durch den Geist, in dessen Namen sie vollzogen wird.
Auch kirchenrechtlich ist es durch die Lebensordnungen der VELKD sowie der UEK ganz eindeutig: Es ist ausdrücklich kein Ablehnungsgrund für die Taufe, wenn die Eltern keiner Kirche angehören, sondern sofern die Eltern der Taufe zustimmen und Paten bereit sind, Verantwortung für die evangelische Erziehung zu nehmen.
Darüber hinaus gilt folgende Regelung: "Wenn Eltern ihre Kinder nicht in den ersten Lebensjahren taufen lassen, sondern darauf hinwirken wollen, dass die Kinder sich später selbst für die Taufe entscheiden, ist die Gemeinde auch für diese Kinder verantwortlich. Sie lädt sie zu Gottesdienst und kirchlichem Unterricht ein und hilft den Eltern, die Kinder auf ihre Taufe vorzubereiten." (Ordnung kirchlichen Lebens)

In diesem Sinne: Herzlich Willkommen!!

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