Wie soll ich als Katholik am evangelischen Gottesdienst teilnehmen?

gestellt von Nicolai am 23. August 2016

Sehr geehrter Herr Pastor Muchlinsky,
in einigen Monaten bin ich zu Verwandten zu einer evangelischen Hochzeitsfeier eingeladen. Das Problem dabei ist, dass ich aus fester Überzeugung katholischer Christ bin. Da sich ja, gerade auch im Gottesdienst, einige Punkte zwischen katholischen und evangelischen Christen unterscheiden, frage ich mich nun, wie ich mich bei solch einer Feier verhalten soll: Die Verhaltensweisen der Protestanten in diesem Gottesdienst einfach zu adaptieren bzw. nachzumachen, ohne geistig bzw. geist-lich dahinter zu stehen, hielte ich für falsch, weil ich damit dem evangelischen Glauben nicht gerecht werden würde und weil mir als Katholik das z.T. auch verboten ist. Einfach nur passiv da zu stehen und gar nichts zu tun, hielte ich aber für ebenso falsch, weil es dem Rahmen der Veranstaltung per se m.E. nicht gerecht wird.
Wie stellen Sie als evangelischer Geistlicher sich die Mitfeier eines katholischen Mitchristen an einem solchen Gottesdienst vor? Immerhin haben wir ja die große Gemeinsamkeit, an denselben Gott und an Jesus Christus gemeinsam zu glauben, nur der Weg, den wir dabei wählen, ist eben bisweilen unterschiedlich.

Lieber Nicolai,

in der Feier eines evangelischen Gottesdienstes gibt es meiner Kenntnis nach nur das Abendmahl, bei dem Sie als Katholik Probleme haben könnten, wenn Sie mitfeiern. Alles andere ist vielleicht ein wenig anders in der Ausführung, aber nicht theologisch unterschieden. Wir sprechen dasselbe Glaubensbekenntnis, das Vaterunser wird in unseren Gottesdiensten gebetet. Wir singen häufig dieselben Lieder, beten selbstverständlich dieselben Psalmen und lesen aus derselben Heiligen Schrift.

Vielleicht sprechen Sie noch einmal mit einem katholischen Kollegen darüber, aber von meiner Seite aus sollte es Ihnen möglich sein, bei allem, was in dem Traugottesdienst geschieht mit fröhlichem gewissen teilzunehmen. Und wenn Sie sich bekreuzigen, wenn andere das nicht tun, wird niemand Sie scheel anschauen. Und wenn Sie im Glaubensbekenntnis bekennen, dass Sie an die "heilige katholische Kirche" glauben, während die anderen sagen "die heilige christliche Kirche", dann wird das auch niemanden stören.

An bedeutenden Stellen im Gottesdienst pflegen wir zu stehen. Stehen Sie ruhig mit auf. Wenn Sie lieber knien möchten, tun Sie das. Wie gesagt, nur das Abendmahl, die Eucharistie unterscheidet unsere Gottesdienste auf eine Weise, die nicht so leicht zu überbrücken ist. Allerdings sollen Sie wissen, dass Sie auch als Katholik eingeladen sind, wenn in einer evangelischen Kirche Abendmahl gefeiert wird. Sie müssen da nicht mitmachen, aber dürfen dürfte Sie schon. Sie sind schließlich ein getaufter Christ.

Wie bereits erwähnt: Wenn Sie der Ansicht sind, dass Ihnen das Eine oder das Andere verboten ist, das in einem evangelischen Gottesdienst getan wird, dann fragen Sie am besten noch einmal bei einem katholischen Geistlichen nach. Mir fällt da nichts weiter ein.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Hochzeitsfeier und grüße Sie herzlich!

Frank Muchlinsky

Kommentare

Was darf ich als evangelischer Christ bei einem katholischen Gottesdienst?

Dazu habe ich auch mal eine Frage hier beantwortet. Schauen Sie mal: http://fragen.evangelisch.de/frage/1210/verhalten-katholischer-messe

Ich habe wegen einer ähnlichen Problematik (habe die katholische und leicht demente Mutter meines Freundes mit in die Kirche genommen und wollte sicher gehen, daß ich nichts mit ihr mache, was sie eigentlich nicht darf) schon mal im katholischen Kirchenrechtsforum nachgefragt. Meiner Meinung nach gibt es grundsätzlich nicht das geringste Problem, der evangelische Gottesdienst zählt halt nur nicht zur Erfüllung des Sonntagsgebotes. Wie oben gesagt, kein Problem, sich zu bekreuzigen oder das andere Wort im Glaubensbekenntnis zu sagen. Ich mache das im katholischen Gottesdienst halt anders herum ... das einzige ist wirklich das Abendmahl. Aber da muß man ja nicht teilnehmen, es macht auch nicht jeder evangelische Christ mit, ebenso wie ich in der katholischen Kirche nicht teilnehmen darf und viele Katholiken auch nicht hingehen.

Laut dem Kirchenrechtsforum ist es eigentlich doch kein Problem, weil es keine Eucharistie ist. Wenn der Katholik also teilnimmt in dem Bewußtsein, daß es keine Eucharistie ist, dann ist es ihm erlaubt. Er darf nur nicht glauben, daß es dasselbe wie die Eucharistie ist. Also letzten Endes nicht an das Sakrament glauben. Luther schreibt dazu im kleinen Katechismus: "Wer empfängt denn dieses Sakrament würdig?
Fasten und leiblich sich bereiten ist zwar eine feine äußerliche Zucht; aber der ist recht würdig und wohl geschickt, wer den Glauben hat an diese Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Wer aber diesen Worten nicht glaubt oder zweifelt, der ist unwürdig und ungeschickt; denn das Wort Für euch fordert nichts als gläubige Herzen." Wie und ob das alles unter einen Hut geht, muß man selbst entscheiden. Aber bei uns ist jeder willkommen, wie oben schon geschrieben, und ich glaube nicht, daß Jesus selbst jemanden vom Tisch gewiesen hätte, egal ob katholisch oder evangelisch ...

Ich stimme auch zu ausser dass knien in einer evangelischen Kirche für einen Katholiken wohl keinen Sinn macht, weil es dort keinen Tabernakel gibt und nach Auskunft evangelischer Pfarrer -zu meiner großen Bestürzung- nichts das heilig wäre. Meine katholische Frau geht mit mir mit zu Abendmahlsgottesdiensten, nimmt aber am Abendmahl selbst nicht teil. Umgekehrt nehme ich mit ihr regelmäßig an der Heiligen Messe teil - lediglich die Kommunion empfange ich bisher nicht.

Ich bin Katholik und habe fast 20 Jahre in einem evangelischen Kirchenchor mitgesungen. Egal was war (Erntedank, Himmelfahrt etc.) Auch bei Abendmahlsgottesdiensten. Ruhigen Gewissenens habe ich mich am Abendmahl beteiligt. Einverstanden war ich dabie mit Martin Luther: Das ist mein Leib - das ist mein Blut.

Hmm, irgendwie finde ich die Antworten lavieren alle am Problem vorbei und daran, was dem Fragenden, Nicolai, auf dem Herzen liegt.
Ihm geht es um Ehrlichkeit und Authentizität. Er ist römisch-katholischer Christ, steht den Glaubensinhalten und der Glaubenspraxis evangelischer Christen kritisch bis ablehnend gegenüber, auch wenn er sie so genau nicht kennt. Hat Angst, dass er sich selbst Schaden zufügt, Gott beleidigt, wenn er am evangelischen Ritual aktiv teilnimmt und seine tradierte römisch-katholische Glaubenspraxis, nicht richtig umsetzen kann. Hat die zu honorierende Absicht "geistig - geistlich" am Gottesdienst teilzunehmen, aber für ihn richtig.

Da hilft meiner Meinung nach kein Crashkurs in "Evangelisch" und auch keine philosophischen Antworten wie "evangelisch-katholisch, das ist doch alles christlich" (was für mich persönlich absolut richtig ist!).

Da hilft die Frage: warum wollen Sie, Nicolai, überhaupt zu dieser Hochzeit gehen? Nicht nur zum Gottesdienst, sondern auch zur anschließenden Feier?

Ich frage mich bei Ihren Ausführungen nämlich, ob es überhaupt eine gute Idee ist an dieser Hochzeit teilzunehmen. Denn wenn Sie schon als guter Katholik die Glaubenspraxis des Paares ablehnen, müssen Sie die Glaubensinhalte, das evangelische Eheverständnis, das im Gottesdienst postuliert wird, doch vollends ablehnen. Nach katholischem Verständnis spendet sich zwar das evangelische Paar ohne es zu ahnen und zu wollen auch das Sakrament der Ehe, - was bei Scheidung und Wiederverheiratung mit einem Katholiken zum Problem werden kann -, aber dass das so ist wird nirgends im Gottesdienst vorkommen, denn für uns Evangelische existiert dieses Sakrament schlicht nicht. Damit ist die Ernsthaftigkeit, die Sie sich sicher wünschen nicht gegeben.

Wirklich konsequent und mutig wäre es, der Veranstaltung aufgrund eigener Zweifel am Ritual fern zu bleiben. Sonst wirkt das wie "wasch mich, aber mach mich nicht nass".

Falls es doch gute, wichtige Gründe gibt, zu dieser Hochzeit zu gehen, könnten Sie sich auch ein Wort des Heiligen Ambrosius von Mailand zu Herzen nehmen: Si fueris Romae, Romano vivito more; si fueris alibi, vivito sicut ibi.

Als evangeluischer Pastor kann ich einem Katholiken nicht ausführen, was dessen Kirche ihm erlaubt oder vergeben müsste. Ich kann lediglich einladen und unaere Haltung erläutern. Die römisch-katholische Kirche erkennt die Trauung in einer evangelischen Kirche vollständig an, selbst als Sakrament wird sie angesehen. Ich sehe darum keinen Grund, warum man sich als Katholik nicht in einen evangelischen Traugottesdienst setzen sollte.

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