Ist eine Urnenbestattung christlich?

gestellt von Reinhard am 2. Oktober 2016
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Foto: Syda Productions/stock.adobe/lev dolgachov

Lieber Pastor Frank Muchlinsky,

als älterer Mensch bereite ich einen Vorsorgeordner vor. Ich möchte eine Urnenbestattung nach meinem Ableben haben. Auf meine Frage, ob dieses christlich ist, bekomme ich keine Antwort oder die, das es jeder für sich entscheiden muss.

Können Sie mir bei meinem Problem helfen?

Lieber Reinhard,

Traditioneller weise verbrennen Christinnen und Christen ihre Toten nicht. Die ersten Christen haben die Begräbnisriten natürlich aus dem Judentum übernommen, aus dem sie hervorgegangen sind. Juden und Christen legen den Körper ihrer Verstorbenen in die Erde, von der es heißt, dass wir aus ihr gemacht wurden. Vielleicht erinnern Sie sich an die Schöpfungsgeschichte, in der der erste Mensch von Gott aus Lehm geformt wird? Später, als es darum geht, dass er auch sterben wird, sagt Gott zum Menschen: "Du bist Erde und sollst zu Erde werden." (1. Mose 3,19).

Außerdem glauben Christen, dass eines Tages – am Ende aller Zeiten – die Toten auferstehen werden. Sie werden sozusagen neu aus den alten Knochen auferstehen. Wie genau man sich das vorzustellen hat, weiß niemand, und auch in der Bibel gibt es darüber nur Vermutungen. Wir lassen den alten Körper also einfach langsam vergehen, damit Gott ihn neu schaffen kann, wenn es an der Zeit ist. Einen Körper zu verbrennen, wird darum von einigen Christen eher als gewaltsamer Akt verstanden.

Allerdings gibt es mittlerweile auch christliche Beerdigungen von Urnen. Die evangelische Kirche hat in den 1920er Jahren als Bestattungsform akzeptiert, die römisch-katholische Kirche führt Feuerbestattungen seit 1963 durch. Es ist also tatsächlich so, dass Sie sich entscheiden können, was Sie gern für Ihre Bestattung hätten.

Ich hoffe, das hilft ein wenig weiter? Herzliche Grüße!

Frank Muchlinsky

Kommentare

Also meine Eltern haben schon vor vielen, vielen Jahren für sich entschieden, dass sie eine Feuerbestattung wollten; inzwischen sind sie bei Seebestattung. Sie glauben, dass Gott uns bei der Auferstehung schon zu finden wissen wird. Ich kann einerseits die traditionellen Begründungen für die Erdbestattung gut nachfühlen, glaube aber andererseits auch, dass Gottes Ewigkeit vielleicht noch ganz anders ist, als wir uns vorstellen können; Er braucht keine "Zeit" abzuwarten, bis Er uns aus Knochen, aus Asche oder aus dem Meer aufliest. Das ist alles allein Seine Sache, und ob und wie jemand bestattet wird, hat keinen Einfluss auf Gottes Handeln. Mir ist noch das Bild vor Augen aus dem Film "Das Geständnis" ... wo mit der Asche ermordeter Menschen eine Straße gestreut wird ... Da wird keiner an der Himmelspforte sitzen und nachfragen, ob die auch ordnungsgemäß vermodert sind. Ich frage am besten mal meine Liebsten, ob sie meinen, dass sie einen Ort zum Trauern brauchen, und entscheide dann, wie es sein soll.

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