Was kommt in der Fastenzeit auf den Tisch?

gestellt von Frederik am 1. März 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

Bezüglich der Fastenzeit: Stimmt es, dass ein ertränktes Schwein als Fisch gilt und somit gegessen werden darf? Dies ist eine ernst gemeinte Frage, da sich dieses Gerücht hartnäckig in meinem Freundeskreis hält. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Freundliche Grüße Frederik

Lieber Frederik,

 

eigentlich wäre Sie mit Ihrer Frage bei katholisch.de richtig gewesen, denn die Regel, in der Fastenzeit kein Fleisch zu essen, ist vor allem eine römisch-katholische. Der Schweizer Reformator Huldrych Zwingli startete seine Reformation mit einem großen Wurstessen am ersten Sonntag in der Fastenzeit um deutlich zu machen, dass die Bußpraxis, die hinter dem Fasten stand, die Menschen nicht näher zu Gott bringen kann. Martin Luther fastete zwar in der Zeit vor Ostern, machte aber immer wieder deutlich, dass fasten nicht "angenehmer" vor Gott machen kann.

 

In der katholischen Kirche wurde der strenge Verzicht auf Fleischkonsum während der Passionszeit bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts sehr ernst genommen. Das Verbot von Fleischverzehr geht bereits auf Papst Gregor I. zurück. Er war es, der das Fleisch "warmblütiger Tiere" verbot. Das heißt, dass Fische erlaubt waren. Vermutlich kam es bereits sehr bald nach dieser Ordnung dazu, dass man versuchte, die Regel so auszulegen, dass sie auch andere Tiere zuließ, denn schließlich ist es eine Definitionssache, was als Fisch gilt und was nicht. Wenn man alles einen Fisch nennt, was im Wasser lebt, kann man auch Enten und Biber essen. Der Biber hat zudem einen leicht schuppigen Schwanz, was ihn noch mehr an einen Fisch erinnern lässt. Das führte dazu, dass der Biber lange Zeit als nicht fleischliche Fastenspeise galt. Er wurde nicht zuletzt deswegen in Europa nahe an den Rand des Aussterbens gebracht. Gleichzeitig aber wurden Biber extra für die Fastenzeit gezüchtet.

 

Sie können sich vorstellen, dass man – wenn man erst einmal dabei ist, die Regeln großzügig auszulegen – immer wieder auch zu absurden Begründungen kam, wie man das Fleischverbot umgehen könnte. Darum wird in der Tat auch davon berichtet, dass man Tiere ins Wasser trieb, um sie dort zu ertränken und kurzerhand zu Wassertieren, also Fischen zu erklären.

Wie gesagt, es handelt sich hierbei um "Fastentricks", die längst aus der Mode gekommen sind. Wer heute fastet, tut das aus freien Stücken und braucht sich nicht selbst zu betrügen, wenn er oder sie das Fasten brechen will.

 

Ich wünsche eine gute Passionszeit und erlaube mir noch meine Fasten-E-Mails von "7 Wochen Ohne" zu empfehlen. Alles Gute!

Frank Muchlinsky

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