Fragen zum Gebet

gestellt von Marc am 22. Oktober 2017
Gebet

Foto: Getty Images/iStockphoto/LincolnRogers

1. Wie verhalten sich Gebete verschiedener Beter zur selben Gottheit bzgl. sich widersprechender Anliegen?

2. Wie verhalten sich Gebete zu unterschiedlichen Gottheiten, die sich inhaltlich ergänzen oder widersprechen?

3. Welchen Status haben Gebete zu ausgestorbenen oder aktuell eher unpopulären Gottheiten?

4. Welche relative Wertigkeit haben Gebete von Fachleuten wie Priestern im Vergleich zu Gebeten von Laien?

5. Haben Gebete von Homosexuellen oder Frauen denselben Status wie die von (heterosexuellen) Männern?

Vielen Dank für eine Aufklärung!

Lieber Marc,

gerne will ich für ein wenig "Aufklärung" sorgen. Das Wichtigste, das Sie sich klar machen müssen, ist dies: Gebete sind keine Wunsch- oder Bestelllisten. Im Gebet geht es nicht darum, Gott zu überzeigen, doch bitte das geschehen zu lassen, was man sich selbst gerade wünscht. Schon gar nicht geht es darum, Gott besonders gut zu gefallen, damit er macht, was man will. Darum ist es zunächst einmal völlig egal, wer ein Gebet spricht. Jeder Mensch, der sich im Gebet an Gott wendet, hat denselben "Draht" zu Gott, wie alle anderen.

Wer eine echte Beziehung zu Gott hat, wird feststellen, dass es im Gebet nicht darum geht, dass Wünsche erfüllt werden, sondern dass das eigene Gebet erhört wird. Das ist im Grunde genommen wie in jeder anderen Beziehung auch: Ich werde nicht alles tun, was meine Partnerin oder mein Partner sich von mir wünscht. Aber ich kann ihm oder ihr deutlich machen, dass ich verstehe, worum es ihr oder ihm geht. Wer ernsthaft betet, kann Gott die eigenen Anliegen vortragen und erfahren, dass Gott zuhört. Das kann für Außenstehende als wenig empfunden werden. Aber für die Betenden ist es sehr viel, denn es bedeutet, nicht allein zu sein mit der eigenen Situation.

Diese Haltung sollte für alle ernsthaft betenden Menschen gelten, egal wie sie den Gott nennen, an den sie sich wenden. Wer versucht, Gott gegen andere aufzuhetzen, wird sicherlich feststellen, dass sich Gott das nicht lange gefallen lässt.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Muchlinsky

Kommentare

Lieber Frank, vielen Dank für die Antwort, die sich allerdings leider nur sehr vage auf die konkret gestellten Fragen bezieht. Abgesehen davon stellen sich mir aus dieser Antwort neue Fragen, zum Beispiel:

1. Woran kann ein Beter erkennen, zu welchem Gott er einen Draht hat?

2. Was genau ist der Unterschied zwischen "Wünsche werden erfüllt" und "Gebet wird erhört"?

3. Was hilft es, wenn Gott zwar zuhört, ansonsten aber nicht erkennbar auf das Vorgetragene irgendwie eingeht oder daraufhin seinen Allmachtsplan ändert? Handelt es sich demzufolge nicht eigentlich um einen Selbstbetrug?

4. Woran kann jemand erkennen, wenn sich Gott etwas nicht gefallen lässt? Und hat nicht gerade der biblische Gott ständig Menschen gegeneinander aufgehetzt, genauso wie sein Sohn:

"Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert." ?

Viele Grüße, Marc

Lieber Marc,

gern lege ich noch einmal nach:

Ad 1: Ich denke, dass jeder beziehungsfähige Mensch merken wird, zu wem er eine Beziehung hat.

Ad 2: Lesen Sie bitte noch einmal meine Antwort genau durch. Wer spürt, dass ein Gebet gehört wird, merkt, dass er mit seiner Situation nicht allein ist, dass also sein Gebet auch erhört wird.

Ad 3: Wer so betet, dass Gott ihm möglichst seine Wünsche erfüllt, dem geht es nicht um Gottes Allmacht, sondern um seine eigene. Ja, und für Außenstehende kann Beten aussehen wie ein Selbstbetrug, denn als Außenstehender hat man ja keine Beziehung zu Gott.

Ad 4: Wer Gott als Gegenüber ernst nimmt wird früher oder später merken, wenn er dieses Gegenüber auszunutzen versucht.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Muchlinsky

Ich finde diese Worte von Thomas Merton sehr treffend: "Gebet ist nicht der Moment, wo ich versuchen muss, Gott zu erreichen, sondern Gebet ist der Moment, wo ich spüre, dass er mich schon längst gefunden hat". Das beschreibt jedenfalls meine Gebetserfahrung recht gut. Bei mir hat sich das Beten im Lauf des Lebens immer wieder verändert, so wie sich auch der persönliche Glauben an Gott verändert. Ich hatte auch Zeiten, wo ich keinen Kontakt mit Gott wollte...aber Gott bleibt trotzdem immer den Menschen zugewandt.

Ad 1: *Woran* kann ein beziehungsfähiger Mensch erkennen, dass seine Beziehung zu Gott keine eingebildete Illusion ist?

Ad 2: Gleiches berichten zum Beispiel auch Pastafari, die spüren, dass ihre Gebete vom Fliegenden Spaghettimonster erhört wurden. Woran kann jemand erkennen, von wem sein Gebet tatsächlich erhört wurde? Ist es nicht einfach nur ein rhetorischer Trick, "erhören" bei Bedarf zu "gehört werden" umzudeuten und umgekehrt? "Erhören" beinhaltet doch auch eine Reaktion, die über das rein passive Zuhören hinausgeht, oder nicht?

Ad 3: Woran kann ein Gläubiger sein Gebet von einem Selbstbetrug unterscheiden? Welchen Sinn haben Bittgebete, wenn sie gar keine Bitte enthalten dürfen/können/sollen?

Ad 4: Die Frage war: Woran kann ein Gläubiger (der als solcher Gott als Gegenüber natürlich ernst nimmt) konkret erkennen, dass sich Gott etwas nicht hat gefallen lassen?

Viele Grüße, Marc

Lieber Marc,

es tut mir Leid, wenn ich ihre Fragen nicht zu Ihrer Zufriedenheit beantworten konnte. Ich selbst finde meine Antwort logisch und auch vollständig. Ich hab auch nicht gesagt, man dürfte sich nicht mit seinen Wünschen und Bitten an Gott richten. Nur ist Gott eben keine Wunscherfüllungsmaschine, und wenn ein Wunsch nicht in Erfüllung geht, hat das nichts mit Aelbstbetrug zu tun. Versuchen Sie einfach, sich ein Gebet wie ein normales Gespräch mit einem echten Gegenüber vorzustellen.

Vielleicht fragen Sie woanders noch einmal, wenn Sie ein andere Antwort haben möchten.

Mit freundlichem Gruß

Frank Muchlinsky

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