Innehalten vor dem Sitzen

gestellt von Antje am 17. Februar 2012

Die meisten, die in einen evangelischen Gottesdienst kommen, bleiben erst einmal einen Moment stehen, bevor sie sich hinsetzten.
Was macht "man" da traditionell? Beten - und wenn ja was? Sich die Kirche anschauen? Sich besinnen? Seine Sünden bekennen?
Mir hat es noch keiner so richtig erklären können.

Vielen Dank
Antje

Liebe Antje,

ich habe Ihre Frage an einen Gottesdienstexperten weitergeschickt. Pastor Thomas Hirsch-Hüffell arbeitet im Gottesdienstinstitut der Nordkirche. Er war so nett und hat mir gleich geantwortet:

Thomas Hirsch-Hueffell wrote:

Zum Innehalten vor dem Sitzen:

1. Es gibt keine Verpflichtung dazu.

2. Ein einfacher Sinn ist: man stoppt alles einen Moment lang. Das ist so, als würde man die Zeit anhalten. Ankommen, stehenbleiben, nicht einfach immer weitermachen, sondern eine Art Lücke lassen, damit etwas mit mir geschehen kann.

3. Die Geste hat eine Außenorientierung. D.h., man macht sich klar, dass man in der Nähe von etwas Großem oder Heiligen steht. Das wird meist im Altar und Kreuz oder auch in besonderen Kirchenfenstern vorn symbolisiert. Davor kann man sich verneigen, oder man schaut es einfach in Ruhe an und macht sich klar, wo man ist.

4. Die Innenseite äußert sich dann in Worten oder Gedanken, die diesem Respekt vor dem Großen entspricht. Ich kann beten, das ist ja die gängigste Form mit diesem anderen Wesen zu verkehren.

  • Etwa so: Gott, du bist da, ich bin da, sei mir gut.
  • Oder: ich sitze oder stehe, so bist du um mich (aus Psalm 139)
  • Gern auch frei: (z.B. „Ich hab immer noch so viel Restalkohol in mir, dass ich jetzt nicht Auto fahren dürfte. Lieber Gott, mach's Beste draus.“)

Oder einfach schweigen und da sein und versuchen zu merken, dass jetzt etwas anderes dran ist als sonst.

5. Man kann solche Gesten pflichtgemäß tun, weil es alle so machen. Dann bleibt es ein bisschen äußerlich. Ist auch okay. Man kann diese alten Rituale aber für sich nutzen, um etwas zu üben, was man im Alltag brauchen kann. Wenn ich z.B. ein wichtiges Treffen vor mir habe, kann ich einen Moment im Flur - oder wo ich ungestört bin - verweilen und mir klar machen, worum es jetzt gleich geht. D.h., nicht so reinstolpern, sondern zu sich kommen vorher.
www.gottesdienstinstitut-NEK.de

Danke an Thomas und Ihnen einen herzlichen Gruß!
Frank Muchlinsky

Kommentare

Ich brauche auch immer einen kleinen Moment der Ruhe, der Einkehr und der tiefen Freude im Hause meines Herren zu sein. Dazu ist es mir sehr wichtig, Achtung zu erweisen, Respekt zu zeigen, bis ich bereit bin, Neue Inspirationen und schöne Gedanken in mich aufzunehmen...

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