Sündenvergebung

gestellt von Andreas Maier am 26. Mai 2013

Sehr geehrter Herr Muchlinsky ,

wie versteht man das, wenn es heißt, Jesus Christus hat der Menschheit alle Sünden vergeben, aber Menschen trotzdem weiterhin sündigen?
Ist deshalb das Kreuz so wichtig, um uns dort unsere Sünden im Alltag vorzubringen?
Dann hätte ich noch eine Frage: wenn Jesus heute noch unter uns ist, warum werden dann Blinde nicht mehr geheilt, oder es geschehen andere Wunder, wie sie in der Bibel erzählt wurden?

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Maier

Lieber Herr Maier,

 

dank für Ihre Fragen! Ich will versuchen, sie knapp zu beantworten, obwohl man zu jeder einzelnen sicherlich ganze Bücher schreiben kann.

Wenn Christen sagen, dass durch Jesus Christus den Menschen ihre Sünden vergeben wurden, ist damit gemeint, dass sie davon erlöst wurden, selbst zu versuchen, alles immer richtig zu machen. Gott allein ist vollkommen, und es ist ein aussichtsloses Unterfangen, wenn wir Menschen versuchen wollen, selbst vollkommen zu sein. Eigentlich müsste Gott für immer ärgerlich mit uns Menschen sein, weil wir es nicht schaffen, uns an seine Weisungen und Gebote zu halten und vor allem, weil wir immer wieder versuchen, uns selbst wie Götter zu sehen.

Aber dann ist Gott in Jesus selbst Mensch geworden und hat sozusagen am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Gott hat diese Grenze zwischen Gott und Mensch selbst überwunden. Durch Jesus Christus hat Gott uns vergeben, dass wir sind wie wir sind. "Sünde" ist dabei ein Wort, das beschreibt, wie wir Menschen eigentlich sind. Es geht dabei nicht einfach um Fehler, die wir machen, sondern Gott wirft uns vor, dass wir uns zum Maß aller Dinge machen – uns selbst, und eben nicht Gott.

Das tun wir auch weiterhin, aber Gott hat uns das verziehen, und darum können wir darauf hoffen, dass er es uns auch weiterhin verzeiht, denn Gott weiß, wie es ist, Mensch zu sein.

 

Das Kreuz ist ein Zeichen, ein Symbol genau dafür, dass wir es nicht selbst schaffen können, ohne Sünde zu sein, dass wir vielmehr die Vergebung Gottes brauchen. Daran soll es uns erinnern. Das heißt freilich nicht, dass wir tun und lassen sollen, was wir wollen. Wir sollen sehr wohl immer wieder das Richtige tun, aber das Kreuz ist nicht so sehr das Symbol für unsere Sünden, sondern vielmehr das Symbol dafür, dass uns unsere Sünden vergeben werden.

 

Nun zu Ihrer Frage nach Jesus, der noch unter uns ist.
Es gibt zwar durchaus Menschen, die das so ausdrücken, dass Jesus noch unter uns ist, weil ja Jesus solche Sachen gesagt hat wie: "Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." (Mt 25,40) Daraus kann man schließen, dass Jesus im Grunde noch unter uns ist. Aber er ist nicht mehr da, wie er vor 2000 Jahren unter uns war. Er lebte damals als Mensch, er starb. Drei Tage später war seine Auferstehung, aber dann verließ er unsere Erde. Das feiern wir am Himmelfahrtstag. Was wir noch haben, sind die Erzählungen über ihn und, ganz wichtig, seinen Heiligen Geist. Wir glauben also, dass wir den Geist Gottes geschenkt bekommen haben (das feiern wir zu Pfingsten).

 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiterhelfen und grüße Sie herzlich

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Zitat: "Sünde" ist dabei ein Wort, das beschreibt, wie wir Menschen eigentlich sind.

Dieser Satz hat beim lesen der Antwort meine besondere Aufmerksamkeit gefunden. Habe ich den Satz richtig verstanden, wenn ich meine, dass nicht allein eine schlechte Tat eine Sünde ist, sondern in erster Linie die schlechten Eigenschaften eines Menschen? Die schlechten Eigenschaften können dann zu falschen Handlungen und wenn´s ganz schlimm kommt zu Straftaten führen.

Unter schlechten Eigenschaften verstehe ich: "Hochmut, Neid, Zorn, Maßlosigkeit, Habgier, u.s.w." Die schlechten Eigenschaften werden dem Menschen von Gott vergeben, die Taten die daraus folgen aber nicht unbedingt.

Ich denke dabei an die Geschichte: "Kains Brudermord." (1. Mose 4,1-16) Kain und Abel brachten Gott Opfer dar. Gott sah Abels Opfer gnädig an, Kains Opfer jedoch nicht. Kain wird aus diesem Grund von Neid gegenüber seinem Bruder Abel geplagt. Dieser Neid führt dazu, dass Kain seinen Bruder erschlägt. Kain wird von Gott für diesen Mord bestraft.

Für mich sieht das so aus, als bestrafe Gott hier die schlimme Tat, nicht aber die schlechte Eigenschaft (den Neid) Kains.

Liebe Susanne,

tatsächlich ist – wie schon erwähnt – die Geschichte aus 1. Mose 4 diejenige, bei der zum ersten mal in der Bibel von Sünde die Rede ist. Der Satz, den Gott zu Kain sagt, ist hier sehr spannend: "Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie." 1. Mose 4,7

Die Sünde ist nicht der Mord, sondern anscheinend ist sie etwas, mit dem wir Menschen zu kämpfen haben, etwas, das wir beherrschen lernen müssen. Die biblische Geschichte sagt uns nicht einmal, was genau Kain "ergrimmen" lässt. Ist es wirklich Neid auf seinen Bruder? Oder ist er vielmehr zornig auf Gott, weil der ihn nicht wahrnimmt? Auf jeden Fall kommen wir anscheinend – so interpretiere ich diese Geschichte – in Situationen, in denen wir mit etwas überwinden müssen, oder es wird zur Sünde.

Darum würde ich auch weniger von menschlichen "Eigenschaften" reden, denn die scheinen so unveränderbar. Es ist eher unsere menschliche Eigenschaft, dass wir uns mit der Sünde immer wieder anlegen, sie beherrschen sollen, weil wir für sie empfänglich sind, weil wir ihr immer wieder begegnen.

Herzliche Grüße!

Frank Muchlisnky

Hallo Herr Muchlinsky,

danke für Ihre Zeilen, die mich zum Weiterdenken angeregt haben.

Stimmt, der Satz, den Gott zu Kain sagt, ist wirklich sehr spannend und darum habe ich an dieser Stelle meine Gedanken fortgesetzt. "Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie." (1. Mose 4,7)

Ich denke, Gott richtet diese Worte nicht allein an Kain, sondern auch an uns. Wir sollen über die Sünde herrschen, sonst beherrscht die Sünde uns. Aber bevor die Sünde über uns hereinbricht, kommt die Versuchung. Und dieser Versuchung erliegen wir immer wieder. Wir schaffen es nicht der Versuchung zu widerstehen. Tagtäglich sind wir ihr ausgesetzt und kämpfen gegen sie. Warum können wir Menschen der Versuchung nicht widerstehen? Sind wir nicht fromm genug? Ist das eigentliche Übel gar nicht die Sünde, sondern bereits die Versuchung?

Im Vater unser beten wir: "....................Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen..............."

Auch Jesus war der Versuchung ausgesetzt. Drei mal wurde er in der Wüste vom Teufel versucht. Und drei mal hat Jesus der Versuchung widerstanden. Und am Ende den Teufel, den Versucher energisch von sich weg gewiesen. (Matthäus 4,1-16)

Soweit meine Gedanken. Nun noch eine Anmerkung zu dieser "Fragen-Seite." Ich finde es super, dass seit einiger Zeit, der einen oder anderen Frage ein Bild beigefügt wird. Die Bilder passen zur gestellten Frage, machen nachdenklich und lassen mich manchmal auch schmunzeln. Machen Sie weiter so! Ich freue mich über gute Antworten und passende Bilder.

Herzliche Grüße
Susanne

Der Talmud besagt folgendes:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Ich zitiere:"Wenn Christen sagen, dass durch Jesus Christus den Menschen ihre Sünden vergeben wurden, ist damit gemeint, dass sie davon erlöst wurden, selbst zu versuchen, alles immer richtig zu machen. Gott allein ist vollkommen, und es ist ein aussichtsloses Unterfangen, wenn wir Menschen versuchen wollen, selbst vollkommen zu sein. Eigentlich müsste Gott für immer ärgerlich mit uns Menschen sein, weil wir es nicht schaffen, uns an seine Weisungen und Gebote zu halten und vor allem, weil wir immer wieder versuchen, uns selbst wie Götter zu sehen."
Genau das durfte ich erfahren. Es hat lange gedauert bis ich begriffen habe, dass ich Gottes Gebote nicht erfüllen kann. Durch theologische Erkenntnisse, durch eine bestimmte Dogmatik, nächsten Liebe und eigene Anstrengungen wurde ich nicht von der Sünde frei. Auch heute plagt mich der Neid, Lieblosigkeit und was es alles so an kleinem und großen Übel gibt. Bestimmte Dinge gehören in die Seelsorge und fallen unter das Bekennen, ...dem wir Menschen lieber aus dem Weg gehen möchten...

Ich bin irritiert ob der Aussage "Was wir noch haben, sind die Erzählungen über ihn und, ganz wichtig, seinen Heiligen Geist. Wir glauben also, dass wir den Geist Gottes geschenkt bekommen haben (das feiern wir zu Pfingsten)", Herr Pfarrer Muchlinsky. Ich dachte immer, Jesus ist sehr wohl noch "unter uns" -> "ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende".
Ihre Aussage klingt aber eher danach, wie wenn Jesus "nicht mehr da" wäre, weg, wir uns selbst überlassen, "ver"lassen?

Liebe Gitte,

mir ging es darum deutlich zu machen, dass Jesus nicht mehr so "unter uns" ist, wie er es vor 2000 Jahren war. Was Sie zitieren, sind Jesu Abschiedsworte. Jesus ist heute unter uns in unserem Nächsten, dem wir helfen. Er ist unter uns, wenn wir gemeinsam beten, er ist unter uns spürbar und zum Greifen und Schmecken nah, wenn wir das Abendmahl feiern.

Liebe Grüße

Frank Muchlinsky

Doch. Gott heilt auch Heute noch und macht Blinde "sehend."
Die Menschen haben nur keinen Glauben mehr, deshalb werden so wenige geheilt. "Durch seine Wunden sind wir Heil geworden."

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