Was ist eine Aussegung?

gestellt von Meyer als Gast am 31. Mai 2017

Sehr geehrter Herr Muchlinsky,

Was ist eine Aussegnung konkret?
Kann es nicht nur einen Segen geben?

Ich habe folgendes recherchiert:

In Befürwortung des Begriffs A. müsste es sich um Formen von Trauer-Riten einer verstorbenen Person handeln. Eine letzte Segnung des gegangenen Menschen als Abschied von Angesicht zu Angesicht. Das kann eine Andacht am Sterbebett sein, eine kirchliche Bestattung sein, oder zu einer sog. Einsargung geschehen.

Bei Ablehnung des Begriffs Aussegnung kann es sich doch nur um einen Segensvollzug handeln?

Wird bei einer Aussegnung tatsächlich der verstorbene Mensch gesegnet?
Was kann in dieser Situation noch gesegnet werden? Ist der ganze Mensch oder der tote Körper gemeint?

Der Begriff wird ja auch in Gemeinden häufiger als scheinbar korrekt nicht nur im Zusammenhang zu Menschen im Sterben verwendet, sondern auch als Floskel bei Verabschiedungen. Das wäre demnach tatsächlich nicht korrekt?

Herzlichen Dank und Gruß,
Ein Meyer als Gast

Lieber Meyer,

 

Eine Aussegnung ist eine kleine liturgische Handlung, die eine Pfarrerin oder ein Pfarrer an einer verstorbenen Person durchführt. In der Regel geschieht das am Sterbebett, es gibt aber auch Kolleginne und Kollegen, die den letzten Segen für die verstorbene Person bei der Beerdigung als "Aussegnung" bezeichnen. In jedem Fall aber gilt er der oder dem Verstorbenen.

 

Dabei ist der Segen aber nur ein Teil der Aussegnungshandlung. Wenn eine Pfarrerin oder ein Pfarrer an ein Sterbebett gerufen werden, können sie zum einen das Sterben begleiten. Dabei kann es darum gehen, einfach dort zu sein, gemeinsam mit dem Sterbenden und/oder den Angehörigen auszuhalten oder zu beten. Wenn der Mensch gestorben ist – und in vielen Fällen ist das bereits der Fall, wenn die Pfarrerin oder der Pfarrer gerufen wird –, kann ebenfalls mit den anwesenden Angehörigen gebetet werden, und am Schluss wird der oder die verstorbene noch einmal gesegnet. Man spricht vom Sterbesegen. Der kann zum Beispiel so klingen: "Der allmächtige Gott erbarme sich Deiner. Er sei Dir gnädig und nehme Dich auf in sein ewiges Reich. Amen." Oder auch – etwas länger so: "Es segne Dich Gott, der Vater, der Dich nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Es segne Dich Gott, der Sohn, der dich durch sein Leiden und Sterben erlöst hat. Es segne Dich Gott, der Heilige Geist, der Dich geheiligt hat. Der dreieinige Gott sei Dir gnädig und schenke Dir das ewige Leben. Amen"

 

Darum: Die Aussegnung ist eine Handlung, innerhalb derer ein Segen über eine verstorbene Person gesprochen wird. Sie fragen außerdem, was denn bei einem Verstorbenen gesegnet wird. Es ist, wie Sie auch vermuten, der ganze Mensch gemeint. Christinnen und Christen glauben an eine Fortexistenz nach dem Tod, wie auch immer die genau aussehen mag. Die Hoffnung ist, dass durch Tod und Auferstehung Jesu Christi auch der Tod in den Herrschaftsbereich Gottes hineingenommen wurde. Darum können wir auch Tote segnen, die leblos vor uns liegen. Wir glauben, dass Gott sich weiterhin um diese Person kümmert, und das können wir ihr zusprechen.

Bei alltäglichen Verabschiedungen oder Umzügen oder Entwidmungen von Kirchen ist der Begriff der Aussegnung nicht korrekt. Übrigens können Sie den Ablauf einer Aussegnung besonders gut dargestellt auf den Seiten der Bayerischen Landeskirche finden.

 

Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen ausreichend beantworten und grüße herzlich

Frank Muchlinsky

Neuen Kommentar schreiben

Hier ist Ihre Meinung gefragt. Wenn Sie etwas zu diesem Thema beitragen möchten, geben Sie einfach Ihren Namen an (wenn Sie das Feld leerlassen erscheint "Gast" auf der Website) und geben Sie Ihren Text ein. Die Redaktion behält sich vor, welche Kommentare veröffentlicht werden. Radikale politische Äußerungen und persönliche Beleidigungen werden grundsätzlich nicht veröffentlicht.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisiertem Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.