Neuer Urmensch entdeckt. Wie passt das zur Gottes Schöpfung?

gestellt von Ralf Gehring am 11. September 2015

Lieber Herr Muchlinsky, gestern laß ich in der Zeitung, dass in Südafrika ein neuer Urmensch entdeckt wurde. Geschätzte 2 Millionen Jahre alt, anscheinend eine der größten Sensationen auf diesem Gebiet. Nun muss ich gestehen, dass diese Entdeckung auch in mir neue Fragen aufwirft. Wo kommt der her, ist die Menschheit wirklich schon so alt und vor allem wie passt das mit der Schöpfungsgeschichte zusammen? Sind die Schriften der Bibel nun anders zu deuten? Wie passen solche Entdeckungen und christliche Glaube zusammen? Vielleicht können Sie etwas Licht ins urzeitliche Dunkel bringen. Beste Grüße Ralf Gehring

Lieber Herr Gehring,

Sie sind hier an einem Klassiker der Fragen: Das Verhältnis von Schöpfung und Evolutionstheorie.Darüber haben sich schon viele Menschen Gedanken gemacht - und ihre Meinungen gebildet.

Ich möchte Ihnen sagen, wie ich es sehe.

Für mich sind solche Funde kein Widerspruch zu meinem Glauben. Die Schöpfungsgeschichte in der Bibel ist kein naturwissenschaftlicher Bericht. Er erklärt keine biologischen Phänomene. Die Schöpfungsgeschichte in der Bibel erklärt mir vor allem: Die Welt ist aus Gottes Hand. Auch mein Leben. Außerdem sind diese biblischen Erzählungen relativ jung (586 bis 538 v. Chr entstand der erste Schöpfungsbericht im babylonischen Exil)

Wenn die Bibel von einer Schöpfung in sieben Tagen redet, ist damit auch nicht gemeint: sieben mal 24 Stunden. Sondern hier wird etwas über das Verhältnis von Gott und Mensch ausgedrückt. Seine Innigkeit zu dieser Welt.

Mein Lieblingssatz aus der Schöpfungsgeschichte ist übrigens:Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht (1. Mose, 1, 3). Da bekomme ich Gänsehaut - vor allem beim hebräischen Urttext.

Wenn 2 Millionen alte Knochen in Südafrika gefunden werden - finde ich das spannend und interessant. - Und eine Aufgabe für die Naturwissenschaft.

Meinen Glauben berührt das nicht. Höchstens insofern, dass es mich noch weiter ins Staunen führt über Gottes Schöpfung.

Das Leben ist schön!

Herzlich,

Ihre Sabine Löw

 

Fragen zum Thema

Kommentare

Lieb er Herr Gehring,
die Bibel sagt mehr zur SChöpfung als die Erschaffung des Sabbats in ihrem ersten Kapitel. Das Wort barah, das nur in Bezug auf Gottes Schöpferhandeln gebraucht wird, wird in Jesaja 43, 1 auch auf Israel angewandt. Dabei berichtet die Genesis von der Schuldgeschichte der Entstehung Israels, die alles andere als grandlinig verläuft. Wenn barah also auf einen komplexen geschichtlichen Vorgang bezogen werden kann, wieso sollte es in der Naturgeschichte anders sein? Die Deutung, die Ihrer Frage zugrunde liegt, ist zwar in den letzen Jahrhunderten maßgablich gewesen, geht aber trotzdem am biblischen Sprachgebrauch vorbei. Die Frage ist, ob wir Gottes souveränes Handeln zusammen bringen können mit dem gebrochenen Geschehen in der Welt. Wo dieses Inkarnative Denken der Bibel durch die Tradition einer philosophischen Gottesidee aufgegeben wurde, entstanden solche Fragen, wie Sie sie stellen. Wir müssen wohl wieder neu lernen, wie erdverbunden Gottes Handeln ist bis dahin, dass er Sünde zur Voraussetzung seines Hsandelns macht.
Die jetzigen Funde sind noch nicht in die Vorgeschichte der Menschheit einordbar. Das ist bei den Neandertalern anders. Dass wir ein wenig deren Erbgut in uns haben kann man parallel sehen zur Geschichte Israels und der kanaanäischen Völker, die auch eine Vermischung beinhaltete - man sehe sich nur den Stanmmbaum Jesu in Matthäus an.
Gott wickelt sein Heil in eine verwickelte Geschichte ein: Darüber kommt Paulus in Römer 11, 33-36 zu einem ergreifendem Lobpreis. Ähnlich können solche Knochenfunde zum Lob des Schöpfers führen.
Herzliche Grüße

Die Schultern gleichen denjenigen von Menschenaffen. Die gefundenen Skelette sind wohl eher Affen gewesen.

Wer sich für die Fragen interessiert, findet hier weiteres Lesefutter: http://www.theologie-naturwissenschaften.de/themen/evolution-und-schoepf...
Besten Gruss
Andreas Losch

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