Was sagt die Bibel zur Liebe zwischen zwei Frauen?

Gefragt von Manuela
Lesbisches Paar

© Santiago Blando/Unsplash

BIld ohne Summer of Love

Hallo Frank,

ich liebe eine Frau und ich bin selber eine, und es verreisst mich innerlich. Was sagt die Bibel zur Liebe zwischen 2 Frauen Ich bin Christin, und ich möchte mich an der Bibel orientieren.

GlG Manu

Liebe Manu,

Deine Frage könnte ich ganz kurz beantworten, denn die Bibel sagt überhaupt nichts zur Liebe zwischen zwei Frauen. Aber ich möchte trotzdem ein weg mehr schreiben, denn anscheinend hast Du den Eindruck, etwas Verbotenes zu tun, weil Du als Frau eine Frau liebst.

Ich weiß, dass es eine Menge von Menschen gibt, die der Ansicht sind, die Bibel würde vorschreiben, wie Familien auszusehen hätten, oder wen man zu lieben habe. Und ja, es gibt eine Stelle, in der wird deutlich gesagt, dass Homosexualität (zwischen Männern in diesem Fall) schlecht ist in Gottes Augen. (3. Mose 18,22 und 20,13). Aber so zu argumentieren wird der Botschaft der Bibel überhaupt nicht gerecht. Die Frohe Botschaft, die in der Bibel bezeugt wird, ist, dass Gott ein niemals endendes Interesse an den Menschen hat und alles, wirklich alles tut, uns seine Liebe spüren zu lassen.

Verbote, die die Liebe beschränken wollen, können für Christinnen und Christen nicht gelten, die nach dem höchsten Gebot leben sollen. Und das heißt: Liebt Gott und liebt einander! (Das steht sowohl im Alten Testament (5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18; Matthäus 22,37-38 und Parallelen.) Alle anderen Gebote müssen sich diesem Doppelgebot unterordnen, und das bedeutet: Schaut hin, was gut für die Liebe ist, und handelt danach, nicht nur nach starren Regeln.

Es gibt Menschen, die die Bibel dazu missbrauchen, ihre lieblose und engstirnige Weltsicht zu rechtfertigen. Sie halten letztlich nicht die Bibel, sondern ihre eigene Interpretation der Bibel für heilig. Sie nennen ihre Haltung "bibeltreu", doch gilt ihre Treue ausschließlich einer Interpretation der Bibel, die ihre eigene Weltsicht nicht infrage stellt. Die Bibel selbst ist ihnen weitgehend egal, denn sie meinen ohnehin zu wissen, was in ihr steht. Kommt jemand daher und legt die Schrift in einer unbequemen Weise aus, so rufen Sie "Zeitgeist!" Damit meinen sie anscheinend ein Gegenteil zum Heiligen Geist, den sie für sich allein beanspruchen. Mein dringender Rat ist: Lass Dich von diesen Menschen nicht einfangen, denn sie predigen nicht die Liebe und die Freiheit des Evangeliums, sondern ihre eigene Bequemlichkeit, in der es zum Beispiel nur Beziehungen zwischen einem Mann und einer Frau geben darf.

Wie Du vielleicht merkst, habe ich mich eben ein wenig in Rage geschrieben. Das liegt daran, dass mich die Verbohrtheit der sogenannten "Bibeltreuen" sehr ärgert. Ich kann auch Verständnis für sie aufbringen, denn wie beschrieben, kann es das Leben einfacher machen, wenn man sich an Regeln hält, die man niemals infrage stellt. In einer Zeit in der wir tagtäglich vor unheimlich vielen Entscheidungen stehen, kann die Sehnsucht danach wachsen, einfach zu tun, was einem gesagt wird. Die Welt, in der wir leben, ist riesig groß. Wir können im Internet live bei so ziemlich allem dabei sein, was gerade auf unserem Planeten passiert. Wir können an fast jeden Ort der Welt reisen. Unsere Freiheit ist so groß, dass viele Menschen von ihr überfordert sind. Sie sehnen sich nach dem Kleinen und Überschaubaren. Das ist verständlich und nachvollziehbar, und es hat auch gute Auswirkungen: Der Trend, Lebensmittel zu kaufen, die möglichst aus der eigenen Region stammen, ist gut, denn er lässt uns bewusst werden, was wir konsumieren. Doch der Wunsch nach Überschaubarkeit führt eben auch dazu, alles, was einem als fremd erscheint, argwöhnisch oder sogar feindselig anzuschauen. Darunter müssen dann andere Menschen leiden. So sehr ich also Verständnis dafür aufbringen kann, dass es Menschen gibt, die ihre Kreise eng ziehen möchten, so wenig habe ich Verständnis dafür, was für Konsequenzen daraus gezogen werden.

Wenn Du jemanden liebst, dann liebe! Wer liebt, orientiert sich an der Bibel. Ihr tut niemandem weh, und Gott schon mal gar nicht.

Ganz liebe Grüße!

Frank

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