Was gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines Pfarrers?

gestellt von Ingrid Mueller am 20. Juli 2019

Ist ein Pfarrer, der kein Interesse hat an Jugend, Seniorenarbeit, für den Seelsorge ein Fremdwort ist, der immer nur jammert über seine persönlichen Umstände, der nur an Bauprojekten interessiert ist, eigentlich ein guter Pfarrer?

Liebe Frau Müller, 

 

ja - das ist eine sehr gute Frage! Was macht eigentlich einen guten Pfarrer oder eine gute Pfarrerin aus? 

Ganz grundsätzlich sind die Aufgaben einer jeden Pfarrperson natürlich schriftlich in einer Dienstordnung festgehalten. Diese unterscheiden sich von Landeskirche zu Landeskirche, sind aber in Bezug auf die verschiedenen Aufgaben im Grunde ähnlich.

Die Hannoversche Landeskirche hat, primär zur Werbung angehender Pfarrer*innen, ein Werbevideo erstellt. Schauen Sie hier gern einmal rein. All das sind Aufgaben und Herausforderungen, derer sich Pfarrpersonen täglich annehmen. 

In ihrem Beruf sind Pfarrer*innen gleichermaßen Impulsgeberinnen und Ideenspender als auch Wegbegleiter und Ansprechpartnerinnen für so gut wie alle Belange. Sie treten öffentlich nicht nur sonntags auf der Kanzel, sondern auch darüber hinaus in Politik & Gesellschaft für die Botschaft des Evangeliums ein, sie unterrichten in Schulen, taufen, trauen & beerdigen, hören zu und helfen weiter in Seelsorgegesprächen und leiten ganz nebenher quasi ein kleines Unternehmen, nämlich die Gemeinde. Das sind sehr viele verschiedene Aufgaben, die nicht immer damit zu tun haben, wofür so manche Pfarrperson sich ausgebildet fühlt. Vieles muss man sich häufig erst erschließen. 

Jeder Pfarrer und jede Pfarrerin ist gleichermaßen aber auch ein Mensch wie Sie es sind und wie ich es bin. Das heißt, dass es also genauso gut passieren kann, dass man als Pfarrperson einen schlechten Tag hat. Natürlich sollte das nicht zum Regelfall werden, aber haben Sie jeden Tag völlig unbefreit gute Laune und verdrängen all das, was Sie beruflich und/oder privat bedrückt? 

Es darf selbstverständlich nicht sein, dass Sie in der Gemeinde alle Sorgen und Nöte Ihres Pfarrers zu spüren bekommen. Ich würde sagen, dass es in diesem Moment wohl kein "gute Pfarrer" ist. Aber ich möchte Ihnen gleichermaßen mit auf den Weg geben, dass der Beruf des Pfarrers ein sehr vielfältiger und komplexer Beruf ist. Vielleicht ist es gerade, insbesondere mit großen Bauprojekten, in denen es um sehr hohe Geldsummen geht, für die der Pfarrer die Verantowrtung trägt, eine unruhige Zeit, die es Ihrem Pfarrer aus zeitlichen und kräfte-mäßigen Ressourcen nicht ermöglicht, sind angemessen um die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Senioren zu kümmern. 

Sprechen Sie ihn doch einfach darauf an! Bitten Sie ihn um ein Gespräch und schildern Sie ihm, womit Sie unzufrieden sind. Ich bin sicher, dass er ein offenes Ohr für Sie haben wird. 

Viele Grüße

Pia Heu 

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Kommentare

Er hat leider keine Zeit für mich,er wohnt nur eine Strasse weiter,aber trotzdem.
Kritiker will man nicht

Wie in allen Berufen gibt es sicherlich auch im Pfarrberuf Vertreter, die menschlich nicht gut für die Arbeit in einer Gemeinde geeignet sind. Und das fällt bei Berufen, wo man ständig in der Öffentlichkeit steht (z. B. Pfarrer, Lehrer, Hausärzte etc.) , natürlich mehr auf als wenn man in einem Büro hockt oder vor einer Maschine steht. Aber ich finde die Anforderungen, die manche Gemeindemitglieder an ihre Pfarrer stellen, teilweise auch völlig überzogen und "unmenschlich" in dem Sinne, dass ein einzelner Mensch niemals alle Erwartungen erfüllen kann. Wichtig ist, dass der Pfarrer seine eigenen Stärken und Schwächen kennt und dann seine Stärken einsetzt und für die Schwächen jemanden sucht, der diese Bereiche übernimmt. Nicht jeder Pastor ist ordentlich und gut bei Büroarbeiten,aber dann sollte er einen guten Finanzausschuss und eine patente Sekretärin haben. Wenn ein Pfarrer besser mit Erwachsenen als mit Kindern arbeiten kann, gestalten besser Ehrenamtliche die Kindergottesdienste. Genauso ist nicht jeder Pfarrer musikalisch, aber es gibt haupt- und ehrenamtliche Musiker...so könnte ich noch viele Beispiele aufführen. Natürlich finde auch ich einen guten Pastor sehr wichtig für eine Gemeinde, aber er ist eben nicht allein die Gemeinde. Wenn der Pfarrer nicht genug Zeit hat oder Sie sich seelsorgerlich von ihm nicht gut betreut fühlen würde ich an Ihrer Stelle andere Menschen in Ihrer Gemeinde ansprechen z. B aus dem Kirchengemeinderat . Vielleicht gibt es auch einen Besuchsdienstkreis, wo Sie um einen Besuch anfragen können. Wir haben in unserer Gemeinde auch ausgebildete Notfallseelsorger, die bei aktuen Situationen wie Todesfällen unterstützen. Also vielleicht den Blick mal etwas schweifen lassen und schauen, wen es außer dem Pastor noch so gibt. Alles Gute!

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