Wie baue ich eine Beziehung zu Gott auf?

gestellt von Annika M. am 8. Juli 2020
Fragen über Gott

©GD Arts/shutterstock

Sehr geehrte Frau Klee,
Ich bin Annika M. und bin 19 Jahre alt. Zunächst möchte ich sagen, dass ich diese Seite toll finde. Sie gibt Menschen den Raum Fragen über Gott und die Welt zu stellen. Dafür möchte ich mich zuerst bedanken für Ihre Mühe :) Seit einiger Zeit beschäftige ich mich sehr mit Gott. Ich habe gemerkt, dass ich auch an Gott glauben möchte und eine Beziehung zu ihm aufbauen will. Nur habe ich lauter Fragen, die ich beantwortet haben möchte. Ansonsten geht das mit dem Aufbau der Beziehung nicht. Daher möchte ich sie hier stellen. Ich hoffe , ich überflute Sie nicht. Wenn ja, dann tut es mir wirklich Leid.

1. Wie kann ich eine gute Beziehung zu Gott aufbauen? Ich weiß, dass jede Beziehung individuell ist. Trotzdem weiß ich nicht wirklich, wie ich anfangen soll. Ich habe einige Male gebetet und in der Bibel gelesen.
2. Wie kann ich die Zeichen Gottes von "Zufällen" unterscheiden ? Ich meine, nicht jeder Mensch, der mit mir spricht, ist von Gott gesandt.
3. Was darf ich als Christ? Ich weiß , die Frage ist ein bisschen komisch. Ist jede Minute, die ich nicht mit Jesus verbringe, eine Sünde? Was habe ich noch für "Freizeit". Das soll nicht heißen, dass es mir nicht Spaß machen würde, für Jesus zu handeln und zu beten. Genau das möchte ich ja. Aber Jesus spricht eben von Früchten, die man bringen soll, sonst kommt man in die Hölle. Ich weiß, dass schon einige wegen der Hölle hier nachgefragt haben und stelle sie diesesmal nicht
4. Darf ich Gott hinterfragen? Oder ist das Gotteslästerung?
5. Gewalt in der Bibel: Als der Pharao das Volk nicht freilassen wollte, wurden Babys als Strafe getötet. Das schockiert mich ehrlich gesagt. Wenn das auch "Kinder Gottes" sind, wieso bringt er sie um?
6. Das letzte Gericht: Wenn wir sterben, sollen ja anscheinend einige (nur wenige) in den Himmel kommen und andere in die Hölle. Wieso werden wir dann nochmal gerichtet? Erst sterben wir und dann kommt der Weltuntergang und dann werden wir nochmal gerichtet? Oder schlafen wir die ganze Zeit , bis zum letzten Gericht und wachen auf, bzw. wachen nicht auf?

Das waren meine Fragen und Anmerkungen. Wie gesagt, tut es mir leid, dass ich mich nicht nur auf eine Frage begrenzt habe. Ich wusste nur nicht, wo ich sonst nachfragen sollte und diese Fragen belasten mich schon seit einiger Zeit und daher auch meine Beziehung zu Gott.

Vielen lieben Dank für Ihre Mühe ! :)

Mit freundlichen Grüßen

Annika M.

Liebe Annika,

vielen Dank für deine vielen, spannenden Fragen. Du hast recht unterschiedliche Fragen gestellt und ich kann leider nicht auf alle sechs Fragen ausführlich antworten, weil die Antwort sonst einfach viel zu lang wäre, deswegen werde ich auf jede nur eine kurze Antwort geben. Ich hoffe, dass ist für dich in Ordnung.

1. Wie kann ich eine gute Beziehung zu Gott aufbauen?

Wie jede Freundschaft entwickelt sich auch die Beziehung zu Gott über die Zeit. Es gibt Zeiten, da ist man sich näher und Zeiten, da ist man sich ferner. Manchmal verliert man sich vielleicht aus den Augen, aber bei einem Wiedersehen erinnert man sich an die schönen Zeiten und es fühlt sich vertraut an. Vielleicht gibt es auch mal Konflikte - und danach eine Versöhnung. Der einzige Unterschied zu menschlichen Beziehungen ist: Gottes Beziehung währt ewig. Es gibt kein Ende, keinen Abschied. Sein "Ja" zu uns gilt für immer.

Wie du selbst sagst, sind regelmäßige Rituale hilfreich, die Beziehung zu Gott zu pflegen. Manche Christinnen und Christen lesen jeden Morgen in der Bibel oder denken über die Tageslosung nach. Andere beten jeden Abend vor dem Schlafengehen. Wieder andere sind jeden Sonntag im Gottesdienst. Eine Gemeinschaft kann hilfreich sein, in Wüstenzeiten die Beziehung zu Gott weiterhin zu stärken und sich darüber auszutauschen. Neben Gottesdiensten sind das Bibelkreise oder Hauskreise.

2. Wie kann ich die Zeichen Gottes von "Zufällen" unterscheiden?

Ob wir ein Wunder oder einen Zufall sehen, hängt sehr von dem eigenen Weltbild und Glauben ab.  Dazwischen gibt es viele Grautöne. Ich würde sagen: Zufälle im eigentlichen Sinn gibt es nicht - nur kausale Zusammenhänge. Aus Handlungen ergeben sich Konsequenzen. Aufgrundlage dessen könnte man sagen, dass eigentlich alles in der Welt von und durch Gott gewirkt ist. Er ist nämlich als Schöpfer die allererste Ursache, aus der sich alles andere ergibt. Inwieweit wir offen sind für die Wunder in unserem Leben ist dann eben eine Frage des Glaubens. Vielleicht hast du schon einmal das Gefühl der Dankbarkeit gespürt, wenn etwas geglückt ist - das ist für mich ein Wunder. Es sind nicht immer die großen Geschehnisse im Leben, sondern die vielen alltäglichen besonderen Momente des Glücks.

3. Was darf ich als Christ? Ist jede Minute, die ich nicht mit Jesus verbringe, eine Sünde? Was habe ich noch für "Freizeit"?

Als Christ darf ich genauso ein Leben führen, wie andere Menschen. Unser Glaube soll unseren Alltag durchdringen. Er soll sich in unsem Handeln widerspiegeln. Martin Luther sagt so schön: "Die Arbeit der Woche wird uns zum Gottesdienst". Es geht also um eine innere Glaubenshaltung. Diese zeigt sich auf der Arbeit, beim Sport, in der Freizeit. Auch beim Treffen von Freunden, selbst beim Feiern. Wir können jederzeit mit Gott in Beziehung stehen, denn unser ganzes Leben fußt auf ihm. Er ist unser Fundament.

4. Darf ich Gott hinterfragen? Oder ist das Gotteslästerung?

Ja, wir dürfen an Gott zweifeln. Im Leben gibt es immer wieder Krisen, durch die wir Gott hinterfragen. Auch die Bibel kennt viele dieser Geschichten. Das Hiobbuch bringt diese Zweifel zum Ausdruck, aber auch in den Psalmen wird der Zweifel formuliert. Selbst Jesus hinterfragt Gott am Kreuz mit seinen Worten: "Mein Gott, warum hast mich verlassen?" (Mk 15,34). Zweifel gehört zum Glauben dazu, wir wachsen durch unsere Fragen. Das Schöne dabei ist: Wir können auch beim Zweifeln mit Gott in Beziehung bleiben. Wir können ihn fragen und ihn anklagen, er erhört uns trotzdem.

5. Wie ist es mit der Gewalt in der Bibel?

Diese Frage bräuchte eine längere Beantwortung. Auch hier möchte ich wieder auf Luther verweisen: Wir als Menschen verstehen Gott und sein Handeln nicht immer. Gott ist uns verborgen (vgl. den Rundfunkbeitrag dazu). Die Bibel ist - in der Tat - voller Gewalt. So wie auch unser Leben voller Gewalt ist. Die Bibel spiegelt also unser menschliches Dasein wider. Sie ist zudem in einem bestimmten historischen Kontext entstanden, in denen sich die Stärke eines Gottes darin zeigte, dass er seine Feinde besiegte. So manches davon ist und bleibt für uns unerklärlich. Das letzte Wort aber hat die Liebe, denn Jesus ist auferstanden. Das gibt uns Hoffnung auf ein ewiges Leben, auf ein Leben in Frieden.

6. Wie ist das mit dem letzten Gericht?

Das letzte Gericht kommt nach biblischer Vorstellung mit der Wiederkunft Christi. Wir werden also nicht nach dem Tod gerichtet, sondern nur einmal am Ende aller Zeiten. Wann das genau sein wird und was bis dahin mit den Seelen der Menschen ist, bleibt verborgen. Was beim Jüngsten Gericht passiert, wird hier beantwortet.

Ich hoffe, du konntest etwas mit den Antworten anfangen,

beste Grüße,

Johanna Klee

 

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Kommentare

Auf die Frage "Darf ich Gott hinterfragen? Oder ist das Gotteslästerung?"
wurde geantwortet "Wir können ihn fragen und ihn anklagen, er erhört uns trotzdem."
Gerade aber die Begebenheit mit Hiob zeigt, dass wir Gott nicht anklagen sollten. Erst als Hiob Demut zeigte und seine Anklagen fallen lies, wurde er von Gott wieder in seinen Stand gesetzt und für seinen Glauben belohnt. Insofern würde ich hier konkretisieren wollen: Nicht anklagen, aber klagen.
Beim Anklagen besteht zumindest die Gefahr, von Gott Rechenschaft zu fordern, und damit würden wir uns über Gott stellen. Der Ton macht die Musik.
Ich möchte es an einem Beispiel erläutern: Gott ist unser Vater im Himmel. Gott kann und weiß alles, wir Menschen nicht. Ich als vater weiß auch mehr als meine Kinder.
Wenn ich z.B. das Lieblingsspielzeug wegschmeiße, weil die Batterien ausgelaufen sind und alles voll Säure ist, und meine Kinder kommen zu mir würden und fragen "Also Papa, wie konntest du nur ... du weißt doch ... Lieblingsspielzeug ... gemein ... ", dann ist das eine herabwürdigende Anklage und wirft mir ein Fehlverhalten vor.
Wenn Sie hingegen fragen: "Papa, warum hast du das gemacht, ich verstehe das nicht", dann ist das respektvoll und zeigt Unverständnis - daraufhin kann ich es erklären.
Ich denke, genauso sollte unser Verhältnis zu Gott sein, wir sollen seine Entscheidungen respektieren, egal ob wir sie verstehen oder nicht. Die Bibel nennt das Demut. Oft zeigt sich, wenn wir (geistlich) erwachsener sind, welchen Nutzen es hatte - das ist zumindest meine Erfahrung.

Insofern würde ich die Beziehung zu Gott auch weniger als Freundschaft bezeichnen, bei der man gleichwertig nebeneinander steht, sondern als eine Vater-Sohn-Beziehung. Der Vater sorgt für uns, er gibt uns was wir brauchen, aber er fordert auch. Wir können zwar tun was wir wollen, werden aber ggfs. dafür bestraft.
Wie kann man die Beziehung aufbauen:
1) Indem wir in der Bibel lesen - am besten täglich. Und die Bibel als das Wort des Vaters annehmen. Am Anfang wird man vielleicht nicht alles verstehen, aber Fakt ist, dass Gott die Bibel für uns "Kinder" verständlich geschrieben hat und auch erklärt, wenn wir ihn bitten.
2) Beten, dass Gott mit seinem Geist dir sein Wort erklärt.
3) Such dir Menschen, die Gott auch lieben.
4) Und dann tun, was Gott und in der Bibel sagt.
Zumn Thema Früchte: Wie bei einem Baum, zuerst muss er Wachsen, die ersten paar Jahre sind keine oder kleine Früchte. Aber wenn du deinen Glauben pflegst (und das ist auch Arbeit - Punkte 1..4), dann wird er reifen und Früchte bringen. Am Ende kommen die Früchte "ganz von allein" - also gewirkt durch den Heiligen Geist - und es wird dir ein inneres Anliegen sein, dass Richtige zu tun.

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