Feuerbestattung und Friedwald

Gefragt von Hans-Joachim Jancker
Urnenbestattung im "Erbacher Ruheforst"

©epd-bild/Thomas Lohnes

Meine verstorbene Ehefrau ist in einem Friedwald beigesetzt worden. Auf dem Schild am Baum befindet sich eine Tafel mit Kreuz und unserem Trauspruch sowie den Namen beider Ehepartner. Als konservativer gewordener gläubiger Christ kommen mir Bedenken im Hinblick auf Einäscherung und die Waldbestattung. Andererseits möchte ich meine Frau nicht allein lassen.
Was soll ich tun?

Lieber Herr Jancker,

die Vorstellungen darüber, wie Menschen beerdigt werden möchten ist verschieden. Dazu gehört auch den Abschied so gestalten zu können, wie es für einen selbst als stimmig empfunden wird. Sicher wird es Überlegungen gegeben haben, was für die Bestattung in einem Friedwald gesprochen hat. Die Frage ist auch, was Ihre Bedenken sind.

Manche Menschen haben Bedenken, weil es die Vorstellung gibt, dass der Körper für die Auferstehung von den Toten „aufbewahrt“ werden soll. Deshalb wird der Leib der Verstorbenen der Erde übergeben. Dort wird er zu dem, aus dem er "genommen ist" (vgl 1.Mose 3,19). In der christlichen Bestattungsliturgie heißt es "von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du wieder werden" und "Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub. Die Erdbestattung sollte an die Grablegung Jesu erinnern.

Es gibt allerdings in der evangelischen Kirche keine Vorschriften, welche Bestattungsform erlaubt ist. Es geht vielmehr um ein Werk der Barmherzigkeit und darum, die Würde der Toten zu achten und zu wahren. Dazu können auch besondere Wünsche gehören - wie die Bestattung in einem Friedwald.

Für manche Menschen ist es die Vorstellung, dass der Leib der Verstorbenen wieder in den Kreislauf der Natur zurückkehrt. Die Urne löst sich auf. Die Asche der Verstorbenen wird so zum Teil mit der Natur und damit auch wieder ein Teil der Erde, von dem er "genommen ist" Dies ist durchaus mit der Auferstehung, an die Christen glauben, vereinbar. Während einer christlichen Bestattung, wird davon gesprochen, dass der Mensch von Erde ist und zu Erde werde und, dass der Leib in Gottes Erde gelegt wird.

Es ist der Wunsch vieler Menschen, dass sie auch im Tod nah beieinander sind. Das Gefühl getrennt zu sein kann schwer erträglich sein. Wohl ebenso das Gefühl, etwas zu tun, was nicht mit den christlichen Vorstellung nicht vereinbar ist.

Am Ende, so glaube ich, ist es wichtig, dass Menschen dort ihre letzte Ruhe finden, wo sie es möchten.Gott wird uns nicht danach fragen ob wir unsere Lieben in einer Urne, im Friedwald, oder einem Erdgrab bestattet haben. Es geht um die Liebe und Würde, mit der seine Menschen ihre Verstorbenen zu Grabe tragen. Der Friedwald erinnert auch an den einen Ort, von dem, nach der biblischen Überlieferung, alles ausging: das Paradies, in dem viele Bäume standen.

Wenn es für Sie nicht stimmig ist, sich selbst in einem Friedwald bestatten zu lassen, dann wird die Liebe auch über den Tod hinaus stark genug sein, um die Grenze zu überwinden. "Am Ende bleiben, Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei. Die Liebe aber, bleibt die größte unter ihnen" (1. Korinther 13). "Unser Wissen ist Stückwerk" (1. Korinther 13), bruchstückhaft. Sie sind verbunden in den Erinnerungen, der Liebe und dem Glauben. Die Auferstehung, an die Christen glauben, überbrückt auch räumliche Grenzen. Christen glauben, dass sie sich an einem Ort wiedersehen. So sind Sie auch im Tod nicht allein, sondern haben Gemeinschaft miteinander. Unabhängig von den Orten, an denen Sie Ihre Ruhe finden.

Bleiben Sie behütet.

Es grüßt Sie,

Michaela Jecht

 

 

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