Hallo, mein Freund ist Moslem und ich bin Christin. Wir planen demnächst zu heiraten, wollten aber vorher die religiöse Erziehung unserer Kinder besprechen. Letztendlich gibt es nur eine Lösung, und zwar, dass beide Religionen den Kindern gezeigt werden, meiner Meinung nach. Da in der Familie beide Religionen vertreten sind. Mein Partner ist dafür leider nicht offen, für ihn ist klar, es muss der Islam für die Kinder sein. Die Kinder würden zwar trotzdem die christlichen Feste feiern, aber unter dem Vorwand, dass sie verstehen, es ist nicht ihr Glaube. Bei der Frage, was er macht, wenn diese zum Christentum konvertieren wollen würden, da die Mama ja auch Christin ist, war seine Antwort: Das wird nicht passieren, das weiß ich.
Vielleicht haben Sie einen Tipp für mich. Mein Glaube ist für mich wichtig und ich würde diesen gerne an meine Kinder weitergeben.
Liebe Leonie,
es ist gut, dass Sie mit Ihrem Freund ein so wichtiges Thema wie religiöse Kindererziehung besprechen, bevor es sozusagen akut wird. Wenn die Kinder erst da sind, wird es noch viel schwerer darüber zu reden, vor allem in einem Fall wie bei Ihnen, wo beide Elternteile etwas Unterschiedliches wollen.
Fakt ist: Beide möchten Sie Ihren Kindern – wenn sie denn kommen – den eigenen Glauben nahebringen. Der Unterschied ist, dass Sie den Kindern schließlich die Entscheidung überlassen möchten, für welche der beiden Religionen sie sich entscheiden. Ihr Freund möchte das ausschließen und die Kinder ausschließlich muslimisch erziehen. Da Sie ebenfalls schreiben, dass Ihnen Ihr christlicher Glaube wichtig ist, haben Sie hier ein Problem miteinander. Ich nehme an, dass Sie und ihren Freund sehr viel Schönes und Bedeutendes verbindet, sonst würden Sie nicht heiraten wollen. Die Art und Weise, wie Sie jeweils mit Ihrer Religion umgehen, sollten Sie meines Erachtens noch einmal in Ruhe aber auch ausführlich miteinander besprechen.
Die Weigerung Ihres Freundes, sich überhaupt vorzustellen, dass seine Kinder einmal christlich sein könnten, besorgt mich. Es klingt danach, als ob er insgesamt wenig von Ihrer christlichen Religion hält. Außerdem erscheint mir seine Aussage wenig kompromissbereit. Eine Ehe lebt aber von Kompromissen, kein Teil kann sich allein durchsetzen, ohne dass der andere Teil unglücklich wird. Was Sie beide brauchen, ist ein Kompromiss, mit dem Sie beide leben können. Der könnte auch ganz anders aussehen, als Sie beide sich das gerade vorstellen. Nur zum Beispiel könnten Sie sagen: Unser erstes Kind erziehen wir christlich und das zweite muslimisch. Das ist kein sehr vernünftiger Vorschlag von mir. Ich wollte Ihnen nur deutlich machen, dass mann auf der Suche nach Kompromissen auch auf merkwürdige Ideen kommen kann. Oft hilft das weiter beim Denken und beim Diskutieren.
Melden Sie also Gesprächsbedarf an, bei Ihrem Freund zu diesem Thema. Und machen Sie einander in diesem Gespräch unbedingt gegenseitig deutlich, was genau Ihnen der eigene Glaube bedeutet und was das für die Erziehung Ihrer Kinder heißen würde. Wenn Sie in Ihrem Gespräch feststellen sollten, dass Sie beide gar keinen Kompromiss finden können, müssen Sie sich fragen, wie wichtig Ihnen das Thema letztendlich ist. Hängt daran so viel, dass Sie generell über Ihre Partnerschaft nachdenken müssen? Dann reden Sie auch darüber. Wie gesagt, Sie haben beide das Richtige gemacht, indem Sie bereits vor einer Eheschließung über so wichtige Themen ins Gespräch gekommen sind. Jetzt müssen Sie am Ball bleiben.
Ich wünsche Ihnen alles Gute und im besten Fall einen guten Kompromiss.
Frank Muchlinsky