Unsere Gemeinde verbietet jetzt die liegende 8 oder auch das Ewigkeitszeichen.
Liebe Gaby,
dass Gemeinden etwas verbieten, klingt in meinen Ohren häufig hart. Man sollte argumentieren. Ich vermute, dass deine Gemeinde Gründe hat und diese Gründe vielleicht nicht dargelegt hat. Kirchliche Gemeinschaft will Leben ermöglichen, Freiheit schaffen, denn das Evangelium braucht Luft, damit es atmen kann. Verbieten ist immer eine Art Notbremse. Ein Gespräch ersetzt häufig solche harten Notbremsungen.
Die liegende Acht ist das mathematische Zeichen für eine unendliche Zahl. Dieses Zeichen wurde im 17. Jahrhundert in die wissenschaftliche Mathematik eingeführt. Die liegende Acht hat keinen christlichen Ursprung und keine christliche Bedeutung.
Allerdings bietet sich dieses Zeichen an, über die Unendlichkeit nachzudenken. Die liegende Acht deutet auf die unendliche Wiederkehr des ewig Gleichen hin: Den Wechsel der Jahreszeiten, die Wiederkehr der unterschiedlichen Festtage, den Rhythmus von Geburt, Leben und Sterben. Die liegende Acht steht für Wiederholung und Gleichmaß, die unser Leben auf eine wohltuende Weise ordnen, das Jahr gliedern und Sicherheit versprechen. Ich brauche solche Rhythmen, die ordnen Zeit und Raum und ermöglichen in Festzeiten und an Gedenktagen das Innehalten. Das Kirchenjahr wird ja auch als Kreis dargestellt und trotzdem tut sich der Glaube mit der ewig kreisenden Wiederkehr schwer. Im Gebet würde ich auch auf Übungen und Bewegungen, die eine liegende Acht nachzeichnen, verzichten.
Der christliche Glaube ist von dem Symbol einer liegenden Acht sehr weit entfernt, er kennt die ewige Wiederholung nicht. Glaube geht von der Erschaffung alles Lebens aus und rechnet mit einem Ziel in das unsere Erdenzeit eingehen wird. Jesus spricht vom "Reich Gottes", das alle Menschen umschließen wird (siehe Matthäus 8,11) und die Menschen, die ihm einst zuhörten, hatten Gott als den Weltenkönig vor Augen, der - endlich - seine Herrschaft antritt (Beispiel: Psalm 47). Nun kann kein Mensch immer nur vom Ende her denken, das Ende verunsichert viele Menschen. Das "Reich Gottes" ist für Jesus darum nicht nur in ferner Zukunft: Es taucht, lies bitte Matthäus 25, schon heute auf, oftmals auch durch menschliche Zuwendung auch im eigenen Leben.
Trotzdem: Ein Verbot durch deine Gemeinde wirkt auf mich etwas überzogen. Allerdings denke ich an Symbole auf kirchlichen Friedhöfen. Das Geburtsdatum eines Meschen wird mit einem kleinen Sternchen angegeben und die Erinnerung an den Stern von Bethlehem, der bei Jesu Geburt erschien, liegt nah. Das Todesdatum wird mit einem Kreuz markiert und die Erinnerung an den Karfreitag wird wach gerufen. Das Leben kreist nicht, es läuft auch - das ist auf dem Friedhof ja deutlich zu sehen - in keiner Endlosschleife. Kurz: Ich würde von der liegenden Acht Abstand nehmen und bei der vertrauten christlichen Symbolik bleiben.
Übrigens hat Pastor Frank Muchlinsky eine ähnliche ("Infinity-Symbol im Christentum?") schon einmal beantwortet, auch er verbietet nichts, er rät - wie ich - dazu, in der christlichen Symbolwelt zu bleiben.
Du erwähnst ein "Ewigkeitszeichen". So ein Zeichen kenne ich nur aus der armenischen Kirche. Das zeigt eine Art Sonne, die in zwei ineinander verschränkten Quadraten leuchtet. Das ist eindeutig christliche gefüllte Symbolik, die sollte man nicht verbieten.
Ich grüße dich und hoffe, das du in deiner Kirchengemeinde gut zusammenarbeiten kannst, dein Henning Kiene
Hoffentlich konnte ich dir etwas weiterhelfen, herzliche Grüße dein Henning Kiene