Die Vollkommenheit des von Gott geschaffenen menschlichen Körpers

Bernhard Zimmermann
Adam und Eva im Paradies.
epd-bild/Rainer Oettel

In der Schöpfungsgeschichte wird der Mensch als Ebenbild Gottes beschrieben, und es war wunderbar. Später durften vor dem Altar keine Stufen sein, damit man „die Blöße“ nicht sieht.

Adam und Eva versteckten sich, weil sie nackt waren. Gott machte ihnen Kleider aus Tierfellen – er war der erste Modeschöpfer. Seitdem ist der Mensch eitel; Tiere mussten sterben, um die „Blöße“ der Menschen zu verdecken.

Als ich noch gesund war und durch die Lähmung noch nicht beeinträchtigt – beweglich und kräftig –, fand ich mich ordentlich gebaut. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Heute warte ich auf die Herrlichkeit des Herrn und hoffe, dann auch wie Mose damals die Leuchtkraft des Herrn schauen zu dürfen.

Auch bin ich gespannt auf das Wesen Mann/Frau. Ich habe mir schon eine Ewigkeit reserviert, um alle Fragen beantwortet zu bekommen. Aber leider ist es noch nicht so weit. Schade.

Mit Spannung erwarte ich eure Antwort.

Bernhard aus Bad Oeynhausen

Lieber Bernhard,

das sind spannende Themen, die Ihnen durch den Kopf gehen: der menschliche Körper, Nacktheit, Scham, körperliche Einschränkungen und Schönheit. Dazu Gottesebenbildlichkeit, Gott sehen und all das fragen, was man in diesem Leben nicht beantwortet bekommt… Wo fange ich an mit meiner Antwort? Am besten bei der Überschrift, die Sie Ihrer Frage gegeben haben: die Vollkommenheit des menschlichen Körpers.

Sie haben recht: Die Bibel sagt, dass Gott den Menschen „nach Gottes Bild“ schafft. So steht es in 1.Mose 1,27. Sie schreiben auch zurecht, dass Gott sein Werk sehr gut fand: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“, heißt es in 1.Mose 1,31. Allerdings bedeutet „sehr gut“ nicht „vollkommen“. Gott ist einfach sehr zufrieden mit seiner Schöpfung. Der Mensch ist keine Kopie Gottes, sondern nach Gottes Bild gemacht. Darum ist der Mensch selbst auch keineswegs perfekt oder vollkommen – und das gilt auch für den menschlichen Körper. Wir sind anfällig für Krankheiten, unser Körper altert und stirbt, er kann recht leicht verletzt werden. 

Was Nacktheit und Scham angeht, so erzählt die Bibel, dass das ebenfalls mit unserem Menschsein zu tun hat. In dem Moment, als der Mensch klug wird, erkennt er auch die eigene Nacktheit. Das steht so in der zweiten Schöpfungsgeschichte mit Adam und Eva (1.Mose 3,7). „Klug werden“ kann man auch als „erwachsen werden“ verstehen. Scham versteht die Bibel als eine normale Sache für Menschen, die wie Erwachsene denken können. Und darum zieht Gott den beiden auch „vernünftige“ Kleidung an, als er sie in ihre Zukunft außerhalb des Gartens Eden schickt. 

Und ja, ab hier ist die Bibel eindeutig: Der nackte Körper ist etwas für die Privatsphäre – ganz unabhängig davon, ob jemand diesen Körper für schön erachtet oder nicht. Natürlich darf man den eigenen Körper oder auch den des geliebten Gegenübers als schön betrachten, aber Schönheit ist kein Maßstab dafür, ob ein Körper wunderbar gemacht oder vollkommen ist. Jeder menschliche Körper ist – wie der Mensch insgesamt – genau richtig. Gott sagt dazu „sehr gut“.

Traurig ist es, wenn man sich selbst nicht leiden mag. Wenn man selbst auf den eigenen Körper schaut, und vor allem „Makel“ wahrnimmt. Schlimm ist es, wenn der Körper krank wird und man ihn dadurch als ungenügend empfindet. Ich würde gläubigen Menschen dann zu einem dringenden Gebet raten, um Gott zu klagen und um Beistand und Hilfe zu bitten. 

Ihre Vorfreude auf das Gespräch mit Gott von Angesicht zu Angesicht kann ich gut teilen. Ich hoffe auch darauf, dass ich einmal erfahre, wie richtig ich lag mit all den Antworten, die ich so gegeben habe. Ich hoffe, Sie können etwas mit dieser Antwort hier anfangen.

Herzliche Grüße
Frank Muchlinsky 

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