Sola scriptura

gestellt von Frau Weber am 22. April 2019
aufgeschlagene Bibel

© coldsnowstorm/iStockphoto/Getty Images

Hallo!

Aufgewachsen in einer (zugegeben nicht sehr typischen) katholischen Gemeinde, mache ich seit ca. 2 Jahren immer mehr Erfahrungen mit und in der evangelischen Kirche.

Bei vielem, was ich gelesen habe, hatte ich ein richtiges "Aha-Erlebnis", weil ich das auch schon lange so gesehen hatte.

Dagegen ringe ich mit dem Grundsatz "sola scriptura" ein bisschen.

Allein die Bibel - haben Gotteserfahrungen späterer/ dieser Zeit keine Bedeutung?

Allein die Bibel - wie kommt man von diesem Grundsatz zu historisch-kritischer Exegese?

Allein die Bibel - geht das überhaupt? Liest man nicht immer unter einem vorgeprägten Blickwinkel?

Allein die Bibel - wie verträgt sich das mit dem Prozess der Kanonbildung? Was ist mit den Apokryphen?

Ich würde mich freuen, wenn Sie eine Idee haben, wie ich mich dem "sola scriptura" nähern kann.

Vielen Dank für die Antworten aller hier (immer so gütig, auch wenn das ein altmodisches Wort ist:))!

Danke für Ihre Bemühungen!

Liebe Frau Weber, 

vielen Dank für Ihre spannende Frage. Schön, dass Sie sich mit dem Evangelischen auseinandersetzen und darüber nachdenken, was die evangelische Dogmatik genau meint. Das sola scriptura Prinzip ist dabei tatsächlich ein häufig zitiertes Kernprinzip der lutherischen Tradition. Der berühmte Ausspruch von Luther "Scriptura sui ipsius interpres", d.h., die Schrift legt sich selbst aus, muss dabei aber immer mit dazu gedacht werden. Denn Luther ging es in der Festsetzung des sola scriptura-Prinzips nicht darum, die Schrift als einziges Moment der Gotteserfahrung vorzuschreiben. Luther hat beobachtet, wie sich damals die Theologie zunehmend von der Schrift und der Orientierung daran abwandte und sich eher von den Auslegungen der Kirchenväter und anderer Geistlicher hat leiten lassen. Ihm war es wichtig, den Fokus wieder zurück auf die Schrift, die Bibel, zu legen. Deshalb: sola scriptura - allein die Schrift (und nicht das, was der aktuell amtierende Papst oder Bischof gerade darin lesen möchte). 

Ich möchte Ihnen noch einen Artikel von Pfarrer Ralf Peter Reimann zum Thema Sola Scriptura ans Herz legen. Schauen Sie doch mal rein. Vielleicht kann Ihnen das helfen, das Prinzip besser einzuordnen. Fragen Sie ruhig weiter nach, wenn Sie unsicher sind. 

Ich wünsche Ihnen alles Gute. 

Pia Heu   

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Kommentare

Hallo miteinander!
Das sola Scriptura Luthers ist einer der vernünftigsten Sätze der Kirchentheologie.Und zwar obwohl sich heute sehr viele Christliche Gemeinschaften vordergründig darauf berufen,jedoch in ihrer Auslegung der sola Scriptura trotzdem oft uneins sind.Woran liegt liegt das wohl?
Luther kannte sich wahrscheinlich nicht nur ganz gut mit der willkürlich herrschenden und beliebig handelnden,,da ja „von Gott dem allerhöchsten höchstpersönlich alleinig autorisierten“ Kirche seiner Zeit aus,sondern auch mit den nachapostolischen allegorischen Phantastereien auf denen sie gründete,und auf die sie sich berief.
Er dachte wahrscheinlich wie manch anderer früher und später,es brauche einen vernünftigen und umfassenden Neuanfang,und wer könnte einem da besser zur Seite stehen als die Autoren der ,zugegebenermaßen doch recht häufig verunglimpften,Heiligen Schrift?Wenn diese nicht tatsächlich von Gott höchstpersönlich autorisiert waren,dann war und ist christlicher Glaube eine religiöse Volksbelustigung, hat aber mit der Rettung der Seelen wahrscheinlich recht wenig zu tun.Aber wahrscheinlich war genau das das wesentliche Anliegen Luthers,ebenso wie vieler vor und nach ihm:Die Rettung der Seelen.Diese wurde aufgrund seines Glaubens,allein durch Jesus erwirkt,und allein durch den Glauben an ihn und die damit einhergehende Gnade Gottes möglich.So hat er das Neue Testament gelesen und verstanden.Dies allerdings stand in krassem Gegensatz zur aktuellen Lage in der damaligen Kirche,in der die Rettung der Seelen nicht auf biblischen Inhalten ,sondern auf willkürlichen kirchlichen Verordnungen,Vorschriften,Dogmen und nach wie vor phantastereien basierte.Durchgesetzt mit brutaler Gewalt.Das meiste davon hatte mit dem was das Neue Testament von der tatsächlichen Christlichen Gemeinde schildert nicht nur gar nichts zu tun,sondern war sogar das genaue Gegenteil.Und die Lösung für dieses oder ähnliche Probleme liegt in der Umkehr,sie liegt in den Worten Jesu und seiner Apostel die das wahre und authentische Wort Gottes verkünden,dessen Grundlagen bereits im Alten Testament zu finden sind,weil sie das vorbereiten was sich durch Jesus erfüllte.
Gott selbst spricht zu einem! Das ist das Grundprinzip des sola Scriptura,so wie Luther es dachte,wie viele vor und nach ihm und ich auch.
Aber meiner Meinung nach ist das nicht alles.Paulus sagt am Anfang des Römerbriefes Gott ist durch das gemachte erkennbar,also ist auch das eine Offenbarung Gottes.Und,zumindest glaube ich das:Gott neigt sich auch jedem Menschen persönlich zu durch Jesus Christus und betrachtet ihn als individuelles Wesen mit individuellen Eigenschaften,Bedürfnissen,und Anforderungen die man an es stellen kann.Jeder Mensch ist anders und vollkommene Väterliche Liebe trifft jedes Kind persönlich,neigt sich ihm zu und behandelt es als einzigartiges geliebtes Kind ohnegleichen.Wie das jeweils aussieht ist genauso individuell wie jeder der sich von der Liebe Gottes umfangen fühlt;so zumindest empfinde ich die Liebe Gottes zu mir und von mir zu ihm:Persönlich.
Aber dieses Verhältnis ist zur Klärung zweifelhafter Fragen genauso ungenau und ungeeignet wie die Liebe meiner Mutter zu mir.
Ein gerechter Gott,glaube ich,ist in seiner Liebe persönlich,aber seine Ordnungen sind Allgemeingültig.Darum:Das sola Scriptura sorgt für Ordnung,während Gott jeden mit seiner Liebe überschütten möchte.Dies wird möglich indem wir sowohl seine Liebe,als auch seine Ordnungen annehmen.Die Ordnung und die Liebe finden sich sowohl in der sola Scriptura als auch in unseren Herzen durch den Heiligen Geist Gottes und Gottes Wort und Gottes Geist stimmen bestimmt überein!

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