Beichtgeheimnis

gestellt von Gudrun Reimers am 4. Mai 2015

Wie ist es: Wird das Beichtgeheimnis auch von den staatlichen Gesetzen geschützt, oder nicht?

Liebe Frau Reimers,

Ja, die deutschen Gesetze schützen das Beichtgeheimnis ebenso wie alles, was in einem Seelsorgegespräch gesagt wird. Zum einen gibt es in Straf- und in Zivilprozessen ein "Zeugnisverweigerungsrecht" (Strafprozessordnung § 53 und Zivilprozessordnung § 383). Die Schweigepflicht der Geistlichen ist im Falle einer Beichte in jedem Falle bindend. Das heißt, man kann nicht davon entbunden werden, nicht einmal von der beichtenden Person selbst. Im Falle eines seelsorgerlichen Gesprächs ist das anders. Hier kann die Person, die die Seelsorge in Anspruch genommen hat, den Seelsorger oder die Seelsorgerin von der Schweigepflicht entbinden.

Selbst, wenn ein Geistlicher oder eine Geistliche in der Beichte von einer geplanten Straftat erfährt, kann der Staat die Geistlichen nicht zwingen, dies anzuzeigen. Also, noch einmal: Ja, das Beichtgeheimnis wird umfassend durch die Gesetze in Deutschland geschützt.

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

Fragen zum Thema

Kommentare

Da interessiert mich, wie die evangelischen Kirchen ein Seelsorgegespräch von einem Beichtgespräch unterscheiden, da beides ja - anders als bei den Katholiken und Orthodoxen - keinen sakramentalen Charakter hat.

Vielen Dank.

Das stimmt so nicht ganz. Anders als in der reformierten Tradition gilt die Beichte in lutherischen Kirchen als drittes Sakrament, auch wenn Luther damals vieles an der katholischen Beichtpraxis zu kritisieren hatte. Siehe z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Beichte#Evangelisch-lutherische_Kirchen

So ist es. Die Beichte ist in der lutherischen Kirche nicht als Sakrament "abgeschafft" worden. Die Kritik seitens der lutherischen Reformation an der Beichte richtet sich vor allem gegen die Vorstellung, durch die beichte könne ein mensch tatsächlich sündlos werden.

Entschuldigen Sie die Nachfrage: Wenn man durch die Beichte seine Sünden nicht los werden kann - wozu dann beichten?

Das ist ein Missverständnis. Ich meinte, dass ein Mensch durch die Beichte nach protestantischem Verständnis nicht vollständig sündlos werden kann. Die aktuell gebeichtete Sünde wird man durchaus los.

Die Frage bleibt: Wenn ich nicht vollständig sündlos werden kann - wozu dann Beichten? Nur eine bestimmte Sünde los zu werden ist ja recht witzlos oder? Geht es also nur um Gewissenserleichterung bei einer konkreten Sache oder um Wiederherstellung der Beziehung mit Gott?

Es geht um die Beziehung zu Gott....

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