Luthers Berechnung des Weltuntergangs

gestellt von Nathan am 21. September 2015

Hallo ich heiße Nathan.

Zum Thema Martin Luther und dem Weltuntergang.
Ich habe mal gelesen, dass Martin Luther für die Jahre 1532,1538 und 1541 den Weltuntergang prophezeit hatte. Und ich war erst sehr erschrocken, als ich es zum ersten Mal gelesen hatte.

Die Bibel sagt ja in Matthäus 24, 36: „"Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater."“

Frage: Wie steht heute die Evangelische Kirche zu Luthers Weltuntergängen und was unterscheidet die Weltuntergänge z.B. bei den Zeugen Jehovas oder ist es das Gleiche.

Lieber Nathan,

 

Martin Luther war, was seine Berechnungen des Endes der Welt anging, im Grunde genommen noch ein Kind des Mittelalters. Er ist – wie viele Lehrer in den Jahrhunderten vor ihm – davon ausgegangen, dass die Welt 6000 Jahre lang bestehen würde von der Schöpfung bis zum jüngsten Tag. 6000 Jahre deswegen, weil die Schöpfungsgeschichte nach dieser Vorstellung bereits das gesamte Weltgeschehen abbildet. Die Schöpfung dauerte bekanntlich 6 Tage, und da vor Gott tausend Jahre  wie ein Tag sind (vergleiche Ps 90.4), ergibt sich, dass die Welt 6000 jahre alt wird, bevor Gott ihr wieder ein Ende bereitet.

 

Luther vertrat die Vorstellung, dass es drei Weltzeitalter gäbe: Eines vor dem Gesetz (also bevor Gott seinem Volk die Thora offenbarte), eines unter dem Gesetz (bevor Christus kam) und eines unter der Gnade (das also mit der Geburt Jesu begann). Logischerweise musste dann (wenn man davon ausgeht, dass die drei Zeitalter dieselbe Länge haben, jedes also 2000 Jahre dauert), das Weltenende im Jahr 2000 nach Christi Geburt erfolgen. Allerdings gab es für Luther auch Hinweise darauf, dass das letzte Zeitalter nicht wirklich 2000 Jahre lang dauern würde, denn es heißt zum Beispiel in Mt 24,22, wo Jesus von den Verfolgungen spricht, die seine Nachfolger zu erwarten haben: "Und wenn diese Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch selig werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt." Das bot natürlich einen schönen Spielraum zum Spekulieren, und so kam es, dass Luther sich tatsächlich solchen Spekulationen hingab.

 

Mittlerweile beteiligt sich die evangelische Kirche nicht mehr an solchen Spekulationen und Berechnungen. Es gilt, wie Sie schon angeführt haben, das Verbot durch Jesus selbst, wie es in Mt 24,36 ausgedrückt wird. Zu viele Menschen haben das eigene und das Leben anderer dadurch in Gefahr gebracht, dass sie versuchten das kommende Weltende zu berechnen. Dass Gott einmal sein Reich vollständig aufrichten wird, bleibt Bestandteil unseres Glaubens. Berechnungen über den Zeitpunkt sind müßig und nicht zuletzt mit unserem modernen Weltbild nicht vereinbar.

 

Mit freundlichen Grüßen

Frank Muchlinsky

Fragen zum Thema

Kommentare

Weltuntergangsszenarien gibt es doch aktuell haufenweise! Tote Kinder die an Traumstränden angespült werden, Flüchtlinge, die dem Tod näher sind, als dem Leben, Massenvernichtungswaffen, kontinentübergreifende Krankheiten, Umweltzerstörung mit der Folge weltweiter Hungersnöte und Verteilungskriege; auf der Balkanroute verschwinden viele Menschen plötzlich von der Erdoberfläche. Ein Weckruf des nahenden Weltuntergangs?

Neuen Kommentar schreiben