Warum?

gestellt von Chantal Üppermann am 8. März 2016

Liebe Frau Löw Wenn es Gott wirklich gibt warum passieren dann all diese schrecklichen Dinge?

(z.B Morde oder den islamischen Staat)

Liebe Frau Üppermann,

eine große Frage, die Sie haben: Warum?

Das kann ich ihnen leider nicht beantworten. Aber mein eigenes Verständnis ist, dass Gott selbst einer ist, der selbst ermordet wurde. Am Kreuz. Ich glaube, dass Gott im Leiden ganz besonders ist. Gott ist im Schmerz, im Leiden, in der Krankheit, im Tod.

Seit Gott auf die Welt gekommen ist, hat er sich ermorden lassen von den Menschen, um ganz in denen zu sein, die zum Opfer gemacht werden. Jedes Opfer des IS, jeder Mord, ist Gott selbst, der da getötet wird - jedes Opfer im KZ, war Gott selbst.

Jedes Mal, bei jedem Mord, bei jedem Menschen, der da getöte wird, wird Gott selbst getötet.

So verstehe ich die Zusage Jesu „Ich bin bei euch, alle Tage bis an das Ende der Welt.“ (Mt 28,20) Uns Menschen ist nicht versprochen, dass uns kein Leid widerfährt, dass wir nicht zum Opfer von Gewalt werden oder immer gesund bleiben, sondern, dass wir in all dem Leid nicht allein sind, weil Gott da ist. „Mein“ Gott sitzt nicht im Himmel, schaut auf die Erde und überlegt sich, welche Kugel er aufhält und welche nicht. Er hat sich verwundbar gemacht und uns die Verantwortung in dieser Welt übertragen.

Ich glaube außerdem, dass wir uns am Ende dieser Welt von Gott danach richten lassen müssen, in wieweit wir unserer Verantwortung gerecht wurden. Und ich glaube, dass Gott uns, weil er Mensch geworden ist, letztendlich gnädig sein wird für das, was wir versäumt oder verbrochen haben, denn er kennt uns in unnachahmlicher Weise.

Alles Liebe, und viele Grüße auch von Pastor Frank Muchlinsky -

herzlich, Ihre Sabine Löw

 

Fragen zum Thema

Kommentare

Hallo,

Der Herr gab einem Jeden den freien Willen. Diejenigen die ihren freien Willen dazu nutzen Böses zu tun, die verschenken ihre Chance auf Versöhnung. Was für einen Sinn hätte das irdische Leben, wenn der Herr jedem der etwas böses ausheckt eine Ohrfeige verpasst um ihn davon abzuhalten? Werden seine Gedanken sein Wesen dadurch besser? Oder würde er aus Angst vor weiteren Ohrfeigen inne halten.
Wie könnte sich durch ständiges Eingreifen Spreu von Weizen trennen?

Hallo Manuel,

"Die Lehre von der Freiheit des Willens ist eine Erfindung herrschender Stände." (Friedrich Nietzsche)

Weitere Beiträge (aus der Philosophie und aus der aktuellen Hirnforschung) zur angeblichen menschlichen Willensfreiheit: http://www.awq.de/2016/01/beitraege-zur-willensfreiheit/

Desweiteren sind "Gut" und "Böse" keine absoluten Größen, sondern Festlegungen aufgrund einer bestimmten Wertvorstellung; deshalb kann etwas, was zum Beispiel in einer Religion als "Gut" gilt, in einer anderen als "Böse" bewertet werden und umgekehrt.

Aber auch schon über die Werte des Christengottes gibt es keine eindeutigen, verbindlichen Aussagen: Wenn man die Bibel zugrunde legt, findet der Christengott nicht nur Nächstenliebe (innerhalb der eigenen Gruppe), sondern auch Menschenopfer und Völkermorde "gut."

Das Theodizee-Problem lässt sich auch mit noch so großer Kreativität, Sinnverbiegung und willkürlicher Uminterpretation nicht befriedigend lösen, schon allein zum Beispiel deshalb, weil ja längst nicht alles Leid von Menschen verursacht ist.

1. Gott existiert und es gibt Übel in der Welt.
2. Wenn Gott existiert, dann ist Gott allmächtig.
3. Wenn Gott allmächtig ist, dann kann Gott das Übel verhindern.
4. Wenn das Übel existiert, dann kann Gott das Übel nicht verhindern.
5. Wenn Gott existiert und das Übel existiert, dann kann Gott das Übel verhindern und nicht verhindern. (Widerspruch)
6. Oder: Gott existiert nicht.

Weitere Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Theodizee

Ohne einen seriösen Beweis, dass es Gott (und zwar in diesem Fall nicht nur irgendeinen, sondern den christlich-biblischen) wirklich gibt, sind allerdings auch alle Überlegungen über dessen angebliche Eigenschaften, Absichten oder Verhaltensweisen irrelevant.

Das kann man sich natürlich alles ausdenken, wenn man möchte. Zur Behebung von Missständen trägt dies allerdings genauso wenig bei wie wenn man sich fragt, warum zum Beispiel Rumpelstilzchen oder der Gestiefelte Kater nichts zur Minderung des Leids beitragen.

Das sehen auch die meisten Theologen heute so. Alfred Buß, ehemaliger Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen: "Ehrliche Theologie gesteht ein, dass es auf die Frage nach dem Sinn des Leidens keine Antwort gibt. Wer sie trotzdem versucht, setzt nur Irrlichter auf." (Quelle: Wikipedia)

Sokrates wurde hingerichtet, weil er nicht an die griechischen Götter glaubte.
Wo sind die griechischen Götter heute?
Die Mayas hatten ihre Götter, die Römer ihren Gott Mithras, die Germanen einen Wotan. Alle weg und fristen ihr Dasein in Kreuzworträtseln.
Und der Jesus samt Vater und Mutter Maria im Himmel? Nichmööööglich!

Und der Sinn des Lebens? Ganz einfach: Es genießen!!

7. Oder: Gott ist anders, als wir es in ein paar einfachen Begriffen darstellen können. Mit dem Theodizeeproblem würden wir dann vor allem unsere Begriffe von Allmacht und Allgüte ad absurdum führen, aber nicht unbedingt Gott. In der Mathematik gibt es beim Rechnen mit derlei Unendlichkeitsbegriffen auch schnell Schwierigkeiten. Warum soll es den Theologen besser gehen?

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