Leid von Kindern - warum lässt Gott das zu?

gestellt von Besucherin am 3. Juni 2016

Sehr geehrter Hr. Muchlinsky,
seit längerem beschäftigt mich die Frage nach dem Leid von Kindern. Und ehrlich gesagt je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr kam ich vom Glauben ab. Ich habe mich aber noch nie getraut hierzu einen Pfarrer zu fragen.
Wenn Kinder zB. durch Krieg oder Verbrechen großes Leid erfahren oder getötet werden, kann man dies noch mit dem bösen Handeln der (erwachsenen) Menschen begründen.
Aber was ist mit Kindern deren Leben aufgrund einer zB. angeborenen Krankheit (für die auch die Mutter nicht aufgrund von zB Drogenmissbrauch etc verantwortlich gemacht werden kann) von Anfang an mit großen Qualen verbunden ist. Oder Kinder die aufgrund von Naturkatastrophen wie zB. Vulkanausbruch oder ähnlichem (also etwas das nichts mit dem von Menschen zu verantwortenden Klimawandel zu tun hat) verbrennen oder ersticken oder was auch immer. Dafür kann kein Mensch etwas. Und das Kind auch nicht. Und trotzdem lässt Gott so etwas zu bzw. hat es so erschaffen? Für mich gibt es in dieser Hinsicht keinen Gott. Und deshalb inzwischen auch nicht mehr in aller weiteren.

Liebe Besucherin,

 

gut, dass Sie sich trauen, Ihre Frage einem Pfarrer zu stellen, denn ich habe mich natürlich schon mit genau dieser Frage beschäftigt – einerseits sozusagen von Berufs wegen, andererseits weil ich mich – wie vielleicht jeder gläubige Mensch – frage, wie das Leid in der Welt zu erklären ist und welche Rolle Gott dabei spielt. Ich habe eine Antwort für mich gefunden und weiß, dass sie mir hilft. Ich will Ihnen diese Antwort gern vorstellen. On Ihnen das weiterhilft, kann ich nicht sagen. Das werden Sie entscheiden.

 

In dem, was Sie beschreiben, wird deutlich, was für ein Bild Sie selbst von Gott haben oder hatten, denn Sie schreiben ja, dass Sie sich vom "Glauben abgewandt" haben. Lassen Sie mich das noch einmal zusammenfassen und bestimmte Dinge herausstreichen, die für Ihr Gottesbild anscheinend wichtig sind/waren. Das ist wichtig für meine Antwort. Zunächst einmal gehen Sie davon aus, dass Gott alles geschaffen hat, inklusive der Menschen, der Vulkane und der Krankheiten. Sie gehen außerdem davon aus, dass Gott in seine Schöpfung eingreifen könnte, denn Sie schreiben, Gotte ließe es zu, dass Kinder leiden. Das bedeutet im Umkehrschluss: Gott könnte sehr wohl eingreifen. Außerdem machen Sie indirekt Aussagen über den Menschen: Menschen tun Schlimmes, sind aber nicht an allem Schlimmen Schuld. Und Sie fragen nach dem Leid von Kindern. Ich nehme an, dass Sie Kinder darum erwähnen, weil Kinder besonders unschuldig an irgendetwas sind.

Zusammengefasst ergibt das, was Sie schildern, ein Welt- und Gottesbild, in dem Gott eine Welt geschaffen hat, in der es auch dazu kommt, dass Unschuldige leiden müssen – nicht nur, weil anderen Menschen Ihnen etwas antun, sondern weil die Welt eben von Gott so eingerichtet wurde und dann sich selbst überlassen. Solch einen Gott wollen Sie nicht, und das kann ich verstehen.

 

Was Sie ablehnen, ist eine Vorstellung von Gott, die weit verbreitet ist: Ein Gott, der doch lieb sein soll, und der es einfach nicht ist, weil er es zulässt, dass selbst Unschuldige leiden müssen. Dieses Gottesbild ist allerdings nicht das, was Bibel oder Christentum verkünden, zumindest nicht das, was verkündet werden sollte. Nach dem biblischen Zeugnis ist Gott in der Tat der Schöpfer von allem – von allem Schönen ebenso wie von Krankheiten und Erdbeben. Allerdings hat Gott den Menschen niemals versprochen, dass sie in dieser Welt ohne Leiden leben könnten. Die Welt ist voll von Glück und auch voll von Leid. Sie ist voll von Leben und voll von Tod. In dieser Welt lebt der Mensch nicht zuletzt mit der Aufgabe, das Leid und die Not zu lindern, wo es nur geht, auch wenn diese Not nicht von Menschen selbst verursacht wurde. Das Christentum sagt, dass das Leid in der Welt nicht eine Strafe Gottes ist, sondern einfach ein Teil unserer Welt. Es wird nicht verschwinden, und dennoch gibt Gott den Menschen die Aufgabe, das Leid zu lindern.

 

Und Gott selbst? Gott hat sich nach dem christlichen Verständnis nicht aus der Welt zurückgezogen. Im Gegenteil: Gott ist als Mensch in diese Welt gekommen und hat all das erlebt, was wir Menschen erleben, inklusive Freude, Leid und Tod. Darum ist nach dem christlichen Glauben Gott besonders bei den Menschen, die in dieser Welt leiden. Das ist sein Versprechen und nicht, dass es überhaupt kein Leid geben soll. Und weil Leiden nach diesem Verständnis auch keine Strafe Gottes ist, kann es eben auch Unschuldige und Kinder treffen. Das ist schrecklich und für jeden mitfühlenden Menschen unerträglich anzusehen. Aber wir sollen ja auch nicht zusehen. Wir sollen helfen, wie wir nur können und wen wir nichts ändern können am Leid selbst, sollen wir sie begleiten. So wie Gott es tut, der selbst Mensch geworden ist.

 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen erläutern, wie der christliche Glaube in meiner Interpretation so denkt. Wie gesagt: Ob Sie damit etwas anfangen können, enscheiden Sie selbst.

 

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

Fragen zum Thema

Kommentare

Ohne den Anspruch, eine "bessere" Erklärung zu haben, will ich kurz auf, für mich, problematische Sätze in Ihrer Erklärung hinweisen.
Wenn Gott das absolut Gute ist, wie kann er dann böses direkt schaffen?
Meine Erklärung: Gott hat Wesen, unter anderem den Menschen, geschaffen und dies mit einem freien Willen geschaffen. Eines dieser Wesen, Satan, hat aber seinen freien Willen dazu benutzt, sich gegen Gott aufzulehnen. Er hat das Böse in eine an sich gute Welt gebracht. Auch der Mensch hat einen freien Willen und damit das Recht sich für oder gegen das Gute, oder den Guten, nämlich Gott, zu entscheiden.
Das Böse, wie Krankheit, ist also nicht von Gott geschaffen. Er hat aber seine Entstehung "billigend" in Kauf genommen, als er Wesen mit einem freien Willen geschaffen hat.

Danke für Ihre Meinung.

Vielen Dank fuer die Frage und Antwort.
Ich bin total aufgewuehlt und weiss immer noch nicht wie ich das bewerten soll.
Die naechste Frage ist fuer mich die, nach dem WARUM?
Ok, unschuldige Kinder muessen leiden weil Gott die Welt mit Freude und Leiden erschaffen hat. WARUM?

Hallo Zusammen.
Ich habe mir auch schon sehr oft den Kopf über dieses Thema zerbrochen. Eine komplette Antwort habe ich bis heute nicht gefunden. Viele Dinge bleiben offen, aber wir werden sie wohl erst dann verstehen, wenn wir vor unserem Schöpfer stehen und ihn selber fragen können.
Einen Erklärungsansatz habe ich jedoch für mich gefunden:
Gott schuf ursprünglich eine perfekte Welt, frei von Krankheit, Leid, Tod etc.. Er erschuf den Menschen nach seinem Ebenbild und lebte mit ihm an einem perfekten Ort, dem Garten Eden. Tod und Leid waren sicherlich nie Gottes Plan und wurden auch nicht durch ihn in die Welt gebracht, sondern durch Satan und uns selbst! Er wollte mit den Menschen in Gemeinschaft leben und eine Beziehung führen. An Marionetten war er nie interessiert, deshalb gab er sowohl seinen Engeln, als auch uns, einen freien Willen. Letztlich wurde der Mensch durch Satan verführt und es kam zu dem entscheidenden Ereignis: Dem SÜNDENFALL. Sünde kam in diese Welt, und alles Verderben, Krankheit und der Tod. Da wo Sünde ist kann Gott nicht sein, denn er ist heilig und rein. Und somit hat Satan den Platz als Fürst dieser Erde eingenommen. Seine Herrschaft in dieser Welt ist auf jeden Fall nicht zu übersehen. Zum Glück konnte Gott durch Jesus einen Weg offenbaren, der es jedem Menschen möglich macht, wieder eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Das Hauptproblem, die Sünde, ist allerdings noch nicht aus der Welt. Alles Schlechte in dieser Welt, fällt auf sie zurück.
Dies heisst allerdings nicht, dass Gott nicht die Macht dazu hätte, auch in dieser Welt Wunder zu vollbringen. Er vollbringt täglich eine Vielzahl an Wundern, ist aber kein Wunder-Wunschautomat. Und manche Dinge mögen uns als Unglück erscheinen, sind in Wirklichkeit aber nur notwendige, wenn auch traurige, Bestandteile in einem perfekten großen Plan Gottes, welchen wir niemals überblicken können. Mir fällt da sofort die Geschichte von Joseph ein. Manch Jemand mag sich damals wohl auch gefragt haben, warum Gott das ganze Leid mit der Grube und den Sklavenhändlern zulässt......

Viele Grüße,
David

danke

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