Wer darf segnen? Was geschieht beim Segen?

gestellt von Jörg Schäfer am 19. April 2017

Foto: José Luis Gutiérrez/iStockphoto

 

Kann ein Pfarrer wirklich segnen. Ich dachte segnen kann nur Gott. Oder kann jedermann segnen? Was bewirkt der Segen? Ist diese Redewendung "sich unter den Segen Gottes zu stellen" nicht irgendwie eine fromme Floskel? Ist das genauso neutestamentlich wie alttestamentlich? Vielen Dank für Ihre Hilfe

Lieber Herr Schäfer,

 

danke für Ihre Fragen. Ich beantworte sie am besten Abschnittsweise:

 

„Kann ein Pfarrer wirklich segnen? Ich dachte segnen kann nur Gott.“

Sie haben recht: Segnen tut Gott, aber der Pfarrer bittet Gott, dass er seinen Segen schenken soll. Die einfachste Segensformel lautet: „Gott segne dich!“ Damit wird Gott gebeten, eine andere Person zu segnen. Wer diese Worte spricht, segnet also nicht selbst, sondern er oder sie bittet Gott, das zu tun.

 

„Oder kann jedermann segnen?“

Ja, in diesen Segensworten geschieht nichts, was nicht jeder Mensch machen könnte. Es ist wie ein Gebet, in dem man Gott für andere bittet. Das kann schließlich auch jeder Mensch tun, der an Gott glaubt.

 

„Was bewirkt der Segen?“

Es hat einen guten Grund, dass ein Segen meistens dann gesprochen wird, wenn man sich verabschiedet. Die Vorstellung dabei ist, dass man sich nun nicht mehr selbst um den Menschen kümmern kann, mit dem man gerade zusammen war. Darum bittet man Gott, er möge sich nun um diese Person kümmern.

 

„Ist diese Redewendung "sich unter den Segen Gottes zu stellen" nicht irgendwie eine fromme Floskel?“

Viele Formeln können zu Floskeln werden. Das merkt man zum Beispiel bei Abschiedsfloskeln wie „Tschüß“ oder „Bhüet di“. Tschüß lehnt sich an die Formel „Adieu“ an, die „zu Gott“ bedeutet. „Bhüet di“ heißt vollständig „Behüte dich Gott“. Sie sehen, all das sind Mini-Segensformeln. Die kann man in vollem Bewusstsein aussprechen, also als wirkliche Segenswünsche. Meistens werden sie allerdings als reine Freundlichkeitsfloskeln genutzt.

So ist es auch mit der Formulierung „sich unter den Segen Gottes stellen“. Mit diesen Worten wird zum Beispiel im Gottesdienst dazu aufgerufen, sich bitte zu erheben um den Segen zu empfangen. Wer diese Formulierung allzu oft gehört hat, kann sie als nichtssagend und floskelhaft empfinden.

 

Ist das genauso neutestamentlich wie alttestamentlich?

Es gibt durchaus Unterschiede darin, die das Wort Segen im Alten und im Neuen Testament genutzt wird. Wenn Sie das genau wissen möchten, empfehle ich Ihnen sehr die entsprechenden Artikel im Wissenschaftlichen Bibellexikon zu lesen. Hier sind die Links: Segen (AT) Segen (NT).

Allerdings wird Segen in der ganzen Bibel so verstanden, dass man Gott bittet, sich um einen Menschen zu kümmern, ihm gut zu tun. Vielleicht an dieser Stelle noch einmal ein Rückgriff auf die Frage „Was bewirkt Segen?“: Segen bewirkt, was Gebete und gute Wünsche bewirken: Wir hoffen darauf, dass es jemandem gut ergehen möge. Beim Segen geht es wie gesagt vor allem auch um Begleitung. Das heißt: Segen ist nichts Magisches. Es geht nicht darum, etwas heraufzubeschwören, sondern es geht darum, Gott um die Begleitung eines anderen Menschen zu bitten.

 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiterhelfen und erlaube mir sehr bewusst, Ihnen ein gesegnetes Wochenende zu wünschen.

Frank Muchlinsky

Fragen zum Thema
13.03.2018 - 00:15
Wie erklärt die Evangelische Kirche die Schöpfung? Lieber Herr Even,   in der evangelischen Theologie, wird die Welt als Gottes Schöpfung…
20.07.2014 - 19:51
Jesus und sein Sterben Liebe Frau Buchner,   Ihre "provokante These" hat durchaus Anhalt an der biblischen…
04.03.2013 - 19:29
Werden wir uns "droben" wiedersehen? Liebe Frau Meyerhofer,   auf Ihre Frage kann ich "nur" mit einem Bekenntnis antworten,…

Kommentare

Sehr geehrter Herr Muchlinski, ich habe das etwas anders verstanden, mit dem Segen. Nach meiner Überzeugung kann jeder Jünger Jesu, also jeder Christ. Segen im Namen Jesu Christi aussprechen. So sollten ja auch die Jünger ein Haus in das sie gingen, wenn sie in eine neue Stadt kamen, erst segnen. Wenn der Segen nicht angenommen wurde, viel er auf die Jünger zurück. Wenn ich jemanden im Namen Jesu Christi segnet, und er diesen Segen für sich inAnspruch nimmt, wird Gott ihm Gutes tun. Was gut ist, entscheidet aber Gott. Gott segne Sie, bei Ihrer wichtigen Arbeit.

Guten Tag, ich bin gerade dabei mit Gott eine Beziehung aufzubauen und hab noch mit dem Begriff des Vertrauen zu kämpfen. Ich hatte in meiner Kindheit Momente, wo ich mich von Gott verlassen gefühlt habe, was glaube ich auch der Grund für mein fehlendes vollkommendes Vertrauen ist. Haben die Tips oder Erfahrungen, wie dieses Vertrauen wachsen kann?
Viele Grüße

Ich habe mich mehrfach bei der Evangelischen Kirche für verschiedene Stellen beworben und Absagen erhalten. Meist mit folgender Formel (oder ähnlich) zum Schluss: "Verbunden mit unserem Dank für Ihr Interesse an einer Anstellung im landeskirchlichen Dienst wünschen wir Ihnen für Ihren weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute und Gottes Segen." Beim ersten Mal war ich verwundert, beim x-ten Mal widert es mich nur noch an. Es ist eine leere Formel. Niemand gibt mir einen Job und / oder interessiert sich für mein Leben. Niemand ist an mir interessiert und möchte mir persönlich Gottes Segen zusprechen. Ist es nicht schon (fast) Gotteslästerung? Wieso Gott in diesen Zusammenhang bringen? Menschen haben über die Absagen entschieden und müssen auch dazu stehen, nicht Gott! Auf so einen zugesprochenen Segen kann ich verzichten, oder ich nehme den Segen von Gott direkt an und fühle mich von ihm ermutigt, sich nicht von der engstirnigen Bürokratie der Evangelischen Kirche runterkriegen zu lassen - und sich direkt von Gott segnen zu lassen. So oder so! Tipp an alle Verantwortlichen: Lassen Sie die Segenswünsche weg, wenn sie nicht tatsächlich jemanden Gottes Segen zusprechen möchten, für eine leere Floskel an der falschen Stelle ist Gottes Segen viel zu schade!!

Liebe Frau Schwarz-Erdt,

ich stimme Ihnen zu: Man sollte grundsätzlich nur dann jemandem Gottes Segen zusprechen, wenn man das in vollem Bewusstsein tut. Vielleicht – das ist durchaus möglich – waren diejenigen, die Ihnen diese Grußformel schrieben, traurig darüber, dass sie Ihnen nicht weiterhelfen konnten, und wünschten Ihnen darum, dass Gott Sie segnen soll, damit Sie den Mut nicht aufgeben.

Wie gesagt: Segnen sollte nicht zur Floskel verkommen. Da stimme ich Ihnen völlig zu.

Herzlich, Frank Muchlinsky

Lieber Herr Muchlinsky,

danke für Ihre Antwort. Ich bin sicher, diejenigen, die mir (gedankenlos) Gottes Segen bei der Absage wünschten, taten dies im genervten Bewusstsein "geh mit Gott - aber geh!". Schade, dass die Kirchenverwaltung / der Oberkirchenrat und die betreffenden Angestellten mit dem Segen und den Segenswünschen so gedankenlos umgehen oder fehlt ihnen das evangelische Bewusstsein, die entsprechende religiöse Schulung und Sozialisation?

Mit nachdenklichen Grüßen K. Schwarz-Erdt

Neuen Kommentar schreiben

Hier ist Ihre Meinung gefragt. Wenn Sie etwas zu diesem Thema beitragen möchten, geben Sie einfach Ihren Namen an (wenn Sie das Feld leerlassen erscheint "Gast" auf der Website) und geben Sie Ihren Text ein. Die Redaktion behält sich vor, welche Kommentare veröffentlicht werden. Radikale politische Äußerungen und persönliche Beleidigungen werden grundsätzlich nicht veröffentlicht.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisiertem Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.