Glauben verlieren

gestellt von Carsten M. am 4. Februar 2019
Verzweiflung

@Getty Images/iStockphoto/Carlos Gomez Bovâ

Es tut mir zwar sehr weh... aber ich breche mit Gott.. entweder gibt es nicht oder er ist so ein ungerechtes Schwein das es beten oder glauben für mich unmöglich macht. Ich bin halt nicht Hiob und jede Phrase wie "wen Gott liebt den prüft er" sind das viel zitierte Opium fürs Volk... ich kann nicht verstehen warum es so vielen Arschlöchern blendend geht und viele gute Menschen einfach nie ... nie nie Glück haben sondern obendrein noch Pech.... selbst wenn es ihn gibt kann das nicht mein Gott sein.

Lieber Herr M.,

Ungerechtigkeit tut weh! Man kann es förmlich spüren, in dem, was Sie schreiben. Ich lese Ihre Zeilen und wünschte mir, ich könnte Ihnen sagen: "Ach, sehen Sie das doch mal anders. So schlimm ist es auch nicht …" Aber manchmal ist es so schlimm, manchmal ist kein Land in Sicht, manchmal ertrinkt man in der Ungerechtigkeit. Und von Gott ist nichts zu sehen, nichts zu spüren, nichts mehr zu erwarten.

Gerade, wenn man sich immer und immer wieder an Gott gewandt hat, und das Unglück trotzdem immer nur mehr wurde, will man am liebsten Schluss machen – mit dem Leid, mit der Ungerechtigkeit, mit dem Bitten, mit dem Hoffen und Schluss mit Gott!

Der einzige schwache Trost, der mir im Moment für Sie einfällt, ist dass Sie in guter Gesellschaft sind mit Ihrer Verzweiflung und Ihrem Zweifel. Gerade Hiob, den Sie erwähnen, bleibt ja nicht stumm und nimmt sein Unglück, das Gott ihm zugelassen hat, still hin. Er ist sicher, dass er zu Unrecht leidet, und sagt: "Dass ich im Recht bin, hilft mir nichts bei ihm; ob schuldig oder nicht – Gott bringt mich um! Wenn plötzlich eine Katastrophe kommt und Menschen ohne Schuld getötet werden, hat er für ihre Ängste nur ein Lachen. Gott hat die Erde Schurken übergeben und alle Richter hat er blind gemacht. Wenn er es nicht gewesen ist, wer dann?" (Hi 9,22-24)

Für Hiob kann die Konsequenz daraus nicht heißen, mit Gott zu "brechen", aber er will ihn vor Gericht ziehen, weil er sich so ungerecht behandelt fühlt. Auch Hiob sagt wie Sie, dass böse Menschen es eher gut haben, und dass Gott sie davonkommen lässt: "Wie oft hast du es eigentlich erlebt, dass es erloschen ist, das Licht der Bösen? Wie oft geschieht es, dass sie Unglück trifft? Hat Gott sie je in seinem Zorn gestraft? Wann sind sie denn wie Stroh im Wind gewesen? Wann hat der Sturm sie fortgeweht wie Spreu?" (Hi 21,17-18)

An der Ungerechtigkeit der Welt kann man wirklich verzweifeln. Und dass Gott dagegen nichts unternimmt, kann einen wirklich irre machen vor Wut. Hiob bekommt schließlich sein Gespräch mit Gott, aber in diesem Gespräch stellt sich vor allem heraus, dass Gott eben Gott ist, anders als die Menschen. Hiob sieht schließlich ein. Eigentlich ein unbefriedigendes Ende.

Es tut mir sehr leid für Sie, lieber Herr M., dass Sie mit Gott brechen möchten. Vielleicht werden Sie irgendwann wieder etwas mit Gott anfangen wollen. Mein Glaube sagt mir, dass Gott sich dann sehr freut. So oder so wünsche ich Ihnen, dass es Ihnen besser geht.

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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