Was heißt es, Christ zu sein?

gestellt von Christian am 25. September 2019
Was heißt es, Christ zu sein?

©Getty Images/iStockphoto/stevanovicigor

Hallo, Herr Muchlinsky,
ich wollte evtl. den christlichen Glauben annehmen. Ich habe derzeit zwar noch viele Zweifel, aber ich arbeite an diesen.
Nun wollte ich Sie fragen: Was heißt es eigentlich Christ zu sein?
Was darf ich nun nicht mehr tun, was darf ich noch tun? Darf ich noch Videospiele spielen, Spaß haben, ab und zu faul sein usw.? Was heißt es, Gott an die erste Stelle zu stellen?
Und fühlt sich Gott nicht betrogen, wenn ein wichtiger Grund der Glaubensannahme einfach die Angst vor der Hölle ist?
Ich hoffe sie können mir antworten, da mir diese Frage sehr wichtig ist.
MfG Christian

Lieber Christian,

wenn jemand ernsthaft glaubt, wird er auch immer wieder zulassen, dass ihm Zweifel kommen. Es ist gut, dass Sie sich so viele Fragen stellen. Vor allem Ihre große Frage „Was heißt es, Christ zu sein?“ sollte sich jeder gläubige Christ immer wieder stellen. Ich selbst beantworte diese Frage auch nicht immer gleichlautend. Heute will ich Ihnen das so schreiben: Christ zu sein, bedeutet, sich einzugestehen, dass man in seinem Leben nicht alles selbst schafft. So, wie wir nicht aus eigener Kraft geboren wurden, so können wir nicht allein aus eigener Kraft leben. Christ zu sein bedeutet darum zuerst: Ich erkenne an, dass ich selbst nicht Gott bin. Ich bin nicht allmächtig, ich bin nicht unendlich, die Welt dreht sich nicht um mich.

Christ zu sein bedeutet dann, sich Gott anzuvertrauen, also zu sagen: Du bist es, dem ich mein Leben verdanke. Du bist es, dem ich danke für das, was ich kann und habe. Und weil du, Gott, mir all das gibt, ohne dass ich dafür etwas tun muss, will ich nach dem Gebot leben, das Du den Menschen gegeben hast. Ich will dich lieben und meinen Nächsten wie mich selbst. Wenn man dazu Ja sagen kann, kann na sich taufen lassen und damit zeigen, dass man sein Leben als Christ neu beginnen will.

Ich hoffe, Sie erkennen bereits, was meiner Meinung nach das Wichtige am christlichen Glauben ist: Es bedeutet, sich Gott anzuvertrauen. Es ist eine große Erleichterung, mir klar zu machen, dass wir Menschen nicht perfekt sind und es auch nicht sein müssen. Wir sind Kinder Gottes und dürfen Gott vertrauen, dass er es unendlich gut mit uns meint. Wer Gott vertraut, stellt ihn an die erste Stelle in seinem Leben.

Natürlich bedeutet der Glaube an Gott auch, das Richtige tun zu wollen. Wer Gott vertraut und ihm dankbar ist, für den ist es selbstverständlich, seinem Gebot der Liebe zu folgen. Aber das bedeutet eben auch, sich viele Fragen zu stellen, so wie Sie es tun. Was ist das Richtige? Was will Gott von mir? Wie gesagt: Was Gott zuerst will, sind Vertrauen und Liebe – zu ihm zu unseren Mitmenschen, zu uns selbst. Verstoßen Videospiele oder Spaßhaben gegen das Gebot, einander und Gott zu lieben? Ich denke, die Antwort können Sie sich selbst geben. Und Faulheit? Ab und an? Meinen Sie, das missfällt Gott, dem Erfinder des wöchentlichen Ruhetags?

Lassen Sie sich nicht Angst machen! Unser Leben ist kein Test, den wir bestehen müssen. Es ist ein Geschenk verbunden mit einer Aufgabe, die wir möglichst gut erledigen sollen. Ich glaube nicht, dass Gott sich von Ihnen betrogen fühlt, wenn Sie ihm aus Angst Ihr Vertrauen, Ihren Glauben schenken. Aber ich könnte mir vorstellen, dass er ein wenig enttäuscht ist, weil er sich liebe einen fröhlichen als einen ängstlichen Christen wünscht.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen etwas Hilfreiches schreiben.

Herzliche Grüße!

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Einiges von dem was hier steht halte ich für richtig, aber das Wichtigste fehlt.
Wie schon der Titel "Christ" nahelegt, hat das was mit Christus zu tun.
Ein Christ kann nur sein, wer den Christus nicht verleugnet, also wer anerkennt, wer glaubt, wer bekennt dass Jesus der Christus ist, der Gesalbte, der Erlöser, der Messias. Ein Christ ist überzeugt davon, dass Jesus von Nazaret der Sohn Gottes ist, als ganz Mensch und ganz Gott, schuldlos starb, um die Sünde jedes Menschen zu tragen, und dass er über Sünde und Tod triumphierte, also vom Tode auferstanden ist und lebt. Erst dadurch können wir Kinder Gottes werden (Bspw. Joh. 1:12), erst dadurch erhält das Doppelgebot der Liebe Autorität (Denn es ist ein Gebot von Jesus, und wäre Jesus nicht Gott, dann wäre das auch kein göttliches Gebot).
Auf die Frage "Was macht einen Christen aus?", Jesus zu unterschlagen, ist fahrlässig.

Abgesehen davon gibt es einen Unterschied zwischen „Ruhe“ und „Faulheit“ - das hat was mit Maßhaltung zu tun.

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