Wie ist das Judentum und der Gott des Alten Testaments?

Gefragt von Horst-Peter Hinckel

Wie kann der Mörder YHWH, der mit Satan Zusammenarbeit hat, der gute fremde unbekannte Gott des Paulus und der liebende Vater Jesu sein ? Das ist absurd. YHWH ist eine Erfindung der Juden, um ihre abscheulichen Verbrechen zu rechtfertigen.

Lieber Horst-Peter,

Deine Frage macht mich, ehrlich gesagt, sehr betroffen. Darin ist so viel Anklage.

Vor allem: Wie kommst Du dazu, „die Juden“ als abscheuliche Verbrecher zu bezeichnen? Dann nimm bitte auch den Rest der Welt in den Blick: alle Menschen sind zu abscheulichen Verbrechen fähig und es haben viele Menschen bereits abscheuliche Verbrechen begangen, aus allen Religionen, Denominationen und Weltanschauungen bis hin zum Atheismus. Vor allem aber waren Juden und Jüdinnen immer wieder Opfer abscheulicher Verbrechen, nicht zuletzt im Holocaust. Zudem sind Juden und Jüdinnen vor allem Menschen, Mitbürger:innen, Kolleg:innen, Vorgesetzte, Mitarbeiter:innen, Berufstätige und Familienmenschen und vieles mehr.

Eine „Erfindung“ könnte man den Glauben aller Religionen heißen – wenn man kalt auf sie blickt. Ich sehe nicht, dass das allein eine der abrahamitische Religionen beträfe. Allerdings: was Du als Erfindung bezeichnest, ist Erfahrung. Ebenso wie das Christentum aus der Erfahrung Gottes lebt, eben des Gottes (JHWH / Elohim / Herr Zebaoth..)  des Alten Testaments, der sich im christlichen Glauben als Jesus Christus zeigt.

Dein Vorwurf der Zusammenarbeit Gottes mit dem Satan ist ungeeignet, ein angemessenes Bild Gottes zu zeichnen, wie er im Alten Testament zu erleben ist: er ist errettend, liebend, fürsorglich ein Verfechter des Lebens. Jesu Gottessohnschaft ist alles andere als absurd. Im Neuen Testament ist bezeugt, dass sich Gott in Jesus Christus, seinem Sohn gezeigt hat – und auch hier ist errettend, liebend, fürsorglich ein Verfechter des Lebens. In beiden Testamenten ist Gott nicht immer einfach zu verstehen, er brüskiert, ficht uns an, widerspricht oft unserem Verstand und manches Mal unseren menschlichen Emotionen.

Ich habe eine große Bitte an Dich:

bitte mache Dir klar, woher diese harten Worte und Ansichten gegenüber dem Judentum stammen. Es klingt nach unreflektierter, überkommener, antisemitischer, judenfeindlicher Propaganda. Und bitte sei selbstkritisch ob Deiner eigenen Fehler und Sünden. Schließe stattdessen Bekanntschaften mit heutigen Juden und Jüdinnen, halte Gemeinschaft mit ihnen. Lerne sie kennen. Sei ihnen Mitmensch.

Sei behütet und von Gottes Geist in Jesus Christus geleitet

Deine Pfarrerin Pamela Barke

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