Tierleid

Gefragt von Hilde Volkmann

Liebe Frau Pfarrerin,

ich habe oft zu Gott gebetet, er möge bitte den Milliarden Tieren helfen, die durch Menschen leiden müssen. Als uns Gott Corona schickte, sah ich das als Antwort und ging davon aus, die Menschen würden nun einsehen, dass die Pandemie dadurch entstanden ist - und endlich damit aufhören, Tiere zu züchten, zu quälen und auszubeuten. Ist leider bisher nicht geschehen, ich bitte Gott weiterhin darum. Warum unternehmen die christlichen Kirchen nichts dagegen?

Liebe Hilde* ,

das ist ein wichtiges Anliegen, das Dich bewegt: Das Wohlergehen der Tiere. Sind sie doch in beiden  bibllischen Schöpfungsberichten (1. Moses 1 und 1. Moses 2) in der Bibel hervorgehoben und als dem Menschen nahe beschrieben. Im zweiten Schöpfungsbericht erschafft Gott, zunächst, die Tiere sogar die als ersten Gefährten des Menschen,  denn: "Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei".  Adam darf  den Tieren Namen geben (2. Moses,18-20). 

Nun verbindest Du mit Deiner Frage mit der Ansicht, dass Gott die Corona-Pandemie gesendet hat, um die Menschheit von der falschen Verhaltensweise gegenüber den Tieren ab zu bringen. Ob man dies so sieht, ist natürlich auch schon eine große Frage, und es ist eine Glaubensfrage. Ich persönlich glaube, dass wir die Corona-Pandemie nutzen sollten, auch innerlich einzuhalten und um unser privates und gesellschaftliches Leben zu reflektieren; zumindest sollte das m.E. tun, wer immer den Freiraum dazu hat. 

Nun aber zu Deiner eigentlichen Fragestellung: Es gibt viele Initiativen für das Tierwohl. Da sind zum einen übergeordnete Initiativen wie der jährliche „Tag der Schöpfung“, der der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) erantwortet und der sog. „konziliare Prozess“.  Auf allen Kirchentagen wird das Anliegen immer wieder thematisiert. Er bewegt bis heute die Kirchen und  viele Gemeinden zum konkreten christlichen Beten und Handeln in puncto Tierethik. Auch die EKD spricht in ihren Denkschriften immer wieder Aspekte dazu an, ausführlich erstmals in der Denkschrift „ Zur Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf" 1991. 2019 ist das Impulspapier „Nutztier und Mitgeschöpf! Tierwohl, Ernährungsethik und Nachhaltigkeit aus evangelischer Sicht“ erschienen (EKD-Text 133). Ich kenne aus vielen Gottesdiensten, auch aus denen, die ich selbstgestaltet habe, in der Predigt und in Gebeten den Einsatz für das Tierwohl: Hinterfragen des Fleischkonsums, Kritik an der Fleischindustrie, Bitte um Einsicht u..v.m.

 Dass hier aber noch viel zu tun ist, mahnt der katholische  Theologieprofessor Thomas Ruster (Dortmund) an, wie evangelisch.de  im Oktober 2020 berichtete: „Theologe Ruster: Die Kirche hat die Tiere vergessen | evangelisch.de“ .

Du siehst, viele in der Kirche teilen Dein Anliegen. Es ist sicher wichtig, hier noch deutlicher und immer noch lauter zu werden. Danke, dass Du uns alle daran erinnerst mit Deiner Frage.

Deine Pfarrerin Pamela Barke

*) Ich hoffe, es in Ordnung, wenn ich das fb-Du verwende? Wenn nicht, einfach mich kurz anschreiben, dann ändere ich den Text.

 

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