Führt das Heizungsgesetz zu mehr Kirchenschließungen?

Iris Born-Katzer
Fleecedecken und Kerzen auf Kirchenbänken
© epd-bild/Heike Lyding
In welchem Ausmaß trägt das "Heizungsgesetz" dazu bei, dass noch schneller noch mehr Kirchen und Gemeindehäuser entwidmet bzw. verkauft werden?

Sehr geehrte Frau Born-Katzer,
liebe Iris,

vielen Dank für Ihre Frage. Meine Antwort ist ein klares: Nein.

Für unsere historischen Kirchen sieht das GEG (Heizungsgesetz) – wie für alle denkmalgeschützten Gebäude – eine Ausnahmeregelung vor, es kann von den gesetzlichen Forderungen abgesehen werden.

Gemeindehäuser, Pfarrgebäude etc. gelten in der Regel als "Bestandsgebäude". In diesen Gebäuden dürfen keine Baumaßnahmen stattfinden, die die Energiebilanz eines solchen Gebäudes verschlechtern. Das würde ja niemand machen, sanieren und anschließend noch mehr fossile Brennstoffe verbrennen.

Jedoch: Die Energiekrise und die hohen Energiepreise machen Sparsamkeit zum Gebot. Viele Kirchengemeinden handeln entsprechend. Außerdem schonen fast alle kirchlichen Einrichtungen bewusst die Umwelt. Denn wir sind dem Motto von "Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung" verpflichtet.

Viele evangelische Landeskirchen definieren für kirchliche Gebäude strenge Energiestandards. Die Nordkirche wird bis 2035 die Treibhausgasneutralität erreichen. Das sieht ein Kirchengesetz vor. Es wird gezielt in erneuerbare Energien investiert. Das dürfte in allen Landeskirchen ähnlich diskutiert werden, es gibt an vielen Orten weitreichende Klimabeschlüsse. Die theologische Grundlage für alle Beschlüsse ist grundsätzlich schöpfungstheologisch.

Aber: Auch ohne Vorschriften ist es in vielen Kirchengemeinden eine gut geübte Praxis, dass der Gottesdienst in der kalten Jahreszeit im Gemeindesaal stattfindet. Das Heizen einer Kirche ist oftmals extrem aufwändig, die Technik ist noch veraltet, und die Kosten stehen in keiner Relation zu der Größe der Gottesdienstgemeinde.

Also: Warum werden Kirchen entwidmet, kirchliche Gebäude in eine neue Verwendung überführt?

Antwort: Einige Kirchen und viele kirchliche Gebäude werden nicht mehr genutzt. Denn die Gemeinden schrumpfen, die Personaldecke unserer Kirche wird immer kürzer, die Einnahmen unserer Kirche sinken rapide. Wir müssen uns auf die Orte konzentrieren, an denen wir aktiv sein können.

Meine Erfahrung: Es tut vielen Menschen gut, wenn sie unsere Kirche nicht nur als Kleinstgruppe, sondern in einer größeren Gemeinschaft erleben. Ich war Pastor in einer östlichen Region, der Konfirmandenunterricht fand in einer Kirchenregion – also übergemeindlich – statt, die größere Gruppe Gleichgesinnter tat Jugendlichen und Familien gleichermaßen gut. Wir haben damit die örtliche Anbindung an den Kirchturm vor Ort zwar geschwächt, aber die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden gestärkt. Die Jugendlichen und deren Familien haben das immer unterstützt. Der Gottesdienst blieb allerdings im Ort.

Meine Zusammenfassung: Das "Heizungsgesetz" ist kein Grund für Kirchenschließungen. Die nachlassende Bindung vieler Menschen an unsere Kirchengemeinden, das geringere Interesse an kirchlichen Angeboten steht bei der Entwidmung von Kirchen, Gemeindehäusern und Pfarrhäusern im Vordergrund.

Ich wünsche Ihnen einen lebendigen Glauben in einer ebenso lebendigen Kirchengemeinde, die einladend ist und viele Menschen mit der Freude am Glauben ansteckt,

Ihr Henning Kiene

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