Fragen eines Atheisten: Warum lässt Gott das alles zu?

Karl-Heinz Holtschke

Als gefestigter Atheist bewegen mich in der heutigen Zeit unter anderem folgende Fragen: Was macht Gott eigentlich den ganzen lieben langen Tag? Warum lässt er zu, dass Menschen die an ihn glauben verfolgt, gequält und sogar getötet werden? Warum lässt er es zu, dass Kriminelle unbehelligt und ungestraft ihre Taten begehen können? Warum lässt er zu, dass Menschen auf seiner Welt regieren, die die seine Gebote verachten und mit Füßen treten ? Warum lässt er zu, dass seine Hirten und Oberhirten Straftaten begehen oder vertuschen? Früher war er doch mal etwas aktiv, er hat die Sintflut geschickt oder Sodom und Gomorrha vernichtet! Warum ist das alles so? Vielleicht können sie mir darauf eine Antwort geben.

Sehr geehrter Herr Holtschke,

für Ihre Frage und das Vertrauen danke ich Ihnen. Da ich nicht weiß, wie Sie Ihren "gefestigten Atheismus" leben, bin ich zunächst ratlos, denn Sie fragen nach diesem Gott mit dessen Existenz Sie nicht rechnen. Meine Antwort allerdings rechnet mit einem Gott, aber Sie werden Sie in den kommenden Sätzen das Wort "Gott" vergeblich suchen. 

Es ist der Mensch, der andere Menschen quält, tötet, Verbrechen ausübt, Kriminelle ungestraft davon kommen lässt, der die Zehn Gebote verachtet, sie sogar mit Füßen tritt. Wenn Menschen andere Menschen mit Krieg, Streit, Gewalt überziehen, dann hat nur einer die Verantwortung dieses selbst verursachte Elend zu beenden: Der Mensch. Das gilt auch für sie Folgen sexualisierter Gewalt in der Kirche. Nur Anerkennung erlittenen Leides wird aus dieser mit Schuld beladenen Situation heraushelfen. Man kann nur sagen: Mensch trage deine Verantwortung, sei schuldbewusst, sei bereit zur Veränderung, sieh hin, und tue, was das Zusammenleben fördert. Mensch sei human!

Sodom und Gomorra braucht die Menschheit nicht, sie braucht Menschen, die Unrecht, Verbrechen, Krieg und Leid abwenden. 

Gott für Dinge verantwortlich zu machen, die wir Menschen sofort ändern könnten, entmündigt den Menschen. Es geht darum, wer hier zuständig ist. In all den Beispielen, die Sie nennen, liegt die Zuständigkeit bei den Menschen. Oder: Mit einer Portion Humanität ließe sich viel Leid verhindern. 

Ich danke Ihnen für das Bündel an Fragen, die Sie hier aufwerfen und beschränke mich auf diese Antwort, die den Atheismus keineswegs widerlegen, sondern das Humane groß machen will.

Freundlich grüßt Ihr Henning Kiene 

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