Unsicher im Gottesdienst: Beleidigt das Gott?

Luna
Junge Frau schaut fragend nach oben in einer Kirche
© Getty Images/iStockphoto/Capuski

Liebes Team, 

ich habe gerade ihre Seite entdeckt und möchte mich zuerst bedanken, weil ich mir beim Durchlesen früherer Einträge wegen ihren tollen Erklärungen schon viele Fragen beantworten konnte. Ich bin sechzehn Jahre alt und ich und meine Familie haben nie an Gott geglaubt, weswegen ich auch die Konfirmation nicht gemacht habe, aber in den letzten Monaten habe ich angefangen, die Bibel zu lesen und versuche, sie zu verstehen, weil ich einen Glauben entwickelt habe. Meine Frage ist, ob ich unkonfirmiert und mit wenig Wissen und Sicherheit in einen Gottesdienst kommen kann, oder ob das eventuell eine Beleidigung gegenüber Gott sein könnte. 

Vielen Dank für ihre Hilfe, Luna

Liebe Luna,

wie schön, dass du unsere Seite für dich entdeckt hast, und noch viel schöner, dass du die Bibel für dich gefunden hast. Es ist einfach großartig, dass du für dich den Glauben entdeckt hast! In einem Umfeld aufzuwachsen, das keinen Bezug zu Gott hat, und dann aus eigenem Antrieb anzufangen, in der Bibel zu lesen – das erfordert Mut und echte Neugier. Respekt dafür!

Um deine Frage direkt und ganz klar zu beantworten: Nein, es ist absolut keine Beleidigung gegenüber Gott, wenn du unkonfirmiert und mit deinen Fragen einen Gottesdienst besuchst. Ganz im Gegenteil!

Gott freut sich über jeden Menschen, der sich auf den Weg zu ihm macht. Die Kirche und der Gottesdienst sind keine Clubs für „Perfekte“, die schon alles wissen und sich ganz sicher sind. Sie sind Orte für Suchende, für Fragende und für alle, die Gott begegnen möchten. Du brauchst also überhaupt kein schlechtes Gewissen zu haben.

Sieh deinen Glauben am besten wie eine spannende Entdeckungsreise. Auf einer Reise weiß man vorher auch nicht, was hinter der nächsten Kurve kommt, und ich finde, genau das macht es so faszinierend.

Mit dem Glauben wird man im Leben niemals ganz „fertig“. Selbst Pfarrerinnen, Pfarrer und Menschen, die schon seit vielen Jahrzehnten glauben, entdecken in der Bibel immer wieder neue Dinge, zweifeln mal oder haben plötzlich ganz neue Fragen. Dass du noch Unsicherheiten hast, ist also völlig normal und gehört zum Glauben einfach dazu.

Ein paar praktische Tipps für deine Entdeckungsreise will ich Dir noch mitgeben:

  • Frag nach dem Ablauf eines Gottesdienstes: Wenn du in die Kirche gehst, bekommst du meistens am Eingang ein Gesangbuch oder ein Infoblatt. Frag die Menschen, die dort die Bücher verteilen, ruhig nach dem Ablauf des Gottesdienstes – in der Fachsprache nennen wir das Liturgie. Das hilft dir, dich während des Gottesdienstes zu orientieren, wenn gesungen, gebetet oder aufgestanden wird.
  • Keine Sorge wegen der fehlenden Taufe oder Konfirmation: Weil du nicht konfirmiert bist, bist du vermutlich auch noch nicht getauft. Das ist überhaupt kein Problem! Du darfst selbstverständlich trotzdem am Gottesdienst teilnehmen. Die Taufe ist kein Einlassgeheimnis, sondern ein Geschenk. Wenn du magst, kann sie irgendwann ein wunderbarer Schritt auf deinem Weg sein – aber alles zu seiner Zeit.
  • Such das Gespräch und stell Fragen: Du musst deinen Glauben nicht alleine entdecken. Such nach dem Gottesdienst oder unter der Woche ruhig einmal das Gespräch mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer vor Ort. Keine Sorge: Sie beißen nicht! Sie sind genau dafür da, um mit Menschen über den Glauben zu sprechen, und freuen sich riesig über Jugendliche, die ehrliche Fragen stellen.

Geh einfach hin, setz dich in eine Bank, lass die Musik und die Worte auf dich wirken und schau, was es mit dir macht. Du bist herzlich willkommen – genau so, wie du bist.

Gottes Segen für deine Entdeckungsreise, wünscht Dir

Philipp Raekow

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