Intimes Leben - was bedeutet Hurerei und warum kommen solche Menschen nicht in den Himmel?

Janzen
Was bedeutet Hurerei und warum kommen solche Menschen nicht in den Himmel?

Hallo lieber Janzen,

nun habe ich einige Tage über Ihre Frage nachgedacht und eine Antwort immer wieder vor mir hergeschoben. Denn meine Gegenfrage an Sie bleibt - wir laden ja nicht zur Diskussion ein - normalerweise ungestellt. Ich will Ihnen meine Gegenfrage aber trotzdem einmal aufschreiben und meine Antwort auch: Woher nehmen Sie die Sicherheit, dass "solche Menschen" nicht in den Himmel kommen? 

Vielleicht ist das mit dem Himmel ganz anders, als wir uns das in unserer Phantasie ausmalen. Ich gehe davon aus, dass dort weniger Strafgericht stattfindet als man üblicherweise denkt. Ich rechne damit, dass ein Gnadengericht abgehalten werden wird. In jedem Fall rechne ich mit kräftigen Überraschungen in Sachen Himmel. Vielleicht so: Jesus erzählt von einem Zöllner, also einem Sünder der Extraklasse, der im Tempel betet und "gerechtfertigt" den Tempel verlässt. Jesus überrascht fromme Menschen mit der etwas anderen Perspektive, die er selbst schafft.  Das Evangelium ist voll solcher  Aussagen über den Himmel und ausgerechnet der Übeltäter, der neben Jesus am Kreuz hingerichtet wird, hört Jesu Ankündigung: "Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein." (Lukas 23,43) Mehr Trost für einen elend sterbenden Verbrecher gibt es nicht. 

Sie fragen aber nach dem Begriff "Hurerei". Da ist Jesus eindeutig. Ehebruch kommt nicht in Frage: Matthäus 5,28. Aber sexuelles Begehren ist erlaubt. Kontrolle des eigenen Begehrens ist aber geboten. Es gibt einen herausragenden Beitrag zum Thema Sexualität im Neuen Testament von William Loader, der alle Aspekte zu diesem Thema betrachtet. Hoffentlich mögen Sie das lesen. Und es gibt eine evangelische Grundhaltung: Das Miteinander von Menschen kann nur dann gelingen, wenn unsere Beziehungen verlässlich sind, Menschen einander vertrauen und verantwortungsvoll miteinander umgehen. Wo das gelingt, ist jede Hurerei fern. Und das gehört zur christlichen Sexualethik: Nur ein "Ja" ist wirklich ein "Ja". 

Nun habe ich Ihre Frage in zwei Fragen aufgegliedert: Die Frage nach dem Himmel fragt in Richtung Ewigkeit. Die Frage nach der Sexualität fragt nach dem Heute. Und beide Fragen zusammengenommen münden in einer Antwort, die Jesus selbst mit dem Gleichnis von dem verlorenen Schaf gibt. Der Mensch sucht dieses eine verlorene Schaf und lässt die 99 Schafe, die sich nicht verirrt haben, auf dem Berg zurück. Er scheut das Risiko nicht, um das eine Verirrte zu suchen. Und dann schließt Jesus mit einem bemerkenswerten Satz: "So ist’s auch nicht der Wille bei eurem Vater im Himmel, dass auch nur eines von diesen Kleinen verloren werde." (Matthäus 18,10-14) Mehr Zuversicht geht nicht: Gott sucht das Heil eines jeden Menschen, gibt uns nicht verloren. 

Ich danke Ihnen für Ihre Geduld, Ihr Henning Kiene 

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