Beten und Kinderwunsch

Gefragt von Lorena
Kinderwunsch

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Als ich 17 war wurde ich vergewaltigt. Ich habe Tag und Nacht darum gebetet, dass ich bitte niemals schwanger werde. Ich habe gebetet und gebetet und gebetet. Ich war auch nicht schwanger. Jetzt, 13 Jahre später, habe ich einen Mann und wir wünschen uns nichts sehnlicher als Kinder. Es klappt aus medizinischen Gründen nicht. Auch alle Versuche in Kliniken etc. scheiterten. Ich werfe mir vor, dass ich damals gebetet habe. Ich traue mich mittlerweile nicht mehr in die Kirche zu gehen, da ich Angst habe, dass es falsch ist. Ich habe Angst meine Gebete umzukehren, Angst um etwas zu bitten. Ich habe versucht in der Bibel zu lesen, wollte herausfinden, was ich tun kann. Aber ich habe es nicht geschafft eine passende Stelle zu finden. Wo fängt Vergebung an und wo hört sie auf? Wann ist ein Wunsch egoistisch und wann hat man das Recht ihn auszusprechen. Ich bete nach wie vor. Aber nicht mehr mich betreffend. Für andere Menschen, zum Dank, usw.
Ich würde gerne eine Stelle lesen, die zu der Thematik passt.
Kennen Sie eine?

Liebe Lorena,

vielen Dank für Ihr Vertrauen. Sie schreiben, dass sie gebetet haben, dass sie niemals schwanger werden. Vor allem nicht durch die Vergewaltigung. Es ist absolut nachvollziehbar, nach einem solchen Ereignis Gott darum zu bitten, dass man nicht schwanger wird. Ich hoffe Sie hatten damals Menschen um sich, die für Sie da waren.

Ich lese auch, dass sie einen Menschen gefunden haben, der sie liebt. Dem sie vertrauen und den sie lieben. Das ist nach dem Erlebnis im jungen Erwachsenenalter wundervoll.

Sie schreiben, dass sie sich Kinder wünschen, es aber nicht klappt. Und, dass sie sich Vorwürfe machen, weil sie damals darum gebeten haben nicht schwanger zu werden. Und es ist auch menschlich, dass sie sich jetzt Gedanken machen, dass sie verantwortlich für die Kinderlosigkeit sein könnten. Solche Gefühle können stark sein.

Sie schreiben, dass Sie beten. Es ist gut, in solchen Situationen mit Gott in Kontakt zu sein. Ich glaube daran, dass wir Gott genau diese Angst und solche Gedanken, die sie sich machen, anvertrauen können. In einem Gebet können Sie Gott auch sagen, dass sie sich nicht trauen, wie sie es schreiben, das „Gebet umzukehren“, also jetzt um ein Kind zu bitten.

Gott sagt uns, dass wir ihm alles im Gebet sagen dürfen. Gott erfüllt Wünsche nicht immer so, wie Menschen sich das vorstellen. Doch wir dürfen alles aussprechen. Auch, dass sie sich ein Kind wünschen. Dass Sie Ihre momentan Situation belastet. Und ja, Sie dürfen auch für sich beten. Sie dürfen wütend sein, Dank, Freude und Sorgen aussprechen, weinen und nachdenklich sein. 

In der Bibel steht: "Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet." (Römerbrief 12,12) und "Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen." (Psalm 145, 18) und Als mir angst war, rief ich den HERRN an und schrie zu meinem Gott.
Da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel,und mein Schreien kam vor ihn zu seinen Ohren." (Psalm 18,7).

Wenn für Sie eine Kirche momentan kein Ort ist, an dem sie sich mit ihren Gedanken und Ängsten wohlfühlen, dann suchen Sie sich einen Ort, einen Menschen, an dem sie sich sicher und geborgen fühlen. Und es gibt auch Zeiten, in denen einem das Beten schwerfällt. Sie können auch andere Menschen bitten mit Ihnen oder für Sie zu beten, wenn es ihnen schwerfällt.

Sie fragen, wo Vergebung anfängt und aufhört. Diese Frage stellen sich viele Menschen. Jemanden zu vergeben ist schwer. Auch sich selbst. Christen glauben dass ihnen vergeben ist. Das bedeutet, dass Sie keine Sorge haben müssen, dass Sie vor Gott schlecht dastehen. Gott liebt die Menschen so wie sie sind. Wir aber sind Menschen. Es gibt Erlebnisse, die es schwer machen zu vergeben. Und manchmal ist es am allerschwersten sich selbst zu vergeben. Auch das kann vor Gott ausgesprochen werden. Oder mit anderen Menschen besprochen.

Die Bibel spricht oft von Vergebung. Über eine dieser Stellen gibt es ein LIed "Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!  Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen." (Micha 7,18 und 19).

Sie haben ja geschrieben, dass sie einen Partner haben. Ich spüre, dass Sie Vertrauen zu ihm haben. Trotz aller Erlebnisse. Es ist ok Menschen, denen wir vertrauen um Unterstützung zu bitten. Seien sie liebevoll zu sich selbst. Und ja, sie dürfen über alles mit Gott sprechen.

Es grüßt Sie herzlich,

Michaela Jecht

 

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