Bin ich vom Bösen besessen?

Großer kleiner
Schatten von einem Dämon hinter einem Mann, der sich schützt
© Getty Images/iStockphoto/PeopleImages

Hallo liebes Evangelisch-Team,

ich habe eine ernste Frage, die mir Angst und Panik bereitet. Ich habe in einer Fernsehsendung gesehen, wie eine Frau morgens immer wieder erwachte und Kratzer auf dem Rücken hatte. Die Moderation sagte dazu, dass sich das in Amerika zugetragen haben soll. Der Sprecher erzählte, dass diese Frau von Dämonen gequält wurde und daher die Kratzer kamen.

Meine Frage dazu: Ist das wirklich möglich? Seitdem ich das gesehen habe, denke ich, dass ich vom Bösen besessen bin und kein richtiger Christ mehr sein kann. Ich bin allerdings in der Kirche aktiv unterwegs und habe auch schon meiner Mutter davon erzählt. Sie sagte, ich soll mir nichts einreden. Die TV-Sendung hieß „Ruhelose Seelen“ auf TLC.

Großer kleiner,

was du in dieser Sendung gesehen hast, ist vor allem eines: eine spannende Geschichte, die unterhalten soll, indem sie Angst macht. Solche Formate leben davon, dass sie uns das Gefühl geben, es könnte mehr zwischen Himmel und Erde geben, als wir ahnen – und dass dieses „Mehr“ bedrohlich ist. Aber frag dich: Wer profitiert davon, dass wir Angst haben? Nicht du.

Kratzer am Morgen können viele Ursachen haben: ein unruhiger Schlaf, eine Allergie, vielleicht sogar eine unbewusste Reaktion auf Stress. Dass eine Frau in einer TV-Sendung Kratzer hat und das mit Dämonen erklärt wird, sagt erstmal mehr über die Sendung aus als über die Realität. Dämonen sind ein alter Versuch, sich Krankheiten und Verhaltensweisen zu erklären, für die man keine andere Erklärung hatte. In biblischen Zeiten waren sie so „real“ wie für uns heute Viren und Gene. Die Bibel erzählt von Dämonen und Besessenheit, weil sie von Menschen handelt, die in Not sind und sich nicht helfen können. Und was machte Jesus? Er hat ihnen geholfen – und genau das ist der Punkt.

Übrigens: Von diesen Menschen wird erzählt, dass sie von Dämonen besessen seien, nicht von „dem Bösen“. Dämonen hat man sich wie Krankheiten vorgestellt, nicht wie den Teufel oder das Böse schlechthin. Die kommen und können auch gehen. Du bist weder von Dämonen noch vom Bösen besessen. Du machst dir lediglich Sorgen. Deine Mutter hat dir schon gesagt, dass du dir nichts einreden sollst – und ich schließe mich dem an.

Der Glaube, den wir leben, ist einer der Liebe, der Hoffnung und der Gemeinschaft. Angst und Zweifel gehören zwar zum Menschsein dazu, aber sie definieren nicht, wer wir sind oder wie Gott uns sieht. Also atme tief durch. Du bist nicht besessen, und du bist nicht allein. Und wenn dich diese Gedanken weiter belasten, sprich mit jemandem aus deiner Gemeinde, dem du vertraust. Manchmal hilft es schon, die Ängste auszusprechen – und sich klarzumachen, dass du geborgen bist.

Liebe Grüße

Frank Muchlinsky

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