Hallo, seit heute lebt die Erde auf "Pump" was die Ressourcen betrifft. Meine Frage ist ob es christlich ist, trotzdem einfach so weiter zu verbrauchen als ob alles für ewig da wäre? Und ob man selbst überhaupt ein Recht darauf hat zu Gott zu kommen, wenn man verschwenderisch ist und sagt "ich möchte auch leben" und nicht auf andere Generationen achtet,die kommen?
Lieber Mountainbiker 85,
vielen Dank für Ihre Frage, die ein wichtiges Thema aufgreift. Seit dem 30. Juli 2026 lebt die Erde „auf Pump". Die Menschheit hat alle natürlichen Ressourcen verbraucht, die unser Planet innerhalb eines Jahres erneuern kann. Der sogenannte „Earth Overshoot Day" (Erdüberlastungstag) markiert diesen Tag – und er rückt jedes Jahr weiter nach vorne. Das ist besorgniserregend.
Für Deutschland gilt diese Rechnung noch drastischer: Hier sind die Ressourcen bereits am 10. Mai 2026 aufgebraucht. Ab diesem Tag leben wir in Deutschland auf Kosten anderer Länder und künftiger Generationen. Würden alle Menschen so leben wie wir Deutschen, bräuchten wir fast drei Erden.
In Ihrer Frage stecken für mich zwei Aspekte: Zum einen die Frage: Darf ich einfach so weiterleben, als wäre alles unendlich da? Und zum anderen: Bin ich noch willkommen bei Gott, wenn ich sage: „Ich möchte auch leben"?
Die Erde gehört nicht uns
Die Bibel beginnt mit einer klaren Ansage: Gott hat die Welt geschaffen, und er hat sie dem Menschen anvertraut. In 1. Mose 2,15 heißt es: „Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte."
Zwei Worte sind hier wichtig: "bebauen" und "bewahren". Der Mensch soll die Erde nutzen, ja. Aber er soll sie auch schützen – wir haben eine Verantwortung für die Schöpfung. Das hebräische Wort für „bewahren" (שמר - schamar) bedeutet so viel wie „hüten" oder „achtgeben". Wir sind nicht Eigentümer der Schöpfung, sondern Verwalter.
Der Mensch ist als Ebenbild Gottes berufen, die Erde treuhänderisch zu verwalten – nicht auszubeuten. Das hat Konsequenzen: Wenn ich Ressourcen verbrauche, als gäbe es kein Morgen, handle ich nicht im Sinne dieses Auftrags. Denn ich nehme künftigen Generationen das, was Gott ihnen ebenfalls anvertraut hat. Die Kirchen sprechen hier von „intergenerationeller Gerechtigkeit" – also der Verantwortung gegenüber denen, die nach uns kommen.
Trotzdem hört man öfter den Satz „Ich möchte auch leben" und mich gerade nicht beschränken. Und eigentlich ist daran ja erstmal nichts falsch. Gott will, dass wir leben! Jesus sagt in Johannes 10,10: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben."
Das Problem ist nicht das Leben an sich, auch nicht das Leben in Fülle, sondern das Leben auf Kosten anderer. Die Bibel ruft zur Nächstenliebe auf – und das schließt Menschen ein, die noch gar nicht geboren sind. Wenn mein Lebensstil die Lebensgrundlage von anderen Menschen zerstört – ob von nachfolgenden Generationen oder in anderen Regionen – dann ist das keine Fülle im biblischen Sinn.
Wohlstandstreben ist nach christlichem Verständnis nicht verwerflich. Es ist legitim, die Ressourcen der Erde in gewissem Maße zu nutzen – nicht aber maßlos auszubeuten. Die Ressourcen sind so zu verwenden, dass alle Menschen an ihnen teilhaben können – dies gilt sowohl global als auch mit Blick auf kommende Generationen.
Habe ich ein Recht darauf, zu Gott zu kommen?
Aber Sie fragen ganz zurecht weiter: Was ist, wenn mich das alles nicht kümmert und ich weiterhin verschwenderisch lebe? Habe ich dann überhaupt ein Recht darauf, zu Gott zu kommen?
Die ehrliche Antwort ist: Nein, ein Recht haben wir nicht, aber wir können es trotzdem. Niemand kann sich den Zugang zu Gott verdienen oder erzwingen. Wenn Gerechtigkeit nach Leistung ginge, müssten wir alle draußenbleiben.
Aber das Evangelium ist genau dafür da: Es ist ein Geschenk, das wir nicht verdienen müssen. Gott macht seine Zuwendung nicht von unserer Perfektion abhängig. Im Gegenteil: Jesus ist für Sünder gestorben, nicht für die Makellosen.
Das ist kein Freibrief, sondern ein Angebot. Wer merkt: „So wie ich lebe, ist es nicht richtig", ist schon auf einem guten Weg. Gott lädt alle ein – gerade die, die wissen, dass sie scheitern.
Trotzdem: Die Gnade Gottes ist kostenlos, aber nicht billig. Dietrich Bonhoeffer hat das so formuliert: „Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche." Gnade ist ein Geschenk, das uns frei macht – auch zur Veränderung. Wenn ich wirklich begreife, dass Gott diese Welt liebt und mir anvertraut hat, dann wird sich etwas bewegen. Nicht aus Pflicht, sondern aus Dankbarkeit.
Das muss nicht perfekt sein. Alleine werden wir nicht die Welt retten können. Niemand muss morgen in einer Jurte wohnen und nur noch Regenwasser trinken. Aber wer seine Ressourcenverschwendung ernst nimmt, wird nach Wegen suchen: bewusster konsumieren, weniger wegwerfen, nach Alternativen schauen. Und vor allem: Gott um Weisheit bitten.
Ich hoffe, Ihre Frage bewegt noch andere Menschen dazu, dasselbe zu tun.
Hoffnungsvolle Grüße
Ihr Philipp Raekow