Gottesdienst oder doch eher nicht?

Gefragt von Susanne

Hallo, Herr Muchlinsky,

ich habe schon wieder eine Frage. Ja, Fragen habe ich schon immer sehr viele gehabt. Besonders im theologischen und kirchlichen Bereich. Darum bin ich froh, dass evangelisch.de diese Seite eingerichtet hat, wo man seine Fragen loswerden kann, wo die Fragen beantwortet und nicht als "dumme Frage" abgetan werden. Dafür an dieser Stelle meinen besonderen Dank. Die Möglichkeit, hier Fragen rund um Kirche, Glauben, Theologie stellen zu können, hat meinen Frust über die Schließung der Community bei evangelisch.de weitestgehend verschwinden lassen.

Und nun zu meiner Frage:

Der ZDF-Fernsehgottesdienst am heutigen Sonntag wurde aus einer Pfingstgemeinde übertragen. Die Übertragung hat mir eigentlich gut gefallen und doch hat der Gottesdienst, obwohl ich solche Gottesdienste schon hin und wieder miterlebt habe, wieder befremdend auf mich gewirkt. Als die Gemeinde gesungen hat, hüpften einige junge Gottesdienstbesucher auf ihrem Platz herum, während der Predigt wurde Applaus geklatscht, zum Abschluss der Übertragung wurden diejenigen aus der Gemeinde, die es wollten, nach vorne gebeten u.s.w. Ich hatte eher das Gefühl an einer Evangelisation teilzunehmen, als an einem Gottesdienst.

Wann ist ein Gottesdienst auch wirklich ein Gottesdienst? Wann handelt es sich eher um eine sonstige christliche Veranstaltung?

Herzliche Grüße

Susanne

Liebe Susanne,

zunächst einmal herzlichen Dank für das liebe Lob! Ich habe das Ende der Community auch bedauert, und ich hoffte sehr, dass diese Seiten mit den Fragen eine Möglichkeit sein könnte, das Gespräch über die vielen kirchlichen und Glaubens-Themen weiterführen zu können. Darum freut es mich, dass Sie mit Ihren spannenden Fragen so rege dabei sind!

Nun aber zu Ihrer Frage:

Ein christlicher Gottesdienst ist – um es einmal mit einer allgemeinen Definition zu versuchen – die Zusammenkunft von Menschen im Namen des dreieinigen Gottes, bei der das Evangelium gehört, der Glaube bekannt und das Vaterunser gebetet werden. Diese „Zutaten“ reichen, um einen „gültigen“ Gottesdienst zu machen.

Welche weiteren Zutaten Sie noch diesem „Grundrezept“ beifügen ist – ebenso wie die Ausgestaltung der hier genannten Zutaten dem Geschmack derer überlassen, die da zusammen feiern.

Wenn man bestimmte Gottesdienstformen nicht gewohnt ist, stellt sich schnell ein Gefühl der Fremdheit ein. Das ist völlig normal, ändert aber nichts an der Tatsache, dass hier durchaus Gottesdienst gefeiert wird. Es mag uns zu überschwänglich sein oder zu „Show-artig“ – letztlich ist das eine Frage des persönlichen Geschmacks und der Gewohnheit.

Außerdem: Geschmack ist ja auch nichts, was man sein Leben lang in der gleichen Weise behält. Was man früher mochte, kann heute nicht mehr schmecken oder umgekehrt. Und bestimmte Zutaten kann man sich ja abgucken. Warum nicht einmal einen deutschen Sonntagsbraten mit indischem Curry würzen. Es muss nicht allen schmecken. Und wir müssen – zum Glück – auch nicht jeden Teller leer essen.

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

Fragen zum Thema