Abendmahl - die Einsetzungsworte

gestellt von Siezen am 26. Juni 2012

Die Einladungsworte: „Nehmet, esset, das ist mein Leib ... das ist mein Blut...“ k a n n Jesus nicht gesagt haben, denn er war ein frommer Jude; und Juden trinken kein Blut. Zweitens: Seit der "Nichtopferung" Isaaks gibt es kein Menschenopfer mehr bei den Israeliten!

Ich höre in Gesprächen immer nur den Hinweis auf die Konservativen Gemeindeglieder, denen man in dieser Hinsicht nichts anbieten kann, ohne sie in ihrem Glauben zu erschüttern. Ich bin "25 vorbei", im Klartext: 80 Jahre alt. Ich frage im 21. Jahrhundert und möchte keine Antwort aus dem Mittelalter bekommen. Ich bin aufsässig, gell? Fühle mich aber von Gottes Geist umgeben.

Danke für Ihre Mühe. Sigrid Siezen

Liebe Frau Siezen,

danke für Ihre „aufsässigen“ Fragen! Ich will Ihnen gern eine Antwort geben, die dem 21. Jahrhundert angemessen ist.

Die Einsetzungsworte, die wir zum Abendmahl sprechen, stammen aus dem Lukasevangelium bzw. aus dem 1. Korintherbrief. Dort sagt Jesus: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird!“ (Lk 22,20) bzw. (nach Paulus zitiert): „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut.“ (1. Kor 11,25). Jesus und seine Jünger aßen Brot und sie tranken Wein – eine für fromme Juden ausgesprochen übliche Sitte zum Pessach- (Passah-) Fest. An den ersten Abenden des Festes wird zu Hause die sogenannte „Sederfeier“ begangen – ein Abendmahl, bei dem stets Brot und Wein vorkommen. (Wenn Sie hierzu mehr erfahren wollen, klicken Sie auf diesen LINK)

In dem Abendmahl, das Jesus mit den Jüngern feiert, bekommen die Symbole Brot und Wein aus der jüdischen Liturgie durch Jesus eine neue Bedeutung. Er kündigt an, dass sein Leib hingegeben wird und sein Blut vergossen wird. So schließt Gott einen neuen Bund mit den Menschen, so wie er das mit den Israeliten bereits am Berg Sinai getan hatte. (Ab 2. Mose 19)

Der Kelch und das Brot aus der Sederfeier bekommen in diesem Augenblick von Jesus eine neue Bedeutung. Sie sind Symbole für seinen Tod und dadurch nach christlichem Verständnis für die Erlösung der Menschheit.

Zu Ihrem zweiten Argument: Es ist eine populäre Ansicht, dass in der Geschichte von der (Fast-)Opferung Isaaks (Gen 22) vom End der Menschenopferung in Israel erzählt wird. Ich selbst teile diese Ansicht nicht. Es gibt keinerlei Hinweise – weder biblisch noch außerbiblisch –, dass es jemals Menschenopfer in Israel gab. Wie auch immer: Wie oben schon erwähnt, ist das, was Jesus im Abendmahl mit seinen Jüngern tut ein Symbol, eine Zeichenhandlung – im Gegensatz zu einer realen Handlung. Er opfert sich an diesem Abend nicht und gibt den Jüngern sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken. Vielmehr spricht er von seinem Tod, den man theologisch (!) durchaus als Opfer verstehen kann. Diese theologische Idee vom Opfertod Christi ist besonders ausführlich von Anselm von Canterbury dargelegt worden, aber damit wären wir ja im Mittelalter, und da wollten Sie ja nicht hin. Bleiben wir also auf der Ebene des biblischen Textes. Bei der Einsetzung des Abendmahls durch Jesus, wie es die Bibel berichtet, ist an keiner Stelle von einem Opfer die Rede.

Zusammenfassend kann man also sagen: Sowohl die Aussage, dass der Wein Blut ist als auch dass der Tod Jesu ein Opfer ist, gehen nicht auf Jesus zurück, sondern es sind theologische Aussagen. Darum kann Jesus durchaus gesagt haben: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird“ und „Dieser Kelch ist der neue Bund1 in meinem Blut, das für euch vergossen wird!“

In der Überzeugung, dass der Geist Sie auch weiterhin umgibt, grüße ich Sie herzlich!

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Bezgl. der ‚transsubstantiatio‘ möchte ich sagen: Die Worte ‚hoc est enim corpus meum‘ wurden von Calvin erstmals anders, nicht mehr wörtlich, interpretiert. Nicht mehr ‚hoc est‘, sondern ‚hoc significat‘ (= das bedeutet). Das gefällt uns heute doch besser!
Habe noch eine Frage zu der ‚Ganztodtheorie‘ nach Karl Barth: Wie ist das, setzt die evangelische Kirche neuerdings ganz auf diese unbiblische Theorie, auch ‚Mortalitätslehre‘ oder für Lutheraner ‚Seelenschlaf‘ genannt, welche Calvin in seiner ‚Psychopannychia‘ ablehnte? Für mich wurde der Besuch bei meinem evangelischen Pfarrer kurz nach dem Tode meiner Eltern eine häßliche Erfahrung, denn die Eltern existierten nach des Pfarrers Meinung nicht mehr. Ich war ganz geschockt. Schließlich ist ja auch Gott Geist. Wie kann Gott als Geist existieren, wenn ein Geist nur in einem Körper existieren könne, wie Karl Barth wohl gemeint hat?

1. Das Wort "Ist" gibt es im Hebräischen und Aramäischen nicht.
2. Becher und Brot sind "Zeichen". die soll ich verstehen als Zeichen der Liebe
Gottes.
3. "Mein Leib" = ich - "mein Blut" = mein Leben

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