Ist Gott blutrünstig?

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Opferlamm
Getty Images/iStockphoto/Ulrike Leone

Warum braucht es Blut von Tieren als Opfer? Ist Gott deshalb ein blutrünstiger Gott, der sich am Blut von Tieren erfreut?

Hallo Seong!

In der Bibel stehen viele Vorschriften dafür, wie man Gott opfern soll. Und das Blut spielt dabei häufig eine Rolle. Aber lassen Sie mich Schritt für Schritt vorgehen.

Zunächst einmal zum Opfer selbst. Für die Menschen zu biblischen Zeiten war es selbstverständlich, Ihren Göttern ein Opfer zu bringen. Die meisten Opfer waren Dankopfer. Gott schenkt Leben, Ernte, Jagdglück, also gibt man etwas davon zurück. Davon wird bereits in der Geschichte von Kain und Abel erzählt. (1. Mose 4,3-4) Beide Brüder bringen Gott ein Opfer dar: Der Feldbauer opfert Früchte, der Schäfer opfert ein Schaf.

Später in der Bibel werden die Vorschriften für die Opfer genauer bestimmt, und dabei spielt eine Vorstellung eine wichtige Rolle: Das Leben eines Menschen und eines Tieres steckt im Blut. „Des Leibes Leben ist in seinem Blut“, heißt es wörtlich in 3. Mose 17,14. Darum muss auch ein Tier, das geschlachtet wird, und das man essen will, vollständig ausbluten, bevor man es zubereitet: „Ich (also Gott) habe den Israeliten gesagt: Ihr sollt keines Leibes Blut essen; denn des Leibes Leben ist in seinem Blut“, heißt es im gleichen Vers. Das Blut ist also Träger des Lebens, was auch dazu führt, dass – nach biblischem Verständnis – Pflanzen in diesem Sinne keine Lebewesen sind. In diesem Sinne ist ein Tieropfer also „wertvoller“ als eines aus Pflanzen.

Die Vorschriften für die Opfer sagen in den meisten Fällen, dass das Tier also zunächst geschächtet wird, das bedeutet, dass es all sein Blut verliert. Das Blut wird aber meistens nicht weiter für das Opfer verwendet, sondern von den Priestern an Fuß des Opferaltars ausgegossen. Das Blut selbst wird also nicht geopfert.

Lediglich beim sogenannten „Sündopfer“ zu Jom Kippur wurde im Tempel etwas von dem Blut des Opfertiers auf bestimmte Teile des Allerheiligsten gesprengt. Häufiger kommt es vor, dass bei verschiedenen Ritualen Menschen mit dem Blut des Opfertiers besprengt werden. Das mag uns heute sehr merkwürdig oder auch eklig erscheinen, aber es hat eben damit zu tun, dass in dem Blut eben das Leben steckt. Die Menschen, auf die das Blut trifft, empfangen also Leben. So ist die Vorstellung, die hinter diesem Ritus steckt.

Auch beim Bundesschluss zwischen Gott und seinem Volk Israel besprengt Mose die Israeliten mit dem Blut der Opfertiere (2. Mose 24,8). All diese Vorstellungen spielen schließlich eine Rolle in der Vorstellung davon, was im Abendmahl geschieht: Ein Bund, der geschlossen wird, ein Opfer, Sündenvergebung, (ewiges) Leben. (Markus 14,23-24)

Ist Gott also blutrünstig? Ich würde es nicht so nennen. Aber vielleicht sehen Sie das anders. Dies sind auf jeden Fall die Hintergründe.

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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