Heidnische Götzen als Tattoo-Motive?

Luis F.
Die Göttin der Freiheit, Helvetia
Arnold Böcklin /Wikimedia Commons

Hallo Zusammen, erstmal möchte ich sagen, dass es eine ganz tolle Sache ist, dass es diese Seite gibt! Vielen Dank! Nun zu meiner Angelegenheit: Ich habe mich vor einigen Monaten tättowieren lassen. Dass Tattoos aus evangelischer Sicht unbedenklich sind, habe ich bereits in einer anderen Frage hier gelesen.

Was mich beschäftigt, ist das von mir gewählte Motiv: Da Freiheit einen hohen Stellenwert in meinem Leben hat, habe ich mir, zusammen mit einem Weißkopfseeadler, die Statue der römischen Göttin Libertas stechen lassen, welche als Personifikation der Freiheit galt und gilt. Auf ihr beruht auch die bekannte Freiheitsstatue in New York. Nach dem ich mich die letzen Tagen aus gegebenen Anlass etwas intensiver mit der Bibel beschäftigt habe, bin ich auf den Trichter gekommen, dass die Statue Libertas ja eigentlich eine heidnische Götze ist. Und auch wenn ich diese natürlich nicht anbete oder verehre (primär fand ich einfach die Statue schön und als Symbol passend, das Original steht auf einem Platz in Frankreich meine ich) stellt sich mir die Frage: Wie problematisch ist mein Tattoo aus religiöser Sicht? Sollte ich es mir gar entfernen lassen? Und wie lässt sich das auf das Thema 'heidnische Götzen' generell übertragen, wenn man bedenkt, dass antike Mythologien immer noch oft in unserem Leben anzutreffen sind, sei es in Kunst und Kultur, als Statuen auf öffentlichen Plätzen oder zum Beispiel auch als Abbild der Justitia in vielen deutschen Gerichtssälen.

Vielen Dank!

Lieber Luis F, 

vielen Dank für dein Lob für unser Angebot. Das tut gut zu hören. 

Zu Ihrer Frage: Da haben Sie eine Frage gestellt, die Menschen schon lange beschäftigt: Wie geht man mit nicht-christlichen Symbolen und Ritualen um? In den Zehn Geboten heißt es ja klar: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Die Sache scheint klar: Alle Götter und Götzen haben im Leben eines Christen nichts verloren. 

Ich glaube aber im Gegenteil, dass es gute Gründe gibt, aus einer evangelischen Perspektive gelassen auf dieses Thema zu schauen. Martin Luther hatte sich zu dem Thema auch schon Gedanken gemacht. Um die Frage zu beantworten, was es heißt keine anderen Götter neben Gott zu haben, hat er sich gefragt: "Was ist ein Gott". Seine Antwort ist simpel: Gott oder Götze ist für ihn das, worauf man sein ganzes Vertrauen setzt und ihm "von Herzen traut und glaubt" (Großer Katechismus – EKD). Das verschiebt die Perspektive: Es geht also beim ersten Gebot weniger darum, ob es andere Götter, wie z.B. die antiken griechischen Götter im Leben gibt. Vielmehr geht es um die Frage: Auf was setze ich mein Vertrauen? Von wem oder was erwarte ich, dass es meinem Leben Sinn gibt? Er hat das in einem Satz ganz prägnant auf den Punkt gebracht: "Worauf du nun [... dein Herz hängst und verlässest, das ist eigentlich dein Gott." Großer Katechismus – EKD). Aus dieser Perspektive sind es vermutlich weniger die griechischen antiken Götter, die dem ersten Gebot widersprechen, sondern viel mehr ganz alltägliche Dinge wie das Geld oder unserem Ansehen, dem wir mehr Vertrauen als nötig schenken. So hat das auch Luther gesehen: Der warnte auch davor, dass Geld oder, wie er sagt "der Mammon", zu einem Gott werden kann.

Wenn Ihr Tattoo also daran erinnert, wie wichtig Ihnen die Freiheit ist, scheint mir das aus evangelischer Perspektive völlig unproblematisch. Und das sagen Sie ja: Sie fanden die Statue schön und das Symbol passend. Und das, wofür ihr Symbol steht, nämlich die Freiheit, hat ja auch im evangelischen Glauben einen hohen Stellenwert. 

Paulus sagt im 1. Korintherbrief (in dem es übrigens auch um Ihre Frage geht): "Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten." Aus diesem Vers spricht eine ganz große Liebe zur Freiheit und vielleicht auch ein letzter Hinweis zu Ihrer Frage: Wenn Sie selbst den Eindruck haben, dass Ihr Tattoo nicht dem Guten dient, das heißt: Sie weiterhin beschäftigt und Sie sich nicht wohl damit zu fühlen, dann dient es nicht dem Guten und es ist eine Möglichkeit, es entfernen zu lassen. Wenn Sie sich aber eigentlich wohl damit fühlen, dann gilt das Pauluswort in diesem Fall auf jeden Fall: "Alles ist erlaubt."

Was für Ihr Tattoo gilt, das lässt sich natürlich auch auf die Symbole antiker Götter im öffentlichen Raum anwenden. Wir können mit einer großen Gelassenheit damit umgehen. Im schlimmsten Fall kann nämlich die Suche nach heidnischen Symbolen und die Vermeidung vermeintlich schädlicher Symbole selbst zum Götze werden. 

Ich würde sagen: Wenn Sie können, dann freuen Sie sich an Ihrem Tattoo und staunen über die Kunstfertigkeit antiker Götterstatuen und erfreuen sich an den guten Geschichten, die die griechische Götterwelt zu bieten hat. Die Freiheit haben wir als evangelische Christen. 

Viele Grüße,

Pfarrer Felix Weise

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