Entsprechen alle gesagten Sätze des Jesus der vollen Wahrheit?

gestellt von Wolfgang am 10. Juni 2013

Sehr geehrter Herr Muchlinsky,

entsprechen alle gesagten Sätze des Jesus der vollen Wahrheit? "Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen" Lukas 12 49 "Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden" Markus 16 Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden zu bringen. Nein, ich sage euch nicht Frieden, sondern Spaltung. Lukas12

Kommt wieder keine Antwort? Mit freundlichen Grüssen Wolfgang

Guten Tag Herr Schäfer,

 

gern beantworte ich Ihre Frage, die Sie an meinen Kollegen Frank Muchlinsky gestellt haben – auch wenn Ihr Statement zum Ausdruck bringt, dass Sie damit gar nicht rechnen. Und in der Tat sind das ja wirklich scheinbar un-glaub-liche Sätze, die da in der Bibel von Jesus überliefert sind, und die sich sperrig zu dem verhalten, was wir überwiegend über Jesus wissen und bekennen wollen.

 

Sie fragen, ob diese Sätze der „vollen Wahrheit“ entsprechen. Ich möchte Sie fragen: Gibt es eine „teilweise“ Wahrheit? Etwas ist wahr oder eben nicht. Es gibt kein Drittes. Entscheidend ist aber, in welchem Sinne wir etwas als wahr verstehen.

 

Ich verstehe Ihre Anfrage so, dass Sie gern wissen möchten, in welchem Sinne Jesus diese Worte gemeint haben könnte. Dem versuchen wir in der Theologie durch Auslegung auf die Spur zu kommen. Ich möchte Ihnen dies an Ihrem ersten Beispiel andeuten. Wer im Zusammenhang der jesuanischen Verkündigung vom „Feuer“ hört, der erinnert sich daran, dass Gott die Israeliten des Nachts durch die Wüste in Gestalt einer Feuersäule begleitet hat, dass Gott Mose im Dornbusch in einer Art Feuer erschienen ist. Das Zeichen „Feuer“ birgt Gotteserfahrung. In Jesus zeigt sich etwas von Gott. Und an Jesus scheiden sich die Geister: Es ist nicht egal, wie man sich zu Jesu Botschaft verhält. Feuer kann reinigen, es kann auch erhellen, es kann vernichten. Lukas berichtet seiner Gemeinde möglicherweise davon, weil die Menschen, die er vor Augen hat, genau dies erleben: Uns Menschen ist die Freiheit gegeben, dass wir uns zur Verkündigung des Evangeliums frei verhalten können. Und wie wir uns entscheiden, ist nicht ganz egal.

 

Auch andere Schriftsteller in der frühchristlichen Literatur haben das den Menschen überliefert. Die anderen Evangelien unserer Bibel schweigen dazu. Vielleicht war ihnen dieses Wort genauso anstößig wie Ihnen. Wer weiß. Wenn man das Wort in seinem Zusammenhang betrachtet, hatte der Lukasevangelist wohl den Heiligen Geist im Sinn, für den das Feuer ein Zeichen ist. Lukas erwähnt die Taufe und findet in ihr einen Bezugspunkt, um redlich, wahrhaft und für seine LeserInnen überzeugend vom richtenden Handeln Gottes zu sprechen. Andernfalls wären diese Worte wohl nicht weiter überliefert worden.

 

Freundlich grüßt

Friederike Erichsen-Wendt

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