Gibt es eine Hölle?

gestellt von Kathrin am 24. Juli 2014

Hallo Herr Muchlinsky,
im Freundeskreis haben wir über die Vorstellung der Hölle diskutiert. Ich vertrete die Meinung, dass ich mein Leben so ausrichte, wie es mit meinem christlichen Menschenbild vereinbar ist. Ich mache mir keine Sorgen darüber, ob ich in die Hölle komme, sondern vertraue auf die Liebe Gottes und darauf, dass er es gut mit uns meint. Der Einwand meiner Freundinnen: ich würde mir nur die Rosinen rauspicken... Was ist mit den Menschen, die Böses tun, fragen meine Freundinnen... Ich denke hierzu, dass Gott auch ihnen mit dem Angebot der Versöhnung begegnet und dass in der Konsequenz niemand in die Hölle kommt. Ich wehre mich dagegen, dass es ein Gut und ein Böse gibt ... eine rechte Tür zum Himmel und eine linke zur Hölle.
Stehe ich mit meiner Meinung allein??? Ist sie aus protestantischer Sicht zu rechtfertigen???

Besten Dank für Ihre Antwort. Ich freue mich.
Herzliche Grüße Kathrin.

Liebe Kathrin,

 

Die Diskussion, die Sie da mit Ihren Freundinnen führen, ist dieselbe, wie sie die Kirche immer wieder führt. Das Problem ist, dass es in der Bibel, also in der Grundlage unseres Glaubens, unterschiedliche Aussagen zu diesem Thema gibt. Es gibt ausgesprochen deutliche Worte von Jesus, die sagen, dass es am Ende der Zeit eine klare Trennung geben wird zwischen gerettet und verdammt. Ein sehr deutliches Beispiel ist die Rede in Matthäus 25, 31-46 Da wird das Weltgericht beschrieben, wo eindeutig zwischen "Schafen" und "Böcken" geschieden wird. Andererseits gibt es auch Stellen, die für eine "Allversöhnung" sprechen, also dafür, dass Gott restlos allen Menschen durch seinen Sohn Jesus Christus verzeiht. Hier kann man zum Beispiel Kolosser 1,15-20 heranziehen, wo es unter anderem heißt: " Denn es hat Gott wohlgefallen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte und er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz." Mit anderen Worten: Das, was Gott getan hat – nämlich sich mit allen zu versöhnen – gilt eben auch für wirklich alle Menschen.

 

Sie stehen also durchaus nicht allein mit Ihrer Meinung, ebenso wie Ihre Freundinnen viele andere haben, die derselben Meinung sind. Über die Frage wird gestritten, seit es die Kirche gibt, und man ist sich mittlerweile darüber einig, dass es vor allem auf das Gericht ankommt und nicht so sehr auf den Urteilsspruch. Das soll heißen: Christinnen und Christen glauben daran, dass wir uns am Ende aller Zeit vor unserem Gott stehen werden und für unser Leben Rechenschaft ablegen müssen – das Jüngste Gericht, also. Da niemand dort wirklich ganz ohne Sünden erscheinen wird, bleibt die Frage, was die Konsequenzen sind. Ich stelle es mir so vor, dass wir verstehen werden, was wir falsch gemacht haben und zwar auf eine Weise verstehen, die weit über das hinausgeht, was unser Verstand schafft. Vielleicht kennen Sie das ansatzweise aus Ihrem Leben, dass Sie sich so in jemanden hineinversetzen können, dass Sie beinahe spüre, was er oder sie gerade fühlt. Wenn das geschieht im Jüngsten Gericht, wenn wir tatsächlich vollständige fühlen und begreifen können, was unsere Handlungen ausgelöst haben, dann braucht es keine Trennung mehr.

 

Sie merken, persönlich bin ich also "auf Ihrer Seite" in dieser Diskussion, allerdings würde das natürlich auch bedeuten, dass wir nach dem Jüngsten Gericht auch die schlimmsten Verbrecher wiedersehen würden. Das ist für viele Menschen eine furchtbare Vorstellung.

 

Ich wünsche Ihnen weiterhin eine spannende Diskussion. Vielleicht haben Sie Lust, noch ein Gespräch zu diesem Thema zwischen mir und meinem Kollegen Claudius Grigat anzuhören. Dann klicken Sie gern hier.

 

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

Fragen zum Thema

Kommentare

Vielen Dank für diese objektive Erklärung zum Thema! Auch wir hatten im Freundeskreis eine ähnliche Diskussion, wobei ich eher für eine klare Existenz von Himmel und Hölle bin. Es ist aber schön, dass Ihre Antwort beide Seiten versteht und auch die biblischen Bezüge nennt.

Unser Herr Jesus Christus ist zwar fuer alle Menschen gestorben aber nur diejenigen die IHN bewusst als Herrn und Erloeser annehmen, werden wiedergeboren, das heist, sie empfangen den Heiligen Geist. "Wahrlich, wahrlich ich sage dir, wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen".
Jesus als Herrn und Erloeser annehmen bedeutet, dass man IHM auch nachfolgt. Also eine Allversoehnung ist absolut unbiblisch. "Es warden nicht all die zu mir sagn: Herr, Herr! ins Himmelreich kommen, sondern die die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Matt. 7:21

Das himmlische Paradies ist nur voruebergehend, die Ewigkeit verbringen wir im auferstandenen Koerper auf der Neuen Erde, siehe das Buch der Offenbarung!

Ja, es war absolut zu erwarten, dass jemand genau so wie Sie argumentieren würde. Ich stehe zu dem, was ich oben schrieb.

Ja, ja, Gott möchte sich freilich mit allen Menschen versöhnen, mit seinem Blut sogar. ABER:
Es gibt mehr als genug Menschen, die verzichten dankend auf diese Begnadigung. Niemand wird von Gott gezwungen...und so scheiden sich die Böcke von den Schafen.

Wie ich nicht müde werden zu8 sagen: Überlassen wir es doch unserem Richter, Jesus Christus selbst, wie er entscheiden wird.

Christus ist nicht der Richter, sondern der Retter.
Nicht jeder Mensch will gerettet werden! Ts! Warum um alles in der Welt, sollte Jesus entscheiden???

Rettung findet laut Bibel nur der, der bewußt Jesus als seinen Retter annimmt und glaubt, dass mit Jesus all seine Schuld und all seine Sünden ein für allemal abgewaschen sind. Wer das nicht tut, hat laut Jesus kein ewiges Leben mit ihm und Gott, sondern wird in der Hölle schmoren. Überlassen wir es dem Mensch, wie er sich entscheiden wird. Hopp oder top? Entweder himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt. Entweder Spitzenplatz oder eben ganz verloren!

Sie kennen Ihre Bibel anscheinend nicht so gut, wie Sie behaupten. Mt 25,31: "Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit," Mit dem Menschensohn ist Jejsus Christus gemeint. Er ist Retter und Richter zugleich.

Ein Menschensohn kann niemals Retter sein, höchstens ein Richter. Der Gottessohn ist der Retter und Erlöser.

Ich bin der Ansicht, Sie, lieber Gast, dürfen den Begriff "Menschensohn" nicht als einen Menschen, hier einen Sohn, der eine weltliche Mutter und einen weltlichen Vater hat, betrachten. Der "Menschensohn" ist der Mensch gewordene Gott, also Jesus Christus.

In den Sach- und Worterklärungen im Anhang der Lutherbibel und der Guten Nachricht Bibel können Sie unter dem Stichwort "Menschensohn" lesens- und wissenswertes finden.

Hölle: Ich versuche mal zu antworten:
Es hängt auch davon ab, ob man an die ‚Singularitätslehre‘ glaubt, nach der man nur ein Leben haben kann, oder an die Metempsychosis (Seelenwanderung) oder Regeneratio (Wiedergeburt). Man braucht nicht an ewige Verdammnis zu glauben, wie es auch Vergil in seiner Äneis nicht tut. Dort kann man Verfehlungen in der Unterwelt ableiden. Diese entspricht der christlichen Hölle, mit dem Unterschied, daß den Guten eine Art Glück beschieden ist, wie der Königen Dido, welcher nach ihrem Selbstmord ein Geliebter geschenkt wird. Nach einiger Zeit steigt man ev. auf ins Elysium oder wird nach 1000 Jahren wiedergeboren.
Eine Nonne will ich noch erwähnen, weiß leider den Namen nicht mehr. Sie meinte, die Hölle sei bereits hier auf dieser Welt.
Was die Wiedergeburt betrifft, so geht Jesus auf diese ein. Er erklärt bei der ‚transfiguratio‘ Math 17,10 auf dem hl. Berg, daß er bald von den Toten auferstehen werde. „Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elias kommen?
11Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elias soll freilich kommen und alles zurechtbringen.
12Doch ich sage euch: Elias ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen.
13Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte.“
D. h. Jesus erklärt, daß Johannes d.T. der wiedergeborene Elias sei. Das wird von der Kirche immer wieder übergangen. Wenn Jesus die Wiedergeburt aber abgelehnt hätte, dann hätte er dies erklären müssen. Die Pharisäer glaubten ja auch an die Wiedergeburt, wie wir aus den Grabbeigaben des Oberpriesters Kaiphas wissen, und Jesus greift sie oft an, aber in Bezug auf die Wiedergeburt niemals.
Auch wäre es von Gott ungerecht, wenn er z. B. zuließe, daß zur Zeit des Vietnamkrieges ein Flugzeug mit Säuglingen abstürzte, diesen aber nicht die Gelegenheit gab, ein weiteres Leben zu versuchen.
Zum Schluß noch ein apokryphes Zitat (Jesus spricht): „Selig ist, wer war, bevor er wurde“. (Ev. Thomae 19.

Jesus ist für die Sünden aller gestorben, aber nicht alle nehmen ihm an. es gibt im nt sehr viele Warnungen, die wir nicht ignorieren sollten.

es geht hier nicht um unsere Vorstellungen und Wünsche, sondern um das, was Gott zu dem Thema sagt. schließlich wird er es sein, der in die Hölle wirft.
Um Selbstbetrug zu vermeiden sollte ein jeder die Bibel zu dem Thema Studieren. Sie ist sehr transparent und Gott versteckt nichts vor uns. :)

So wie ich die Worte von Jesus im Neuen Testament verstehe (Matthäus Kap.5-8) ist die Hölle etwas das aus dem Menschen selbst herauskommt. Er hat gesagt das es die Worte und Gedanken eines Menschen sind die ihn verunreinigen. Es geht ja auch immer um die Beziehung zu Gott und zum Nächsten, und natürlich um die Buße.

Wer meint, dass alle, die Jesus nicht annehmen, automatisch in der Hölle landen (Buddhisten, Atheisten, Sikhs, Hindus, die letzten Naturvölker usw.), ist überheblich und böse. Und wer dieses Kindern erzählt, übt Psychoterror aus und zerstört Seelen.

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