Weg zurück zum Glauben

gestellt von Peter Kroos am 20. März 2015

Hallo Herr Pastor, ich war sehr lange krank (hatte eine Angstneurose) und mußte dabei lernen, mein ganzes Leben infrage zu stellen. In dieser Zeit habe ich auch meinen Glauben verloren, weil ich versucht habe, auch diesen zu hinterfragen. Alles in der Bibel erscheint mir so erfunden und erdacht und was soll ich mit solchen schönen Worten anfangen, die im neuen Testament stehen. Kommet zu mir... Ich beneide jeden Menschen, der sein Gebet sagt und dann zufrieden ist. Gibt es überhaupt wieder einen Weg zurück, der nicht einfach sagt, das muß man eben glauben! Oder du mußt eben Vertrauen haben! Meine Frau hat seit vielen Jahren immer wieder lange Phasen mit Depressionen und ich muß völlig hilflos zusehen und kann ihr nicht helfen. Wo bleibt da der "gütige" Gott ? können Sie mir eine Antwort geben? Viele Grüße Peter

Lieber Peter,

Vielen Dank für Ihre Frage, sie hat mich sehr berührt. Ich kann Sie gut verstehen, dass Sie sagen, dass es Ihnen nicht hilft, wenn jemand kommt und sagt: "Du musst das einfach glauben"/"Du musst einfach vertrauen". Nein, so "einfach" geht das wirklich nicht. Es ist übrigens auch völlig in Ordnung, wenn Sie zur Zeit nicht viel mit dem Glauben anfangen können. Ich versichere ihnen, die meisten gläubigen Menschen - übrigens auch viele Pfarrerinnen und Pfarrer - haben Phasen, in denen sie sich fremd in ihrem Glauben fühlen.

Mit Ihren Zweifeln sind Sie nicht alleine. Viele Menschen in den biblischen Texten und Geschichten haben gezweifelt, mit Gott gehadert. Wir feiern gerade die Passionszeit, in 3 Tagen ist Karfreitag. Am Kreuz, in der schwärzesten Stunde wendet sich Jesus an Gott mit einem Ruf aus einem Psalm: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" (Psalm 22) Vielleicht haben Sie Lust, den Text einmal zu lesen?

Was ich Ihnen auch gerne auf Ihr Anliegen anworten möchte: Es gibt nicht die eine richtige Weise, wie man zu glauben hat. Horchen Sie einmal in sich hinein, wo ist Gott für Sie? Das kann eine Sehnsucht sein, die Sie dann spüren, eine Erinnerung, ein Bild, es kann ganz viel sein. Und dann: Machen Sie sich auf den Weg, auf Ihren eigenen Weg.

Vielleicht hilft Ihnen auch die Geschichte vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32). Diese Geschichte sagt: Gott empfängt Menschen, die ihn suchen mit offenen Armen. Wo in der Geschichte finden Sie sich wieder? Welche Perspektiven eröffnen sich Ihnen aus der Geschichte heraus?

Vielleicht konnte ich Ihnen mit diesen Ansätzen helfen.

Ich wünsche Ihnen viel Glück auf der Suche nach Ihrem eigenen Weg zu Gott.

Ihre Irmela Büttner

 

 

 

Fragen zum Thema

Kommentare

Ich bin in einer ähnlichen Situation und auf der Suche zurück zu meinem Herrn.
Als ich mich eben an den verlorenen Sohn erinnerte und Gottes offene Arme im Sinn hatte, schossen mir Tränen der Erleichterung in die Augen. Danke für den Impuls und den damit wichtigen Schritt auf meinem Weg zurück!

Vor langer Zeit habe ich meinen Weg verloren. Jetzt brauche ich mehr denn je meinen Glauben aber ich fühle nichts mehr dabei. Als Kind habe ich an Gott geglaubt und mich geborgen gefühlt. Ich dachte das ich beschützt werde und mir nichts geschehen könnte. Mir ist damals einiges passiert, ob das der Grund war warum ich später so gehässig wurde weiss ich nicht mehr. Als Erwachsene habe ich Versuche unternommen wieder zu Gott zurück zu finden. Ich hielt es für ein Sakrileg wegen jedem "bisschen" zu beten...ich nahm an das die Dinge die geschahen einem höheren Ganzen dienten, das am Ende alles gut wird. Dann ist jemand gestorben den ich liebte und ich fing an zu Hinterfragen. Warum musste dies geschehen? Warum mir? Ich habe mich einem bescheidenen Leben gewidmet und war froh um die Dinge die ich hatte. Als mir der liebste Mensch auf schreckliche Art genommen wurde. Der Tod meiner Mutter hat mir hart zugesetzt. Ich habe starke Angststörungen die mein Leben beherrschen. Was ist geschehen? Wofür werde ich bestraft? Wo steckt der Sinn in alledem? Wo ist die Hoffnung hin die mich einst begleitete?

Liebe Marion, ich kann vollkommen verstehen, dass es Ihnen schwer fällt zu glauben! Nach so viel Leid, wie Ihnen widerfahren ist! Niemand kann Ihnen die geliebten Menschen widerbringen, das ist ungerecht! Gerade, wenn man sich so hoffnungslos und niedergeschlagen fühlt wie Sie, sind Zweifel ganz verständlich. Wie soll man da denn noch glauben? Das ist dennoch geht, zeigt die Geschichte von Hiob - der selbst im größten Leid an Gott glaubte. Und auch andere Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass es gut tut, die Ängste, Sorgen und Zweifel vor Gott zu bringen. Sie sind wütend. Seien Sie wütend auf Gott. Schreien Sie es ihm entgegen! Klagen Sie! Ich wünsche Ihnen jedenfalls Gottes Segen und Trost in dieser schweren Zeit, Johanna Klee

Hallo, immer wieder höre und lese ich daß Gott unseren Weg und unsere Person schon genau kennt bevor, wir geboren sind. Wir einzigartig sind und mit vielen Gaben beschenkt. Er großes mit uns vor hat und wir nie den Glauben - auch den an uns selbst - verlieren sollen. So viele Menschen haben schwere Schicksale, Krankheiten... kaum daß ihr Leben angefangen hat und einen so schweren Weg der nicht aufhören mag. Dieses warum begleitet mich immer wieder. Auch diese Menschen, wenn auch nicht alle, Beten sicher. War das ihr Weg?
Danke für ihre Antwort

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