Kleinkinder im Gottesdienst?

Gefragt von Alexis
Ein Kleinkind blickt gelangweilt in die Kamera

Foto: epd-bild / Rolf Zöllner

Lieber Herr Muchlinsky,

 

meine Partnerin und ich haben eine kleine, fast 2 jährige Tochter. Bis vor kurzem habe ich noch mit einem Freund regelmäßig Gottesdienste besucht. Meine Partnerin und meine Tochter sind hin und wieder mal mitgekommen.

Seit ca. Ostern ist meine Tochter in den Gottesdiensten leider sehr aktiv und wir sind dadurch gezwungen, mit ihr hin und her zu gehen, da sie sonst quengelig wird, wenn sie immer im Buggy sitzen muss.

Mein Kumpel fühlt sich seit kurzem leider durch meine Tochter im Gottesdienst gestört und sagt, dass er sich nicht auf die Predigt konzentrieren kann, wenn wir auf und ab laufen und kommt seitdem nicht mehr mit uns zum Gottesdienst, es sei denn, meine Partnerin und meine Tochter bleiben zu Hause, was mein Kumpel auch gefordert hat.

 

Das Problem ist, dass wir leider fast keinen Babysitter haben. Die Oma kann nicht mehr aufpassen und unsere Freunde sind quer durch die ganze Stadt verteilt. Wir sehen das allerdings auch nicht wirklich ein, unsere Tochter abzuschieben und quer durch die ganze Stadt zu fahren, nur damit mein Kumpel und eventuell auch andere den Gottesdienst genießen können. Jesus hat ja selber gesagt, dass man die Kinder zu ihm kommen lassen soll.

Uns hat das Verhalten des guten Freundes ein wenig verletzt.

Und nun die Frage an Sie: Hat unser guter Freund doch recht oder sollen wir sie weiterhin mitnehmen? Wie gehen Sie als Pastor mit Kleinkindern im Gottessdienst um? Und wie sollte man sich mit einem Kleinkind im Gottesdienst am besten verhalten?

 

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Alexis

Lieber Alexis,

 

Zunächst einmal finde ich es schön, dass Sie und Ihre Partnerin gern gemeinsam in den Gottesdienst gehen. Ich weiß, wie gut es tut, sich anschließend über den Gottesdienst unterhalten zu können. Dass Sie Ihre kleine Tochter ebenfalls mitnehmen, ist nur allzu verständlich, wenn Sie niemanden haben, der sich um sie kümmern könnte. Nun weiß ich ebenso, dass es für zweijährige Kinder ausgesprochen unattraktiv ist, in einem Buggy sitzend einem Gottesdienst beizuwohnen. Es gäbe ungefähr zehntausend schönere Sachen zu tun. Darum verstehe ich die Quengeligkeit Ihrer Tochter ebenfalls ausgesprochen gut. So weit also zu Ihrer Seite des Problems.

Ihren Kumpel oder Freund kann ich insofern auch gut verstehen, als dass er vermutlich arge Schwierigkeiten hat, sich auf den Gottesdienst einzulassen der der Predigt zu folgen, wenn in seiner Nähe eine Unruhe ist, die ihn ablenkt. Nicht verstehen kann ich allerdings, dass Ihr Freund deswegen gleich fordert, Ihre Freundin und Ihre Tochter mögen doch gänzlich zu Hause bleiben. Ich kann mir vielmehr vorstellen, dass Sie zu einem Kompromiss kommen könnten.

 

Ich kenne Ihren Kirchraum nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass Ihr Kumpel sich eher nach vorn setzt, während sie mit Partnerin und Tochter eher hinten Platz nehmen. Wenn die Kleine unruhig wird, könnte Ihre Partnerin doch im hinteren Bereich mit ihr herumgehen, ohne dass Ihr Kumpel gestört würde, oder? Und wenn sie tatsächlich laut wird, nun dann sollte es die Rücksichtnahme gebieten, dass entweder Sie oder Ihre Partnerin mit der Kleinen für so lange hinausgeht, wie sie lauthals quengelt. Als Pastor kann ich Ihnen versichern, dass es auch ausnehmend schwierig ist, sich auf eine Predigt zu konzentrieren, wenn sich ein Kind lautstark langweilt.

Wie gesagt, ich verstehe, dass Sie das Verhalten Ihres Freundes verletzt hat, weil er Sie gebeten hat, dem Gottesdienst gänzlich fern zu bleiben. Vielleicht können Sie ihm sagen, dass Sie das verletzt hat, und Sie kommen ihm gleichzeitig ein wenig entgegen, indem Sie gemeinsam nach einem geeigneten Kompromiss suchen.

 

Wie gesagt, Sie zeigen Rücksicht, wenn Sie mit Ihrer Tochter den Raum so lange verlassen, wie sie sich sichtlich und hörbar unwohl fühlt – auch gegenüber den anderen Gottesdienstbesucherinnen und –besuchern. Ja, und auch dem Pastor gegenüber. Aber verstehen Sie das bitte nicht als Ausladung, sondern nur als Bitte um Rücksichtnahme. Vielleicht können Sie auch Ihren Pastor ansprechen und ihn fragen, ob man zu einer generellen Lösung kommen kann. In einigen Kirchen gibt es Speilecken für Kleinkinder. Vielleicht ist so etwas ja auch bin Ihnen in der Gemeinde möglich.

 

In jedem Fall wünsche ich Ihnen, dass Sie zu einem guten Ergebnis kommen, denn es wäre ja wirklich schade, wenn Sie oder Ihre Partnerin – oder auch Ihr Kumpel – nicht in den Gottesdienst gehen könnten.

 

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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