Wie prägt die Konfession den Lebensstil?

gestellt von Michael am 1. Februar 2016

Sehr geehrter Herr Pastor Muchlinsky,

mir gefällt die Seite evangelisch.de sehr gut und auch ihr Praktikant Valentin, der über youtube über die evangelische Kirche informiert.

Meine Frage wäre folgende:
Während meines Studiums bin ich häufiger auf Theorien (z.B. von Max Weber) gestoßen, die Protestanten auf der einen und Katholiken auf der anderen Seite unterschiedliche Lebensstile zuschrieben (so einen eher auf das private Leben orientierte, disziplinierte protestantischen, einen ritualisierten, auf soziales Prestige orientierten katholischen).
Zudem ist auch der Stellenwert von Literatur, Kunst, Theater, Film in protestantisch und katholisch geprägten Ländern unterschiedlich.

Inwieweit sind solche Theorien überhaupt noch gültig und können sie die derzeitigen interkulturellen Missverständnisse in der Euro-Krise (verschwenderische Südländer vs. geizige Nordländer) hinreichend erklären?

Vielen Dank für Ihre Antwort!

Lieber Michael,

 

Ihre Frage kann ich nicht mit klaren Fakten beantworten, eher mit einer Einschätzung. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es hierzu überhaupt Erhebungen gibt, die eine klare Antwort zuließen. Vielleicht ein Dissertationsthema für Sie? smiley

Je stärker die Religion das eigene Leben prägt, desto stärker werden sicherlich auch bestimmte Ausprägungen dieser Religion sichtbar und gelebt. Das gilt natürlich auch für bestimmte konfessionelle Unterschiede. Wo jedoch die Bedeutung der Religion für die Lebensgestaltung abnimmt, werden auch die Unterschiede abnehmen. Unsere Europäische Gesellschaft hat sich seit Max Weber erheblich gewandelt. Immerhin starb er vor fast 100 Jahren! Seine sozialogischen Überlegungen können darum gar nicht mehr ohne weiteres gültig sein.

Die Stereotypen, die gern in der Euro-Debatte hervorgekramt werden, sind darum meiner Ansicht nach nicht konfessionell begründet, sondern eher kulturell. Ausgesprochen katholische Bundesländer wie Bayern würden sich wohl auch dagegen wehren, wenn man sie als verschwenderische Südländer bezeichnete.

 

Einen nordisch-protestantischen Gruß und guten beinahe katholischen Wunsch sendet

Frank Muchlinsky

P.S. Valtentin ist Volontär! wink

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