Warum sollte ich an Gott glauben?

Gefragt von Marc Niedermeier

Guten Tag Frau Löw, warum sollte ich Ihrer Meinung nach an Ihren Gott glauben?

Lieber Herr Niedermeier,

eine kurze Frage, die Sie da stellen, die es in sich hat. Wenn ich Ihre Frage lese, ist mein erster Gedanke: von "Sollen" kann ja bei "Glauben" nicht die Rede sein. Das ist das, was ich Ihnen also als erstes sagen möchte: Sie sollen und müssen nicht glauben, lieber Herr Niedermeyer. Glaube ist nichts, was ich einem anderen Menschen befehlen könnte, kein Soll und kein Muss.

Dann fällt mir Ihre Formulierung auf: "Ihr Gott" - das klingt, als gäbe es mehrere Götter - und einer davon ist der eigene. Das ist vielleicht gar nicht so abwegig, wie es zunächst klingt: Nun gibt es zwar nur einen Gott, aber unendlich viele Gottesbilder - Vorstellungen, wie dieser Gott konkret ist und aussieht, bzw. aussehen könnte.

Darüber, da Sie mich fragen, kann ich nun gerne mit Ihnen reden. Ich kann Ihnen erzählen, wie mein Gottesbild ist, wie ich das sehe:

Mein Lebensgefühl zu Gott ist, wenn man so will, wie das Lebensgefühl eines Babys im Bauch seiner Mutter: Ich bin in Gott, ich bin in ihm drin, werde durch sie ernährt, so wie ein Baby durch die Nabelschnur ernährt wird. Oder wie Paulus mal schrieb: in IHM leben weben und sind wir (Apg. 17,28)

Ein ungeborenes Baby kann sich gar nicht vorstellen, dass man auch mit dem Mund essen kann, oder dass man umher gehen kann (dazu ist doch die Nabelschnur viel zu kurz und wie sollen denn diese Beinchen gehen) und doch wird genau dies im Leben eines Menschen geschehen: Er wird geboren, er hat ganz neue und andere Möglichkeiten. So glaube ich, dass ich nach meinem Tod in so einer anderen Welt mit Gott verbunden bin, die ich mir jetzt noch gar nicht vorstellen kann. Immer und ewig bin ich in Gott - und ich komme aus Gott und gehe zu Gott hin. So ein ungeborenes Baby glaubt nicht an seine Mutter - aber seine Mutter glaubt an dieses Kind! - Die Mutter weiß: Dieses, mein Kind, gibt es, ich liebe es, ich habe es nicht nur im Blick, sondern in mir geborgen.

So ein Baby im Mutterbauch kann seine Mutter ja weder beweisen noch widerlegen - es ist einfach in ihr. Deshalb kann ich für mich gar nicht sagen: Ich glaube an Gott, als eine externe Instanz, weil ich mich intern in Gott drin empfinde. Ich kann Ihnen keinen einzigen Beweis für GOTT liefern, so wie ich Ihnen auch LIEBE nicht beweisen kann. Ich kann Ihnen nur sagen: So empfinde ich. Können Sie etwas nach empfinden, wie ich spüre?

Gott, in dem ich lebe, ist: REINE LIEBE, REINES SEIN.

So fühle ich Gott. Das mögen andere vielleicht anders empfinden.

Ich habe auch eine Gottesvorstellung, sie ist nicht "nur" Empfindung, sie basiert auch auf Offenbarung. Die Eigenschaften, die ich an Gott erlebe, sind biblisch auch begründet.

Ich bin Christin - das heißt, GOTT hat sich für mich in der Geschichte konkretisiert. Er/Sie wurde mal konkret - und zwar in Jesus Christus.  Gott wurde in Jesus Mensch - und zwar ein Mensch, der Leiden und Tod erfahren hat. Einer, der Tod und Hölle überwand. Gott hat sich in Jesus Christus als liebender gezeigt, wie es in Joh 3.16 auch heißt: Also hat Gott die Welt geliebt, auf dass alle die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Soweit mal jetzt vielleicht an dieser Stelle von mir.... Ich setze da mal eine Zäsur.

Was ich Ihnen nicht sagen kann, ob das Leben mit Gott und Glauben "besser" ist - als ein Leben ohne Gott und Glauben - das wäre von mir vermessen. Da ich selbst nur das Leben mit Gott kenne und es mir damit gut geht. Wie gesagt, ich glaube: in Gott leben, weben und sind wir....

Vielleicht mögen Sie sich nun dazu äußern, oder andere Mitlesende.....

Mit herzlichen Grüßen, Ihre Sabine Löw

Fragen zum Thema