Ist Sex zu dritt in jedem Fall Ehebruch?

Gefragt von Klaus
Ist Sex zu dritt in jedem Fall Ehebruch?

© efenzi/iStockphoto/Getty Images

Hallo Herr Muchlinsky,

lange Zeit waren meine Frau und ich weg vom Glauben. Wir lebten ohne Jesus. Das hat sich geändert. Früher praktizierten wir ab und an Gruppensex in Form einer Dreierbeziehung. Das heißt wir luden hier einen anderen Mann mit ein. Dieser Mann betrog aber seine Ehefrau und wir haben jetzt auch diese Beziehung beendet. Das lässt sich mit den Glauben an Jesus nicht vereinbaren, obwohl wir uns (Eheparter) beide hier nicht betrogen hatten. Aber ich denke mal es ist nicht richtig seiner Ehefrau gegenüber, die das nicht wusste. Oder?

Frage: Ist es aber möglich als Christen einen nicht verheirateten, einzelnen Mann, der keine Beziehung führt, keinen Betrügen kann, ab und zu für solche Spiele zu dritt einzuladen? Von uns Ehepartnern hat keiner irgendeine Eifersucht untereinander. Es geht nur um Freundschaft und ab und zu Sex zu dritt. Das heißt wiederum, dieser Mann hat Sex vor mir mit meiner Frau. Mir, Ehemann, macht es Spaß zuzusehen. Keine homosexuellen Handlungen unter Männern. Ist das Ehebruch? Der neue Partner wäre ja Solo!

Ich bitte Sie mir diese Frage zu beantworten.
Danke

Lieber Klaus,

 

Die Bibel erzählt mehrere Geschichten über Beziehungen von mehr als zwei Menschen. Als Sarai keine Kinder bekommen kann, schlägt sie ihrem Mann Abram vor, ein Kind mit ihrer Sklavin Hagar zu zeugen. (1. Mo 16) Jakob hat nicht eine Frau sondern zwei und Kinder mit vier Frauen. (1. Mo 29,31-30,24). Allerdings dreht es sich bei diesen Beziehungen grundsätzlich darum, Kinder zu zeugen, nicht lediglich mehr Spaß am Sex zu haben. Bemerkenswert für Ihre Situation ist, dass es in diesen Geschichten immer irgendwann zu Eifersucht und Streit kommt. Je mehr Bedeutung die dritte Person in der Beziehung bekommt, desto wahrscheinlicher, ja anscheinend zwangsläufig kommt es zur Krise. Obwohl es Sarais Vorschlag war, dass ihr Mann mit Hagar Sex haben sollte, wurde sie irgendwann so eifersüchtig, dass sie darauf bestand, Hagar buchstäblich in die Wüste zu schicken (1. Mo 21,8-21).

 

Es liegt darum an Ihnen selbst zu schauen, was Sie einander zumuten. Die Erfahrung lehrt, dass wir Menschen grundsätzlich immer an einen Punkt gelangen können, an dem wir eifersüchtig werden, weil wir das Gefühl haben, es wir einem anderen Menschen von einer geliebten Person etwas gegeben, das uns zusteht. Mag sein, dass es Ihnen gefällt, dass Ihre Fau vor Ihren Augen Sex mit einem anderen Mann hat. Mag sein, dass Sie darum keine Eifersucht empfinden, aber Sie gehen trotzdem ein großes Risiko ein, wenn Sie jemanden derart nah an Ihre Beziehung heranlassen. Die Eifersucht muss ja gar nicht durch Sex ausgelöst werden, aber der Moment mag kommen, an dem Sie plötzlich fühlen, dass etwas, das nur Sie gern von ihrer Frau hätten, jemand anderem geschenkt wird. Wiegen Sie sich also nicht in Sicherheit, nur, weil es Ihnen im Moment Spaß macht.

 

Ob das, was Sie da machen, Ehebruch ist oder nicht, entscheiden Sie ebenfalls bitte für sich selbst. Und wenn Sie zu keiner Entscheidung kommen, ist das umso besser, denn dann bleiben Sie und Ihr Gewissen wachsam.

 

Mit freundlichen Grüßen

Frank Muchlinsky

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