Wie sinnvoll ist Ökumene?

Gefragt von Peter Schuster

Lieber Herr Pfarrer Muchlinsky,

zunächst möchte ich Ihnen für ihre Frage/Antwort-Kolumne danken, es macht immer viel Freude hier reinzusehen.

Heute wende ich mich mal selber mit einer Frage an Sie. Ich bin 35 Jahre alt und vor zwei Jahren im Rahmen eines Wiedereintritts von der römisch-katholischen in die evangelische Kirche übergetreten. Grund war die gute Gemeindearbeit vor Ort, bekräftigt wurde aber mein Entschluss auch durch eine weitergehende Beschäftigung mit den Lehren Martin Luthers.

Aus dieser persönlichen Perspektive heraus kommen mir Fragen zum Ziel und Gewichtung der Ökumene. Ich kann mich durchaus in die älteren Gemeindemitglieder hineinversetzen, die noch eine harte gesellschaftliche Trennung entlang der Konfessionen selber erleben mussten, inklusiv aller daran hängender persönlicher Schicksale. Für mich selber ist aber ein pluralistisches kirchliches Angebot ein Wert an sich, so er mit entsprechender Toleranz gepaart ist, führt doch der wechselseitige Diskurs zu Weiterentwicklung und verbreitert das Angebot Kirche für die Menschen.

Wäre aus diesem Blickwinkel die "große Ökumene" nicht eher ein Schritt zu Ideen- und Meinungsarmut?

Liebe Grüße,

Peter Schuster

Lieber Herr Schuster,

danke für die lobenden Worte! Ich muss gestehen, dass ich Ihre Frage nicht sofort verstanden habe. Ich nehme an, das hängt damit zusammen, dass wir den Begriff "Ökumene" unterschiedlich verwenden. Ich verstehe Ökumene als die ökumenische Bewegung, der es um die Zusammenarbeit der verschiedenen Konfessionen geht. Sie scheinen darunter eher die Bestrebung zu verstehen, die verschiedenen Kirchen wieder zu einer zu machen. Unter meinem Verständnis des Wortes würde ich sagen, dass die Ökumene keinesfalls zu Meinungsarmut führt, denn durch die vielen Begegnungen, die durch die ökumenische Bewegung möglich wurden, ist es gerade erst dazu gekommen, diese anderen Meinungen, Arten zu feiern und zu denken kennen und schätzen zu lernen.

Was Ihre Definition von "großer Ökumene" betrifft, so würde ich sie mit dem Wort "Wiedervereinigung" bezeichnen und Ihnen zustimmen, dass dies nicht unser Ziel sein muss. Dazu habe ich schon einmal ausführlicher geantwortet. Schauen Sie doch bitte hier nach.

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Lieber Herr Muchlinsky,

vielen Dank für Ihre Antwort, gerade auch der verknüpfte Text hat mir sehr weitergeholfen.

Das Bild der ökumenischen Kirche als ein gemeinsames Haus mit vielen Räumen fand ich sehr schön. Bleibt die Hoffnung, dass nicht nur die Dachfrage im eigenen Haus irgendwann einmal zurücktritt. Vielleicht erweitert die Menschheit es eines Tages zu einem Dorf mit verschiedenen Häusern, in dem die christlichen, muslimischen, jüdischen etc. Bewohner friedlich das gemeinsame Glaubensfeld bestellen.

Viele Grüße,

Peter Schuster