Die ägyptischen Plagen

Gefragt von Gast

Zurzeit lese ich das 2. Buch Mose. Hier ist die Rede von 10 Plagen die über das ägyptische Volk kamen. In Deutschland (und Europa) insgesamt gesehen sehe ich heute ein ähnliches Bild. Könnte es sein das sich alles noch einmal wiederholt?

Lieber Gast,

 

schön, dass Sie in der Bibel lesen! Auch schön, dass Sie mit offenen Augen das Zeitgeschehen betrachten! In dem einen aber ein Abbild des anderen zu sehen, ist eine heikle Angelegenheit. Die Gründe für meine Warnung sind diese: Wenn Sie anfangen, Parallelen zu ziehen zwischen der biblischen Geschichte und der Zeit, die Sie gerade erleben, dann haben Sie wahrscheinlich ein paar Berührungspunkte bereits im Kopf. Ich weiß nicht, was genau Sie meinen, aber schauen wir uns mal die möglichen Parallelen an, die Sie ziehen können.

 

In der Geschichte ist von Ägypten die Rede. Sie sagen, das entspräche Deutschland beziehungsweise Europa. Da Sie die Geschichte aus der Bibel ja derzeit lesen, werden Sie aber schnell feststellen, dass diese Parallele nicht eben schmeichelhaft für Europa ist. Schließlich gehen die Ägypter mit den Fremden in ihrem Land extrem schlecht um. Meinen Sie das mit Ihrer Parallele? Dann würden uns die Plagen, wenn wir der Geschichte folgen, und zu Recht treffen, weil unsere Herzen verstockt sind.

 

Und an welche der zehn Plagen denken Sie denn? An Blut in unseren Flüssen? An Frösche? An Stechmücken? An Stechfliegen? An Viehpest? An Geschwüre? An Hagel? An Heuschrecken? An Finsternis? Oder an die Geburt der Erstgeborenen? Und wo erkennen Sie solche Plagen, die uns in Europa befallen? Ich möchte mir nicht denken, dass Sie die Flüchtlinge, die bei uns Schutz suchen, als eine dieser Plagen beschreiben würden, aber was ist es? Die Anschläge auf unser öffentliches Leben? Bedenken Sie: Im 2. Buch Mose sind die Plagen von Gott geschickt worden, damit die Ägypter ihre Gefangenen freilassen. Das ergibt wenig Sinn für unsere Situation.

 

Die Geschichte wiederholt sich auf diese Weise nicht. Die Motivationen der Menschen bleiben sicherlich gleich: Liebe, Eifersucht, Neid, Gier, Egoismus und so weiter und so fort sind unsere Antriebe und lassen uns immer wieder ähnlich handeln. Wir lernen aus unserem Tun, aber das heißt nicht zwangsläufig, dass wir es verändern. Insofern wiederholt sich vieles, aber nicht wie in einem Film, den man ein zweites Mal anschaut, und bei dem man die Handlung noch gut kennt. Wir können etwas verändern, und damit wir das können, müssen wir offen dafür sein, aus dem, was wir lernen, auch Konsequenzen zum Besseren zu ziehen.

 

Das 2. Buch Mose erzählt die Geschichte des Volkes Gottes und seiner Befreiung von der Sklaverei. Es erzählt von der Liebe Gottes zu diesem Volk durch all die Erschütterungen hindurch, die immer wieder kommen. Nach christlichem Verständnis, dürfen sich alle Völker der Erde zu diesem Volk zugehörig fühlen. Seit Jesus Christus dürfen wir ein Teil dieser Geschichte sein. Wir dürfen aus ihr immer wieder lernen und uns an ihr orientieren. Wiederholen soll und wird es sich nicht.

 

Ich grüße Sie herzlich.

Frank Muchlinsky

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