Play Station und American Football - verbotene Dinge?

gestellt von Sebastian am 6. März 2018
Jesus loves Gamers

Foto: evangelisch.de

Aufkleber an Hanno Terbuykens Schreibtisch

Guten Tag,
Ich weiß nicht wie ich anfangen soll. Meine Frau und ich sind Christen. Wir lesen jeden Abend die Bibel als Gottes Wort, erziehen unsere beiden Kindern im Glauben und haben an unserem Herrn Jesus Christus keine Zweifel. Vor kurzem hat uns ein befreundetes Ehepaar besucht und war sichtlich schockiert darüber, dass meine Frau und ich American Football Fans sind (Sport) und zu allem Überfluss auch noch eine Play Station im Wohnzimmer stehen gesehen haben. Wir haben gesagt, dsas meine Frau und ich gerne ab und zu Abends nach getaner Arbeit und wenn die Kinder im Bett sind auch Mal Spaß daran haben, zusammen ein Videospiel zu spielen. Das konnten sie nicht verstehen, dass wir so etwas "unchristliches" tun und schauen. Wir haben uns darüber nie Gedanken gemacht, da es ja drauf ankommt, welchen Stellenwert diese Dinge in unserem Leben haben, und eines ist ganz klar, über alle dem steht bei uns ganz klar Jesus. Zu guter letzt haben sie noch den verletztenden Spruch gesagt, dass ein halber Christ ein ganzer Mi..t sei. Meine Frau sieht das lockerer, indem sie sagt, dass wir nichts darauf geben sollen, wenn uns Menschen in Gottes Namen so verurteilen. Ich kann das nicht so leicht vergessen. Machen uns diese Dinge, auch wenn sie bewusst gelebt werden, gleich zu Heuchlern?
Danke für ihre Antwort

Lieber Sebastian,

Frank Muchlinsky hat mich gebeten, Ihre Frage zu beantworten, weil Ihre Frage direkt aus meinem Wohnzimmer kommt. Meine Frau und ich sitzen regelmäßig auf dem Sofa und spielen gemeinsam Xbox. Und genau wie Sie verfolgen wir fast das ganze Jahr über American Football (Go Niners!). Diese Dinge machen uns nicht zu „Heuchlern“. Sie beschäftigen sich ja selbst intensiv mit Ihrem Glauben. Glauben Sie, dass das Football-Schauen Sie zu einem „schlechteren Christen“ macht? Glauben Sie, dass Videospiele an sich „unchristlich“ sind? Ich glaube das nicht, warum sollten sie das auch sein? Lassen Sie sich nicht von Ihren Bekannten einreden, dass etwas unchristlich sei, nur weil Jesus es nicht erwähnt hat oder weil es das zu biblischen Zeiten noch nicht gab. Was Ihr Christentum ausmacht, ist das Nachdenken über das, was Sie beim Football oder beim Videospielen erleben und wie Sie damit umgehen. Ihr Glaube fließt in Entscheidungen ein, die Sie in Videospielen treffen. Ihre Freude daran, gemeinsam mit Ihrer Frau einen Sport zu genießen, ist ein großer Wert.

Klar, Videospiele und Sport sind eine Form von Unterhaltung. Aber niemand hat uns Christen verboten, unterhalten zu werden. Sie können sich dabei natürlich unchristlich verhalten, zum Beispiel wenn Sie sich über eine Verletzung eines Football-Spielers freuen würden. Dann würde ich mir Gedanken machen. Videospiele haben oft dieses Stigma, dass man sich automatisch unchristlich verhalten müsse. Aber selbst gewalthaltige Videospiele ab 18 dürfen Spaß machen, so lange Sie als Spieler zwischen Wirklichkeit und Spiel unterscheiden können. Das ist nicht anders als bei Actionfilmen oder Spionage-Romanen. Und wenn Ihnen eine Geschichte, die Sie beim Spielen erleben, wegen ihres Glaubens nicht gefällt, erzählen Sie davon! Und umgekehrt genauso! Wenn Ihre Bekannte das nächste Mal fragt, ob Sie immer noch diese Videospiele spielen, erzählen Sie ihr von ihren Erlebnissen. Begeistern Sie sie dafür, was man erleben kann, wenn man sich in fantastische Welten auf dem Fernsehbildschirm begibt. Lassen Sie sich nicht einreden, sie seien deshalb ein halber Christ, weil Sie andere Erfahrungen machen als ihre Freunde.

Das gilt übrigens auch für alle anderen ungewöhnlicheren Erfahrungen. Unsere Sicht zu erweitern macht uns nicht weniger christlich. Eher im Gegenteil: Wer zu wenig von der Welt erlebt, denkt in immer kleineren Horizonten. Also lassen Sie sich nicht entmutigen, auch weiter andere Dinge zu tun als die meisten Menschen um Sie herum!

Besten Gruß,

Hanno Terbuyken

evangelisch.de-Portalleiter, Videospieler und Football-Fan

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Kommentare

Bitte, bitte nicht irgendwelche radikalen Spinner definieren lassen, wer Christ ist und wer nicht. Hier haben wir es wohl relativ klar mit Leuten aus einem extrem evangelikal-konservativen Milieu zu tun. Denen würde ich wegen ihres ganzen Hasses auf alle, die nicht ganz genauso sind wie sie, meinerseits vom Bauchgefühl her eher das Christentum absprechen wollen als denen, die in aller Harmlosigkeit auch mal Spaß und Freude am Leben, an Sport, Spiel (oder gar, Evangelikale bitte weghören, Sex) haben. Aber auch sie sollen nach ihrer Façon selig werden, zumindest solange sie niemanden sonst mit Gewalt, Diskriminierung oder mit Psychoterror belegen (etwa ihre Kinder).

Danke Andreas für Ihre Antwort.
Das ist schön so etwas zu hören. Es tut mir immer so unendlich leid dass Kinder dazu gezwungen werden auf viele Dinge zu verzichten und dann auch noch von Züchtigung gesprochen wird. Diese Kinder werden so früh wie möglich sich abwenden von Gott und all das nur mit Gewalt und Unterdrückung in Verbindung bringen.
Mit freundlichen Grüßen
Sebastian

Vielen Dank für die Antwort Herr Terbuyken.
Diese Antwort spiegelt mein bisheriges Denken wieder und trotzdem erleichtert es mich. Wie oft ich schon gehört und gelesen habe das manche Väter ihre Kinder "züchtigen" wenn sie sagen daß sie gerne Star Wars gucken wollen und ich als Erwachsener Christ schwinge gerne Mal mit Darth Vader auf der Konsole das Lichtschwert. Oder wenn ich heimlich vor anderen (also ich habe es keinem anderen Gläubigen erzählt) Mal zu Gamescom fahre. Ich gucke auch Mal ganz gerne einen Horrorfilm. Dennoch Entfernt mich nichts davon Gott. Im Gegenteil, ich nehme ihn überall mit hin. Und meine Liebe zu ihm geht doch nicht weg wenn ich auch Mal 90 minütige Schauspieler sehe die etwas zeigen was nicht real ist.
Danke

PS. Ein tollen Aufkleber haben sie an ihrem Schreibtisch

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